12.04.2014 (Konfirmation 1) - Predigt zu Joh. 20, 19-29


Schriftlesung Joh 20, 19-29

Es war Abend geworden an jenem Sonntag. Die Jünger waren beisammen und hatten aus Angst vor den führenden Juden die Türen abgeschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: »Frieden sei mit euch!« Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Als die Jünger den Herrn sahen, kam große Freude über sie. Noch einmal sagte Jesus zu ihnen: »Frieden sei mit euch! Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch.« Dann hauchte er sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist! Wenn ihr jemand die Vergebung seiner Schuld zusprecht, ist die Schuld auch von Gott vergeben. Wenn ihr die Vergebung verweigert, bleibt die Schuld bestehen.«

Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer aus dem Kreis der Zwölf, nicht dabei gewesen. Die anderen Jünger erzählten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!« Thomas sagte zu ihnen: »Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren von den Nägeln an seinen Händen sehen und sie mit meinem Finger fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen sonst nicht!« Eine Woche später waren die Jünger wieder im Haus versammelt, und Thomas war bei ihnen. Die Türen waren abgeschlossen. Jesus kam, trat in ihre Mitte und sagte: »Frieden sei mit euch!« Dann wandte er sich an Thomas und sagte: »Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an! Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seitenwunde! Hör auf zu zweifeln und glaube!« Da antwortete Thomas: »Mein Herr und mein Gott!« Jesus sagte zu ihm: »Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!«


Predigt 12.04.15

Liebe Gemeinde, natürlich kennen Sie alle das kleine Wörtchen Leichtsinn. Leichtsinn bedeutet, dass wir etwas unbeschwert tun, eben mit leichten Sinnen, nicht schwermütig, gedrückt, sondern froh, dass wir uns von etwas mitreißen lassen, dass uns packt und leitet und unser Führer sein will und kann.

Dabei verwenden wir dieses Wort eher negativ, etwa in dem Sinne ohne selber zu denken, ohne Beweise anzuschauen, eher ein wenig oberflächlich oder abenteuerlich. Aber unabhängig davon, ob wir „ohne zu denken“ meinen oder doch eher „unbeschwert“, es gibt Dinge, die sind wirklich richtig leichtsinnig. Und wir könnten beide Möglichkeiten darauf anwenden. Zum Beispiel diese hier, die ganz eng mit dem Evangelium des ungläubigen Thomas verbunden ist:

Wie leichtsinnig ist das denn, an etwas zu glauben, ohne Beweise zu haben. Da laufen sie einem hinterher, der ganz offenbar völlig anders ist als alle anderen. Einer, der am Kreuz stirbt und drei Tage später durch die verschlossenen Türen einfach so mitten unter seinen Freunden steht. Und sie glauben ihm, obwohl Thomas sich eher an einen Zaubertrick erinnert fühlt. Eigentlich könnten wir ihn wirklich laut schimpfen hören: Wie leichtsinnig seid ihr denn, wie leichtgläubig? Wer weiß, was das für einer war? ich glaube erst, wenn ich handfeste Beweise habe, Beweise, die ich mit meiner Hand fühlen und mit meinen Augen sehen kann. Aber das, was ihr hier erzählt, das kann nur ein Trick sein. Also mal ganz ehrlich, wie leichtsinnig seid ihr denn?


Aber ist nicht vielleicht ein bisschen Leichtsinn genau das, was wir Menschen brauchen, was unsere Jugend braucht? Ich hab Ihnen und vor allem euch Nochkonfirmanden da mal etwas mitgebracht:

Musik wird eingespielt: Ein bisschen Leichtsinn von den Comedian Harmonists


Ein bisschen Leichtsinn kann nicht schaden, lass der Jugend ihr Vergnügen. Die frohen Tage verfliegen. Darum lass dir keine grauen Haare wachsen, denn:

Ein bisschen Leichtsinn kann nicht schaden, lass der Jugend ihre Freuden. Bist du einst so alt wie der Methusalem, wirst du eingesteh'n: Auch ich war jung! Und darum drücke heute beide Augen zu, gib der Jugend du den rechten Schwung.

Vor allem diese letzte Zeile hat es mir angetan: gib der Jugend du den rechten Schwung. Wer ist dieser „Du“, der der Jugend Schwung geben soll? Ich finde, das ist eine spannende Frage, weil mit ihr gleichzeitig verbunden ist, wer das wohl sein könnte, der da die Jugend zu einem kleinem bisschen Leichtsinn auffordert. Vielleicht auch zu einem kleinem bisschen Leichtsinn, sich auf jemand anderen zu verlassen?

