24.05.2015 - Johannes 14, 22-27 - Pfinsten


Schriftlesung Joh 14,22-27

Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

Predigt

Wenn ich an Pfingsten denke, fallen mir zuerst Männer mit kleinen Flammen auf dem Kopf ein, die scheinbar wild durcheinander reden. Von klein auf war dieses Bild, vielleicht auch geprägt durch meine katholische Vergangenheit, in meinem Kopf. Wenn Sie auf unser Liedblatt sehen, bemerken Sie, dass da nicht nur die Flammen stilisiert dargestellt sind, sondern auch noch die Taube. Flammen und Taube, das Bild des Heiligen Geistes.

Und wie in der Apostelgeschichte auch, scheinen sie wie wild durcheinander zu reden und sich nach dem Geist zu strecken. Auf unserem Bild liegt sogar einer auf dem Boden und reckt von dort aus die Arme nach oben. Die Geburtsstunde der Kirche. Oder sagen wir besser der ersten christlichen Gemeinde.

Was war ihr Ziel? Gemeinsam beten, gemeinsam Abendmahl feiern, die Erinnerung an Jesus Christus aufrecht erhalten und die versorgen, die wenig oder nichts hatten. Alles Zeichen einer echten Gemeinschaft. Doch sie kämpften schon vor der Himmelfahrt Jesu mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit. Manches wollte nicht so richtig in Kopf und Herz hinein. Dieses nicht Hineinkommen von Jesu Geboten und seinem Wunsch der gegenseitigen Liebe zwischen Gott und den Menschen ebenso wie unter den Menschen kennen wir bis heute.

Schaue ich mich heute um, bekomme ich das Gefühl, dass selbst Menschen, die eigentlich die gleiche Sprache sprechen, nicht verstehen, was der andere sagt. Da sind die Streiks, die vor allem Pendler und Eltern beschäftigen. Das es gemeinsam besser geht, wenn jeder die Bedürfnisse des anderen sieht und versucht, darauf einzugehen, scheinen die Konfliktparteien nicht zu verstehen. Das „Ich“ steht leider viel zu häufig im Weg. Obwohl nun seit gestern scheinbar positive Zeichen zu sehen sind. Der Streik ist zu Ende, aber ist der Preis, der dafür bezahlt wurde wirklich gerecht? In unserem Land reden sich viele darüber die Köpfe heiß.

Gleiches sehe ich, wenn ich in unsere Gemeinden schaue. Ja, einige haben wie sagt man so schön, den Hut auf und entscheiden Dinge, die vielleicht nicht wirklich einleuchtend sind. Beispielsweise unsere neuen liturgischen Gesänge. Viele von uns mich eingeschlossen sprachen in den letzten Wochen von der Einführung einer neuen Liturgie. Dass dem nicht so ist, sondern nur einige der Antwortgesänge sozusagen aufgefrischt wurden, mag vielleicht erst in diesem Gottesdienst deutlich geworden sein. Vielleicht wird es auch erst im Laufe der Zeit klar. Vielleicht kommt aber auch so viel Protest auf, dass wir nach langer Beratung wieder alles zurück nehmen. Wir werden sehen. Ich setze darauf, dass uns der Heilige Geist schon zeigen wird, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder doch völlig auf Irrwege geraten sind. Wir müssen nur die Zeichen lesen, die uns begegnen.

Und damit bin ich wieder bei unserem Bild auf dem Liedblatt: Ich wünsche mir, dass wir zulassen können, dass der Heilige Geist uns bei der Suche nach Lösungen hilft. Ich wünsche mir auch, dass er uns den richtigen Weg weisen möge, dass er uns an bestimmten Stellen hilft, ruhiger und gelassener zu sein und wesentlich entspannter mit schwierigen Situationen umzugehen lernen.

Ich gebe gerne zu, dass es Situationen gibt, da bin ich leider völlig unentspannt und viele andere müssen diese Spannung ertragen. Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so geht, aber ich könnte es mir vorstellen. Uns selber in die Seele zu schauen und den Heiligen Geist wirken lassen ist auch immer ein Prozess der Selbsterkenntnis.

Wenn ich so darüber nachdenke wird mir klar, diese Lösungen, die uns der Heilige Geist anbietet, mögen vielleicht sogar radikaler sein, als wir es uns vorstellen.

So radikal wie bei jenen Männern, von denen manche Umstehende behaupteten, sie wären betrunken und nicht von Gottes Geist beseelt.

Um so radikal n sich und anderen das Gute zu suchen, zu sehen und anzunehmen, dazu gehört eine ordentliche Portion Mut, aber ich bleibe optimistisch, dass uns das gelingen möge.

Wir haben mit dem heutigen Tag gewagt, manches anders zu gestalten. Einige sagen, es sind nur Kleinigkeiten, für andere sind es Riesenschritte und dritte meinen, es sei doch alles nicht nötig, das bisherige war doch gut genug. Aber vielleicht liegt darin der Sinn, den Mut zu haben, Neues zu wagen, um dem Geist die Möglichkeit zu geben, ein wenig frischer durch unsere Kirchen zu wehen. Es mag sein, dass wir damit falsch liegen, aber lassen Sie uns den Mut aufbringen und es einfach mal eine Weile auszuprobieren. Und bitte, wenn es Ihnen gar zu sehr gegen den Strich geht, dann sagen Sie es einfach ebenso wenn Sie es gut finden. Nur so gelingt es uns vielleicht herauszufinden, was der richtige Weg ist. Denn in uns allen kann der Geist Gottes wehen. Es wäre schön, wenn wir uns in Gegenseitigkeit helfen würden, in Offenheit darüber zu sprechen, was uns bewegt. Dazu benötigen wir alle Hilfe, die wir bekommen können. Ich für meinen Teil hoffe auf die Hilfe von Gottes gutem Geist. Amen

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen