Predigt und Liturgie vom 25.10.2015 - Matthäus 5, 38-48


Lied 130, 1+2

L: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen

L: Unsere Hilfe kommt von dem Herrn

G: Der Himmel und Erde gemacht hat.

Begrüßung

Wochenspruch Röm 12,21: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem

Eingangslied 487, 1-4

Psalm 37 / EG 720

Befiehl dem Herrn deine Wege

und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen

und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht

       und dein Recht wie den Mittag.

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.

Entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust.

       Bleibe fromm und halte dich recht;

       denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen.

Der Herr hilft den Gerechten,

er ist ihre Stärke in der Not.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn…

Bittruf

Gott will Frieden, aber immer wieder ist Krieg, im Großen und Kleinen, in der Welt und in unseren Dörfern, offen oder hinter vorgehaltener Hand, auch durch unsere Schuld.

Wir bitten Gott um Erbarmen:

Kyrie Eleison

Lobpreis

Jesus sagt: "Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen." Mit seinem Wort und seinem Leben zeigt er uns Wege, friedfertig miteinander umzugehen. Alternativen zu dem was wir so häufig tun. Im Vertrauen auf ihn und seine Hilfe können wir singen:

Gloria in exelsis deo

Tagesgebet

Gott, du stiftest Frieden in Jesus Christus. Ermutige uns, für diesen Frieden zu kämpfen gegen alle Mächte des Bösen, aber nicht mit Gewalt, sondern mit der Liebe und Zuneigung. Mache uns stark im Widerstand gegen Unrecht und Gewalt und lass uns der Macht deiner Liebe vertrauen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Schriftlesung Rut 4, 13-17

13 So nahm Boas die Moabiterin Rut, dass sie seine Frau wurde. Und als er zu ihr einging, gab ihr der HERR, dass sie schwanger ward, und sie gebar einen Sohn.

14 Da sprachen die Frauen zu Noomi: Gelobt sei der HERR, der dir zu dieser Zeit einen Löser nicht versagt hat! Dessen Name werde gerühmt in Israel!

15 Der wird dich erquicken und dein Alter versorgen. Denn deine Schwiegertochter, die dich geliebt hat, hat ihn geboren, die dir mehr wert ist als sieben Söhne.

16 Und Noomi nahm das Kind und legte es auf ihren Schoß und ward seine Wärterin.

17 Und ihre Nachbarinnen gaben ihm einen Namen und sprachen: Noomi ist ein Sohn geboren; und sie nannten ihn Obed. Der ist der Vater Isais, welcher Davids Vater ist.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Halleluja

Halleluja

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Lied 377, 1-4

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

Liebe Gemeinde, auch an diesem Sonntag begegnet uns ein Text, der uns schon beim Hören zu Widerstand aufstachelt. Es ist ein Text, der uns zweifeln lässt an Gott und seinem Sohn. Wie kann er nur so etwas von uns verlangen?

Sicher ahnt der eine oder andere schon, um was es geht: Ja, es geht mal wieder um Feindesliebe, um Flüchtlinge, um die Rettung der Welt und es geht schon wieder darum, dass wir uns der Gewalt anderer beugen sollen. Halt, vielleicht auch nicht. Hören wir wirklich richtig zu? Oder hören wir nur selektiv, wählen wir aus, was wir hören wollen? Hören Sie einmal genau hin, was Jesus sagt:

Predigttext: Mt 5, 38-48

8 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«

39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. 41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen.

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?

47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen

Jetzt denken Sie vielleicht: Ich habe genau hingehört und der Text ist immer noch der Gleiche. Er verlangt von mir Dinge, die ich nicht tun kann oder tun will. Ich sehe es überhaupt nicht ein. Warum soll ich so vollkommen werden wie Gott? Das kann doch sowieso keiner!

Klare Argumente gegen diesen Text. Aber es sind auch klare Argumente gegen alles, was wir glauben. Machen wir uns doch einfach mal die Grundzüge des Christentums bewusst: Wir sollen gut sein, weil Gott gut ist. Wir sollen die Menschen annehmen, weil sie wie wir Geschöpfe Gottes sind. Und ja, es wird nicht unterschieden zwischen meiner Verwandtschaft, meinen Nachbarn und den Fremden, die hierher kommen. Noch schlimmer: Gott unterscheidet noch nicht einmal zwischen den Menschen, die hier leben und denen, die dort leben. Was für ein Drama.