Werfen wir noch einen Blick in das Evangelium, das wir vorhin gehört haben. Thomas scheint mutiger zu sein als die anderen. Wo sie sofort hinterher laufen, alles als wahr akzeptieren, da hat er seine Zweifel: Ich glaube nicht! Es sei denn ich bekomme handgreifliche Beweise.

Die bekommt er auch geliefert zusammen mit einer Rüge: Hör auf zu zweifeln und glaube. Und dieser Jesus setzt noch einen drauf: Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und trotzdem glauben.

Eine geradezu unverfrorene Art, zu einer wirklich leichtsinnigen Tat aufzufordern: Zu glauben ohne zu sehen.

Und wer die Evangelien im Ohr hat, hört sofort die konsequente Weiterführung der Comedian Harmonists:

Fort mit den Sorgen, das ist heut' die Parole. Kinder, seid lustig, und tanzt 'ne kesse Sohle. Was kann uns das Leben noch schön'res geben als einen lust'gen Tag?

Und was hat Jesus gesagt? Macht euch keine Sorgen, denn was soll euch denn passieren, wo doch unser Gott Vater jedes Haar auf eurem Haupt gezählt hat.

Der ungläubige Thomas, wie wir ihn nennen, tritt das alles mit den Füßen. Erst als Jesus ein zweites Mal trotz geschlossener Türen mitten unter ihnen steht und ihn auffordert, seine Hände in die Wunden zu legen, knickt Thomas ein. Dann ist der, der da auf einmal erschienen ist, wieder Herr und Gott.

Hier sitzt ihr vier nun und wollt euch genau auf diesen Leichtsinn einlassen. Ihr habt euch entschlossen, mit der Konfirmation euren Glauben zu bekennen. Das, so finde ich, ist eine mutige, kluge und bestimmt auch ein bisschen leichtsinnige Entscheidung. Leichtsinnig in dem Sinne, dass ihr euch leichten Sinnes und mit offenem Herzen und offenen Ohren von dem Gekreuzigten habt überzeugen und ansprechen lassen.

Die Frage ist aber, wie wird es weiter gehen in eurem ganz persönlichen Abenteuer Leben? Werdet ihr auch in schwierigen Zeiten an diesem scheinbaren Leichtsinn festhalten?

Oder werdet ihr, sobald es schwierig wird, all das, zu dem ihr euch heute bekennt, über Bord werfen?

Kommst du langsam ins gesetzte Alter, wirst du elegisch, so heißt es in der dritten Strophe.

elegisch: das bedeutet so viel wie schwermütig, traurig, wehmütig. Muss das sein? Gibt es nicht auch eine andere Perspektive, bei der wir uns eben nicht wehmütig an das klammern, was war?

Auch ihr vier werdet irgendwann älter werden. Dann könnt ihr natürlich voll Schwermut an eure Konfirmandenzeit zurück denken. Aber vielleicht haltet ihr diesem Leichtsinn, den ihr heute bekennt, ja die Treue und könnt in späteren Zeiten ganz unbeschwert und voll Freude an diese Zeit zurück denken.

Bist du einst so alt wie der Methusalem, musst Du eingesteh'n: Auch ich war jung! Nein, müssen müsst ihr gar nicht. Ihr dürft euch darüber freuen, auch mal jung gewesen zu sein. Und ihr könnt euch darüber freuen, dass ihr euch von diesem leichtsinnigen Abenteuer Glauben in eurem Leben habt überzeugen lassen.

Oh ja, das Leben ist ein Abenteuer und es warten noch viele spannende und interessante, aber auch schwere und traurige Zeiten auf euch. Das ist bei uns allen so. Aber wer den Glauben hat, braucht sich um seine Begleitung nicht zu sorgen. Denn was auch das Abenteuer Leben für euch bereithält, ihr seid nicht alleine, solange ihr tatsächlich diesem leichtsinnigen Abenteuer Glauben die Treue haltet und Gott einen Platz in eurem Abenteuer Leben einräumt.


Darum, guter Gott, drücke heute beide Augen zu und gib der Jugend Schwung, dich zu bezeugen und zu zeigen, was wirklich wichtig ist. Vielleicht, vielleicht stellen wir ja dann fest, dass der Glaube kein leichtsinniges Abenteuer ist, sondern deine Gewissheit, auf die wir uns verlassen können. Daran merken wir, dass der Friede unseres Herrn Jesus Christus definitiv viel größer ist, als all unsere so logische Vernunft. Amen


Und nächste Woche erzähle ich über die Konsequenzen aus diesem Leichtsinn: Was passiert jetzt eigentlich? Lasst euch überraschen!