Kirche Sterkelshausen


 

Erstmals erwähnt wird Sterkelshausen 1410 als Fililalgemeinde des Archipresbyteriums Braach, welche 24 Pfarrstellen umfasste. Die Reformation kam erst sehr spät, in 1546 während des Schmalkaldischen Krieges, in diese Gegend. Da die wichtigsten Entscheidungen der reformatorischen Theologie längst gefallen waren (Marburger Religionsgespräche 1509, Confessio 1530, etc.) fiel der Reformation recht moderat aus. Dass sich letztendlich der reformatorische Ansatz gegenüber dem lutherischen durchsetzte, kann man noch heute an der Position der Kanzel über dem Altar erkennen; auch wenn die heutige Kirche erst aus dem Jahr 1774 stammt.

Die Kirche von 1774 hat bis heute manche Veränderung erfahren. Der Seiteneingang wurde zugemauert, die Sakristei entfernt und über dem Haupteingang ein Vordach angebaut. Die Zahl der Sitzplätze wurde deutlich verringert. Bibelsprüche, die früher im Innern der Kirche zu lesen waren, wurden überstrichen. Aus dem Vers aus 1. Petrus 2,5 "Auch ihr als lebendige Steine erbaut Euch zum geistlichen Haus und zur heiligen Priesterschaft", der über der Sakristei zu lesen war, lässt sich die reformierte Prägung des Ortes noch einmal erkennen.

Bis 1941 ertönten in

Sterkelshausen zwei Bronzeglocken, eine aus dem Jahr 1682 von Meister A. Ulrich aus Bad Hersfeld gegossen. Die zweite Glocke kam von C. Peter in Homberg/Efze. Die Ulrich-Glocke musste Weihnachten 1941 abgegeben werden. Zehn Jahre lang rief die Peter-Glocke allein zu Gottesdienst, Andacht und Gebet. 1950 konnten drei neue Glocken angeschafft werden. Die Peter-Glocke wurde nach Bad Hersfeld an die Gethsemane Gemeinde verkauft. 1974 wurden die drei Stahlglocken Glaube, Liebe und Hoffnung vom Turm geholt und durch die drei Bronzeglocken Glaube, Agnes und Hoffnung ersetzt.

Sterkelshausen gehörte der Kirchengemeinde Braach an. 1938 übernahm Pfarrer Klein-Döpke aus Oberellenbach die Kirchengemeinde in Vertretung. Da es an Pfarrern mangelte, blieb die Übergangslösung bis 1961 bestehen. Seit dem 1. Juni 1961 gehört Sterkelshausen

auch offiziell zu dem Kirchspiel Oberellenbach.

Es ist davon auszugehen, dass schon 1410 eine Kirche in Sterkelshausen Bestand hatte, in der die Pfarrer aus Braach jahrhundertelang ihren Dienst taten. Diese Kirche war aus einheimischen Gehölz und Stein errichtet. Bis 1647 sprach man von einer alten Sterkelshäuser Fachwerkkirche (D.Großmann). An welchem Platz sie gestanden hat ist umstritten. Alte Flurbezeichnungen wie "Am Kirchberg" oder "Unterm Kirchberg" könnten darauf hinweisen, dass sie am steilen Südhang des Dorfes errichtet war. Reste einer Steinmauer, die einst den Kirchhof umgab, könnten sich in der Dorfmitte als Umfriedung der Kastanie finden.

Die seit 1774 bestehende heutige Kirche wurde vom Maurer und Steinhauermeister Johann Philipp Noll aus Rotenburg ausgeführt. In der künstlerischen Anlage richtet sich Noll nach dem protestantischen Predigtkirchentyp, den der Kasseler Landesbaumeister Jussow um 1750 geschaffen hatte. Es entstand der erste Normaltyp einer protestantischen Kirche Hessens aus dem späten 18. Jahrhunderts im Kreis Rotenburg.

 

Die Kirche ist ein längsrechteckiger Saalbau. Auf jeder Langseite hat sie drei hohe Stichbogenfenster, im Osten zwei und im Westen eines über dem Eingang. Auf drei Seiten ist eine eingeschossige Empore eingezogen. Im Altarraum stand einst ein gemauerter Altar, der umgeben war vom Pfarrstand und anderen Ständen. Eine schlichte Kanzel befindet sich in der Mitte der Schmalwand zwischen den beiden Fenstern. Ihren Schalldeckel schmückt eine kleine Krone.

Die Läuteanlage musste im Jahr 1994 ausgetauscht werden. Sie wurde durch eine computer- und funkgesteuerte Anlage ersetzt. Eine neue und umweltgerechtere Heizung kam 1998 hinzu.

Die Orgel wurde 1896 vom Orgelbauer Heinrich Möller aus Rotenburg an der Fulda gebaut. Eine Renovierung erfolgte in den Jahren 1991/1992 auf Drängen der örtlichen Bevölkerung. Dank zahlreicher Spenden von Bürgerinnen und Bürgern, dem Frauensingkreis und der Jagd-genossenschaft konnten fast alle Investitionen in die Sterkelshäuser Kirche in den 90'er Jahren des letzten Jahrhunderts ermöglicht werden.

 

Fotos: Michaela Kirchner