Nochmal zu den Grundsätzen: Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus, weil er seine Geschöpfe liebt, nicht nur die Menschen, auch die Tiere, die Pflanzen, einfach alles was er geschaffen hat. Anschließend hat Jesus nicht nur unter uns gelebt, sich allen möglichen Anfeindungen ausgesetzt, sondern ist freiwillig ans Kreuz gegangen. Und dann, kurz vor der Auffahrt in den Himmel hören die Jünger seine Aufforderung: Gehet hin zu allen Völkern, taufet sie in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie zu halten, alles was ich euch beigebracht habe. Und ich werde bei euch und allen sein jetzt und alle Tage bis an das Ende der Welt.

In der Tat, wie wir es auch drehen und wenden, keine Ausgewählten, keine Speziellen, nein alle, die Guten wie die Bösen, die die freundlich sind ebenso wie die, die uns anfeinden. Ganz ehrlich ist das nicht ein Drama?

Das fängt schon bei der Unterscheidung von Gut und Böse an. Im Wochenspruch steht da so schön: Überwinde Böses mit Gutem. Wie auch immer, es ist die absolute Herausforderung.

Und dann kommt noch dieser Wochenspruch: Lass dich nicht von Bösem überwinden, sondern überwinde Gutes mit Bösem. Ach, so manchmal frage ich mich, wie das alles gehen soll. Was passiert, wenn mich jemand schlägt und ich halte ihm, anstatt mich zu wehren oder davon zu laufen, die andere Seite hin. Ja, es gibt Extremisten bei allen Völkern, die würden sofort noch einmal zuschlagen. Aber die meisten Menschen, was würden sie tun? Ich weiß es nicht, aber ich habe eine Vermutung, Sie bestimmt auch.

Doch lassen wir das und kommen wir zu diesem Guten, was wir tun sollen. Ich erzähle Ihnen eine kleine Geschichte: Da war ein neunjähriger Junge, der hieß Felix. Während eines Referates in der Schule zum Thema Klimaerwärmung kommt ihm eine Idee: Warum kann nicht jedes Kind einfach einen Baum pflanzen, um etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun? Das war 2007. Am vergangenen Freitagnachmittag zählte der Bäumezähler im Internet 14.202.194.547 gepflanzte Bäume.

Ich habe Ihnen etwas mitgebracht, ein kleines Geschenk aus dem Dorfladen Oberellenbach: Da gibt es die gute Schokolade von Plant fort he planet: Pflanze für den Plant. Gut ist, wer Gutes tut wird sie verkauft. Hier ich reiche die Tafel durch die Reihe und Sie dürfen sich ungeniert ein oder zwei oder gerne auch drei Stückchen nehmen. Und ist sie alle, habe ich noch eine hier. In der Zeit erzähle ich weiter.

In unseren Dörfern suchen wir im Augenblick Unterstützung für die Menschen, die in den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten zu uns kommen. Wir suchen nicht die Riesenprojekte, die Tausend-€ Spende, nein, wir suchen die kleinen Hilfe, ein Zimmer oder eine Wohnung zum Mieten, jemand, der bereit ist Pate zu werden, einen Fahrdienst zu übernehmen, ein Sportangebot oder eine Beschäftigung anbietet. Eben kleine Dinge.

Ein Satz dazwischen nur um die Lesung mithinein zunehmen.: Rut war auch Flüchtling: ihr Mann war Tod, der Mann ihrer Schwiegermutter war tot. Beide hatten nichts mehr, und doch ging sie, die sie keine Hebräerin war, mit ihrer Schwiegermutter in dieses ferne fremde Land. Das Ende der Geschichte haben sie gehört.

Angst und Ablehnung wurde überwunden und sie fand, Heimat, Mann und Anerkennung.

Aber viele von uns haben Angst, Angst vor diesen Menschen aus einer anderen Kultur, mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Geschichte. Viele Menschen hören auf Gerüchte und manche erzählen auch Gerüchte und alle verstecken sich vor lauter Angst. Ja klar, arme Menschen, müssen schon kommen, aber doch bitte nicht hierher in unser Dorf. Bitte essen Sie die Tafel ruhig auf, ich habe extra genug Gutes mitgebracht für alle Gottesdienste.

