08.03.2015 - Predigt zu Lukas 9, 57-62


Predigt zu Lk 9, 57-62

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

Also ging ich diese Straße lang
und die Straße führte zu mir
Das Lied, das du am letzten Abend sangst
Spielte nun in mir
Noch ein paar Schritte
Und dann war ich da mit dem Schlüssel zu dieser Tür

Dieser Weg wird kein leichter sein
Dieser Weg wird steinig und schwer
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein
Doch dieser Leben bietet so viel mehr

Es war nur ein kleiner Augenblick
Einen Moment war ich nicht da
Danach ging ich einen kleinen Schritt
Und dann wurde es mir klar

Dieser Weg wird kein leichter sein
Dieser Weg wird steinig und schwer
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein
Doch dieser Leben bietet so viel mehr

Manche treten dich
Manche lieben dich
Manche geben sich für dich auf
Manche segnen dich
Setz dein Segel nicht,
Wenn der Wind das Meer aufbraust

Manche treten dich
Manche lieben dich
Manche geben sich für dich auf
Manche segnen dich
Setz dein Segel nicht,
Wenn der Wind das Meer aufbraust

Dieser Weg wird kein leichter sein
Dieser Weg wird steinig und schwer
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein
Doch dieser Leben bietet so viel mehr

Liebe Gemeinde, dieser Weg wird kein leichter sein. Darum geht es an diesem Sonntag. Es ist Halbzeit auf dem Weg von Aschermittwoch zu Karfreitag. Und dann hören wir: Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr.

Für Jesus war auf dem Weg sein immer etwas Selbstverständliches. Wenn wir uns durch die Evangelien blättern, finden wir Jesus auf dem Weg an den See Genezareth, auf dem Weg nach Galiläa, auf dem Weg durch Samaria und je nachdem welchem Evangelium wir folgen ein oder zweimal auf dem Weg nach Jerusalem. Auf einem dieser Wege wurde er immer wieder von Menschen angesprochen, die ihm folgen wollten. So auch dieser eine aus dem Lukasevangelium:

Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Schon seltsam, da will ihm einer nachfolgen und Jesus warnt ihn beinahe davor. Sei dir der Risiken bewusst. Kein Bett, kein Haus, kein irdisches Zuhause. Wie in dem Lied von Xavier Naidoo: Dieser Weg wird kein leichter sein. Unglaublich aber wahr. Wem wir auch folgen, wir bekommen nichts geschenkt. Oder? Doch, zwei Dinge sind unser Geschenk, der Glaube und die Ewigkeit. Bei allem Risiko, der Preis ist verlockend. Vielleicht viel verlockender als die Geschenke, die zur Konfirmation warten.

Aber die Geschichte aus dem Lukasevangelium geht noch weiter:

Und Jesus sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

In einer Zeit, in der eine Beerdigung der anderen folgt, in der manche Menschen drei-, viermal in einer Woche auf dem Friedhof stehen um Abschied zu nehmen, kommt ein solcher Satz im Evangelium. Sollen wir denn unsere Toten tatsächlich vor den Toren liegen lassen? Nein, da steckt ein ganz anderer Sinn dahinter, den wir erst ergründen müssen. Es geht nicht darum, dass wir unsere Toten nicht begraben sollen. Es geht viel mehr darum, dass wir sie ziehen lassen sollen in das himmlische Reich, uns nicht an dem festklammern, was war und dauerhaft in Trauer zu versinken. Nein, es geht vielmehr darum, aufzustehen, loszugehen mit dem Guten, was uns mitgegeben wurde auch von unseren Verstorbenen und aus diesem Aufstehen heraus unser Christsein zu leben.

Und ein drittes genauso kurzes Gespräch führt Jesus:

Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Auch da steckt wieder unser Festklammern an dem, was wir haben. Auch da steckt unser Wunsch drin, sich an dem festzuhalten, was wir glauben zu sein. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, mein… ich weiß nicht was. Wir definieren uns über das, was wir haben. Reichtum in allen Facetten, unser Aussehen, unser gesellschaftlicher Status. Aber was ist wirklich wichtig?

Es war nur ein kleiner Augenblick
Einen Moment war ich nicht da
Danach ging ich einen kleinen Schritt
Und dann wurde es mir klar

Manche treten dich
Manche lieben dich
Manche geben sich für dich auf
Manche segnen dich
Setz dein Segel nicht,
Wenn der Wind das Meer aufbraust

Es gehört Mut dazu, aufzustehen, den schwierigen, den steinigen Weg unter die Füße zu nehmen. In 14 Tagen feiern wir mit mehr als zwanzig Menschen ihre diamantene Konfirmation. Menschen, die sich trauen, sechzig Jahre nach ihrer Konfirmation erneut vor den Altar zu treten und damit deutlich zu machen: Wie steinig der Weg auch sein mag, den wir mit Gott bisher gegangen sind, wir stehen noch immer dazu.

In vier bzw. fünf Wochen wollen wir zehn junge Menschen konfirmieren. Sie werden genauso wie die Diamantenen Konfirmanden erleben, dass dieser Weg mit und zu Gott kein einfacher sein wird. Wir müssen uns immer wieder zu Disziplin auffordern, wir müssen uns immer wieder an seine Gebote erinnern und wir müssen ständig mit Zweiflern leben. Nein, auch unsere Konfirmanden werden es nicht leicht haben, wenn sie an ihrem Glauben festhalten wollen. Auch ihnen wird Tod und Leid begegnen. Auch sie werden sich fragen, warum gerade ich, Gott?

Und dann festzuhalten, das ist schwer und wird nicht leichter werden.

Und doch hat Jesus ein Wort gesagt: Siehe, ich bin bei euch bis an das Ende aller Tage. Damit endet dass Matthäusevangelium. Diese Worte hätten auch bei jedem anderen Evangelium stehen können, denn die Botschaft ist in allen die Gleiche: Folge mir nach und du wirst genau feststellen können: Ich bin bei dir ganz persönlich von Anfang an bis zum Ende aller Tage.

Können wir uns das vorstellen? Nein, das können wir nicht, denn es ist viel zu groß für unser Verständnis. Können wir daran glauben? Ja, das können wir, denn der dreieinige Gott mit Vater, Sohn und Heiligen Geist hat uns die Kraft und die Fähigkeit gegeben, zu glauben und zu folgen. Also lasst uns Abschied nehmen von unseren Toten, von unserem Besitzstreben und unserem Wertemaßstab und ihm, dem einzigen Sohn Gottes folgen. Amen

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Pfarrer Dirk Kroker