Rückblickende Ansicht auf das Jahr 2016

 

Jes 30, 15-17

 

Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber ihr wollt nicht und sprecht: »Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliehen«, – darum werdet ihr dahinfliehen, »und auf Rennern wollen wir reiten«, – darum werden euch eure Verfolger überrennen. Denn euer tausend werden fliehen vor eines Einzigen Drohen; ja vor fünfen werdet ihr alle fliehen, bis ihr übrig bleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.

 

 

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

 

Die Jahreswende ist eine Gelegenheit zur Umkehr. Ja, wir können es! Wir können anders, Gott traut es uns zu. Das macht uns gelassen.

 

So lautet das Thema des Predigttextes aus dem Jesaja-buch und das Predigtthema. Prima, dann kann ich ja jetzt gehen, mag vielleicht jemand denken. Denn es ist ja schon alles gesagt. Ich kann umkehren. Gott glaubt auch, dass ich es kann. Ich weiß Bescheid.

 

Wenn das alles so einfach wäre, dann könnten wir tatsächlich uns jetzt umdrehen und wieder gehen. Aber so einfach ist es leider nicht, das Umkehren. Denn im Predigttext hat sich ein Wort versteckt, dass so gar nicht unseren Vorstellungen entspricht: Stille werden. Hoffen. So werden wir, sagt der Prophet, stark. Wenn wir aber wie verrückt vorne weg reiten, dann werden wir über kurz oder lang eingeholt und überrollt. Wirklich schade, denn das hört sich jetzt, wo wir uns mal näher damit befasst haben, gar nicht mehr so einfach an.

 

Denn wir waren in diesem Jahr ganz schön laut. 24 gemeinsame Gottesdienste wurden in unserer Gemeinde gefeiert. Und da waren ein paar Dinge darunter, die laute Diskussionen hervorgerufen haben: Der Valentinsgottesdienst zum Beispiel: Damit war nicht jeder einverstanden. Die einen lehnten ihn komplett ab, die anderen haben schon mehrfach nachgefragt, ob wir sowas im neuen Jahr nicht nochmal machen könnten.

 

Der Kinderkirchentag zum Beispiel: Über 40 Kinder sind durch Oberellenbach getobt und haben ganz komische Geschichten gemacht. Brücken gebaut  und andere hinter Gitter gesperrt. Was war noch? Der Johannesfeuergottesdienst wurde bei miserablen Wetter das erste Mal gemeinsam mit der Feuerwehr Licherode gefeiert. Dabei gab es ein Feuer, das größer war als alle, die wir bisher hatten. In Niederellenbach kam zum wiederholten Mal der Nikolaus und der heilige Martin war in Sterkelshausen zu Gast.

 

Ein paar Dinge, die uns daran erinnern, es geht nicht nur stille. Es geht nicht nur hoffend, es muss auch angepackt werden. Das ist wohl war.

 

Und jetzt kommt, wie kann es anders sein, das ABER!!! Aber Hallo: Jeder Gottesdienst, jede Veranstaltung, jedes Treffen brauchte Ruhe und Vorbereitung: Einfach losgaloppieren ging nicht und geht nicht. Erstmal ein bisschen hinschauen, zur Ruhe kommen, darauf setzen, dass in der Stille die passenden Gedanken kommen. Hoffen, dass bei allen Vorbereitungen tatsächlich Menschen kommen. Lieber mal tief stapeln als zu hoch hinaus wollen. Und vor allem: nicht hinter her auf die eigene Schulter klopfen, sondern feststellen: Es hat nur geklappt, weil so viele dabei waren.

 

Ich will Ihnen noch eine Zahl nennen: in diesem Jahr haben wir als Kirchengemeinde 135 Menschen und ihren Familien mit einem kleinen Präsent für ehrenamtlichen Einsatz gedankt. Viele, die einfach helfen, die einfach tun, was nötig ist, still und in der Hoffnung, dass es gut wird. Das fängt bei Straße fegen und Kerzen anstecken an und hört bei Geld zählen und Einzahlen, stundenklang über Ideen und Konzepten brüten und vielem anderen auf. Die vielleicht stillsten sind die, die in unserer Gemeinde bis zum heutigen Tag und darüber hinaus das Friedenslicht gehütet haben. Die Lautesten, und dass meine ich im allerhöchsten Jubelton, waren wohl die Sängerinnen und Sänger der Chöre und die Organisten. Sie haben etwas verändert, sie alle durch ihr tun. Es geht heute Abend gar nicht um die theoretische Seite, es geht nicht um Herzen oder um Gefühle, es geht um schlichtes Tun. Umkehren, in Stille das tun, was uns der Herrgott geschenkt hat. Ob Blumenbeete pflegen oder Grußworte sprechen, ob Kirchen putzen oder Menschen besuchen, alle, die etwas tun, was selbstverständlich und doch nicht selbstverständlich ist, die wissen wovon ich heute Abend rede.

 

Denn darum geht es: Nicht auf Rossen dahinfliehen und auf Rennern reiten, sondern wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir dort, wo es nötig ist, in unserem Tun stille werden, hoffen und umkehren, denn Gott traut es uns zu. Er glaubt an uns und wir an ihn, deshalb, nur deshalb können wir das: umkehren, das Vergangene zurück lassen und still und hoffnungsvoll in die Zukunft gehen. Amen