19.04.2015 - Konfirmation 2


Predigt 19.04.2015 – Konfirmation in Oberellenbach

Der gute Hirte, der führt und leitet, der seine Schafe begleitet, ja, das ist ein wunderbares Bild, dass viele aus dem Kindergottesdienst kennen. Aber für die heutige Konfirmation? Ist das nicht vielleicht ein bisschen naiv? Genauso naiv, wie das leichtsinnige Einlassen auf den Glauben an den einen Gott?

Gut, ich könnte Proteste gegen diesen Predigttext verstehen. Aber lasst euch doch einmal darauf ein, über die Konsequenzen nachzudenken. Was passiert in unserem Leben, wenn wir, wie am vergangenen Sonntag gepredigt, uns leichtsinnigerweise auf Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist einlassen?

Auch heute habe ich euch da mal was mitgebracht:

Musik abspielen


Ein Engel, der dir deinen Weg weist
der dich leitet, wenn du ziellos durch das All kreist
Ein Engel der dich an die Hand nimmt
und wenn du Angst hast ein Liedchen für dich anstimmt
Ein Engel der dir immer nah ist
der für dich da ist, wenn du in Gefahr bist
Ein Engel als tröstendes Licht
du sagst: „diesen Engel gibt es nicht"


Ja und schon sind wir bei der alles entscheidenden Frage: Gibt es nun den Engel, der uns begleitet? Oder den guten Hirten, der uns führt? Oder ist das alles etwas, worauf ihr euch leichtsinnigerweise eingelassen habt und wo ihr ruckzuck merkt, das ist alles nichts für mich? Diesen Engel, diesen Jesus, den gibt es nicht: Die Antwort der Wise Guys lautet so:


Doch dieser Engel ist da
um dich zu schützen und zu halten
dieser Engel ist da
jeden Tag in verschiedenen Gestalten
er lässt dich nie im Regen stehen
er lässt dich nie allein
doch er ist leicht zu übersehen
denn er kann überall sein


Was hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt: ich habe noch andere Herden, die ich hierherführen will? Und hat er nicht gleich dreimal zu Petrus gesagt: Weide meine Lämmer und meine Schafe?

Und im Taufbefehl heißt es, ihr kennt die Worte sicher noch, schließlich habt ihr sie ja gelernt, geht hin und macht zu Jüngern alle Völker, tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie zu halten, alles was ich euch geboten habe.

Ja was ist das denn anderes als der Auftrag: Seid die Engel für eure Mitmenschen. Ganz glasklar: Wer sich leichtsinnigerweise auf Jesus einlässt, der muss damit leben, dass der unser Hirte ist. Und als solcher schickt er uns nun mal Menschen, die auf uns aufpassen, die uns behüten:


Ein Engel, der dir richtig zuhört
der das verjagt, was dich nachts in deiner Ruh' stört
Ein Engel, der dich mal im Arm hält
und der im Winter deine Heizung auf warm stellt
Ein Engel, der dir einen Brief schreibt
der mit dir wach bleibt, wenn die Angst dich umtreibt
und der sich für dich den Kopf zerbricht
du sagst: „diesen Engel gibt es nicht"


Ja, wer sich auf Jesus einlässt, muss mit solchen Engeln leben. Nein, sie erfüllen ihre Aufgabe nicht ständig und auch nicht nebenbei. Aber immer wieder sind diese Menschen da, manchmal überraschend, manchmal erwartet.


Ein Engel, der dir wieder Mut macht
und diesen Job immer wieder richtig gut macht
Ein Engel, der dir einen ausgibt
und dich bei Sonnenschein energisch aus dem Haus schiebt
Ein Engel, der dir freundlich zuwinkt
mit dir Kaffee trinkt, dich zu deinem Glück zwingt
und der manchmal mit dir Klartext spricht
du sagst: „diesen Engel gibt es nicht"


Diese leichtsinnige Entscheidung für den Glauben hat ganz schön heftige Auswirkungen. Sie verlangt von uns nämlich hinzuschauen, hinzuhören, gelegentlich selber Engel werden, selbst wenn der andere das nicht sieht.


Du hast ihn heute schon gesehen
ich glaub, du kennst ihn längst
und wenn du nicht mehr so viel denkst
dann wirst du's irgendwann verstehen
Doch dieser Engel ist da
um dich zu schützen und zu halten
dieser Engel ist da
jeden Tag in verschiedenen Gestalten
er lässt dich nie im Regen stehen
er lässt dich nie allein
doch er ist leicht zu übersehen
denn er kann überall sein


Liebe Konfirmierte und liebe Konfirmanden, liebe Familien, liebe Gemeinde,

Keiner von uns ist perfekt, ich nicht und auch sonst niemand. Und trotzdem sind wir in unserer Fehlerhaftigkeit immer wieder auch Engel für den Nachbarn, den Bruder, die Schwester, Onkel und Tante, Klassenkamerad und Sportfreundin. Das sind die Augenblicke, in denen wir Gottes Auftrag leben. Und so wie Jesus gesagt hat: ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, so dürfen wir auch einfach mal für andere da sein. Und wenn es Missverständnisse gibt, wenn der Mund mal wieder schneller war als der Kopf, wenn es Streit gibt und Reibereien, egal wo ihr gerade seid, dann denkt einfach dran: Unser Auftrag der auch der eurige ist, für den ihr euch an diesen beiden Sonntagen mit leichtem Sinn entschieden habt, ist es nicht, mit diesem oder jener zu streiten, sondern nicht nur für euch, sondern auch für den Nächsten auf der Reise durch das Abenteuer Leben immer wieder mal ein Engel zu sein. Und so möge uns der Friede Gottes, der größer ist als all unsere Vernunft, auf dieser Reise begleiten. Amen