Wenn uns einer auf die rechte Wange schlägt, halten wir ihm nie die linke hin: Aus zwei Gründen: Aus Gerechtigkeitsempfinden und aus Angst. Wir wollen nicht vollkommen und gut sein. Wir wollen lieber fliehen vor dem, was da auf uns zukommt. Und wenn es nur Menschen sind, die selber aus Angst geflohen sind.

Ebenfalls am Freitag sah ich in den Nachrichten, wie Menschen aus Flüchtlingslagern in Slowenien und Kroatien nach vier Jahren Flucht zurück kehrten nach Syrien. Ein Vater sagte: Wenn es nur darum geht zu sterben, dann können wir auch zuhause sterben. Perspektivlosigkeit, Angst, die rechte hingehalten, auch auf die Linke einen Schlag bekommen und trotzdem fehlt noch immer das Gute.

Ich rufe Sie auf, sich zu engagieren, nur ein kleines bisschen, nur im Kleinen, damit es die Menschen, die hier her kommen und denen unser Staat Aufenthaltsrechte gewährt, nicht aus lauter Verzweiflung wieder zurück wollen.

Gut ist, wer Gutes tut. Dann wird uns irgendwann keiner mehr schlagen, keiner den Rock und die Hose von uns fordern. Einer hat es uns gezeigt, wie es geht. Viele sind ihm in den zweitausend Jahren nachgefolgt. Vielleicht kann man das später irgendwann auch über uns sagen. Das Kleine reicht aus. Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist, der es regnen lässt über Böse und über Gerechte. Habt keine Angst, denn Jesus hat gesagt: Ich bin bei euch bis an der Welt Ende. Amen

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied 473, 1-3

Fürbittgebet

Lasst uns beten zu Gott, der in Jesus der Welt seine Liebe geschenkt hat.

Guter Gott, wir beten für alle, die das Warten aufgegeben und sich ihrer Hoffnungslosigkeit hingegeben haben, dass sie sich neu auf den Weg machen, um die Spuren deiner Gegenwart im Handeln der Menschen zu suchen und zu finden.

Wir beten für alle, die müde geworden sind an ihrem Leben: Für die Mütter und Väter, die sich aufzehren in Mühe und Arbeit für ihre Familien. Für die Menschen, die Zeit und Kraft aufopfern für andere, dass sie deine Hilfe spüren und neuen Mut gewinnen.

Wir beten für alle, die enttäuscht und resigniert sind, weil ihr Eintreten für eine bessere Welt scheinbar ohne Wirkung bleibt. Für die Menschen, die unsere Umwelt schützen und bewahren wollen. Für die Menschen, die für den Frieden eintreten, dass sie den Glauben an deine Friedensverheißung und an deine Segenszusage nicht verlieren.

Wir beten für uns, weil wir oft hoffnunglos, müde und enttäuscht sind. Stärke uns und mach uns bereit, zu warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die du verheißen hast. Tröste und ermutige uns, mitzuhelfen, dass die Zeichen deiner Nähe und Liebe in der Welt sichtbar werden.

Stille

Und gemeinsam beten wir weiter:

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Schlussstrophe 251, 1+6

Bekanntmachungen

Die Kollekte vom vergangenen Sonntag hat …. ergeben. Kollekte für unseren Kindergottesdienst Gott segne Geber, Gaben und Empfänger.

Dienstag Tummelgruppe

Mittwoch Frauenkreis evtl. Kirchenchor, Friedhofsausschuss Niederellenbach

Donnerstag Männertreff

3.11. – 5.11. Fortbildung Vertretung Svenja Koch

Kinderkirchentag 01.11. Vorbereitung, 07.11. ab 10:00 Uhr DGH, 08.11. gem. Gottesdienst in Oberellenbach Teilnahme sehr empfehlenswert!

Samstag 18:30 Uhr Reformationsgottesdienst Licherode

Sonntag 10:00 Uhr Taufgottesdienst Licherode und 11:30 Uhr Taufgottesdienst Sterkelshausen

 

Gottesdienste

Der Wochenspruch Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem

Und nun geht in die vor euch liegende Zeit unter dem Segen des Herrn:

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Amen

Orgelnachspiel