Schriftlesung Joh 21, 15-20 in einer Übersetzung von Jörg Zink

Als sie gegessen hatten, wandte sich Jesus an Petrus: Simon Jona, liebst du mich mehr als die anderen?

Ja Herr, antwortete der, du weißt, dass ich dich liebe.
Da fügte Jesus hinzu: Dann sorge für meine Lämmer.
Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon Jona, hast du mich lieb?
Ja Herr, antwortete Petrus, du weißt dass ich dich liebe.
Jesus setzte hinzu: dann sorge für meine Schafe.
Aber Jesus fragte ihn noch ein drittes Mal: Simon Jona, hast du mich lieb?
Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal fragte: hast du mich lieb? Ihm fiel ein, dass er Jesus dreimal verleugnet hatte. So antwortete er: Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus fügte hinzu: Dann sorge für meine Schafe.
Herr, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Halleluja
Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

Predigt

Liebe Gemeinde, besondere Gottesdienste erfordern besondere Geschichten, manchmal auch besondere Kleidung. Die Predigt, ich habe es mehrfach erzählt, hält Heute Abend mal nicht der Pfarrer, auch kein Schüler aus dem Tempel, sondern ein Zauberer. Ein Zauberer, der mitten aus Mittelerde, dem ein wenig geheimnisvollen Kontinent der Trilogie Herr der Ringe von JRR Tolkin entstammen könnte. Während dieser sich fertig macht, hören wir ein kleines Orgelstück, passend zu unserem heutigen Gottesdienst:

Orgel

Das Böse greift um sich und versucht, mit Gewalt zu unterdrücken, wer auch immer sich frei fühlt. Freiheit und Gemeinschaft sind Dinge, die dem Bösen widersprechen. Neun Gefährten haben sich aufgemacht, um den bösen Ring des dunklen Herrschers zu zerstören.

Ohja ein Märchen auf über 2000 Seiten hat Tolkin geschaffen. Da gibt es Hobbits, die kleinen Leute aus dem Auenland, die wunderbaren Elben, die in den Wäldern leben, die Menschen edlen Geblüts, die verstreut als Waldläufer hier und dort auftauchen, um heimlich für den Schutz des Lebens zu sorgen, da sind Zwerge, die eigentlich nur an irdischen Schätzen interessiert sind und die deshalb in Höhlen leben, in denen sie nach solchen Schätzen graben und schließlich die Zauberer, so wie Gandalf, der erst grau und dann weis in die Geschichte eingeht.

Sie alle schicken ihre Vertreter, um gemeinsam zu beraten, was zu tun ist. Das geht nicht ohne Konflikte, doch schließlich wird die Gemeinschaft des Rings gegründet und neun Lebewesen aus sechs verschiedenen Bevölkerungsgruppen machen sich gemeinsam auf den Weg, um das Böse ein für allemal zu besiegen. Sie wollen das Leben aller Wesen in Mittelerde beschützen, bewahren, unterstützen.

Vielleicht ist Mittelerde ja sowas wie die Johanneskirchengemeinde. Da gibt es Alte und Junge, Große und Kleine, Reiche und auch Arme, Menschen mit den unterschiedlichsten Schul- und Berufsabschlüssen, Menschen, die hier geboren sind und solche, die zugereist, ingefreit oder sonst wie hier gelandet sind.

Klaus Adamaschek hat ebenfalls ein Lied über Elben und das Auenland geschrieben. Ein Lied, das sich nach diesen Wesen sehnt, die uns Licht bringen, Elben und ihr Elbenlicht, Bilbo und Frodo, die beiden Hobbits, die so entscheidend waren, und die doch nicht mehr da sind, und ein Lied, das sich ein wenig nach der Zauberei unserer Kindheit sehnt.

Klaus Adamaschek: Elbenlied (Von der Konserve)
Ich frag mich wohin all die Elben sind
Man hat sie solang nicht gesehen
Ich weiß auch nicht, wo blieb das Elbenlicht
Damit konnt man im Dunkeln sehn
Auch Bilbo und Frodo sind lange schon fort
Sie durften in die Anfurten ziehn
Ist sie wirklich vorbei, all die Zauberei mit der ich groß geworden bin?
Ist sie wirklich vorbei, all die Zauberei mit der ich groß geworden bin?

Wir klagen darüber, dass unsere Kirchen leerer, die Christen weniger und die Nächstenliebe immer unscheinbarer wird. Ist das wirklich so? 82 Menschen, die sich in dieser Gemeinde einsetzen für Kirchenmusik, Andachten, Kinder- und Jugendprojekte, Frauenkreis und Gemeindeleitung sind für heute Abend eingeladen worden. Und selbstverständlich ist die Gemeinde eingeladen worden, die, die sich an dem Einsatz freuen können, um hier ihren Dank mit ihrem Gesang, ihren Gebeten und vielleicht auch mit einem persönlichen Wort auszudrücken.

Mit unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, mit Ihnen ist es wie mit dieser Gemeinschaft, von der ich erzähle: Unterschiedlichkeit der Fähigkeiten, vom gleichen Wunsch beseelt, den Auftrag wahrzunehmen: sorge für meine Lämmer und meine Schafe. Sorge dabei auch für dich selbst.

Ich fürchte sosehr
Es gibt keine Elben mehr
Auch die Wälder der Ents sind gefällt
Und um Gandalf den Weißen
Ist es ziemlich leise
Er rettet wohl eine andere Welt
Mir ist ziemlich bang
Um das Auenland
Keine Zeit mehr um auszuruhn
Das Elbenlicht es leuchtet nicht mehr
Wir müssten wohl selber was tun
Das Elbenlicht es leuchtet nicht mehr
Wir müssten wohl selber was tun

Wir tun was wir können, wir bemühen uns zusammen zu wachsen, auch wenn wir uns trennen, zusammen zu gestalten, auch wenn wir eigene Wege gehen, manchmal versuchen wir mit ein wenig Zauber den Trübsinn zu verjagen.

Ehrenamtliche Arbeit ist genau das: Sich verbinden, sich einbringen, zum Wohl von anderen, manchmal von vielen. Dafür sagt Ihnen der Zauberer Dank und ebenso der Pfarrer. Beide finden es gut wenn sich Menschen einbringen, sich manchmal beinahe ein wenig vergessen. Ohne Sie, ohne euch ginge vieles nicht, kein Gottesdienst, kein Kindergottesdienst, kein Frauenkreis und kein Gemeindebrief.

Jesus hat Petrus stellvertretend aufgefordert, auf seine Schafe und Lämmer zu achten. Er war klar in seinen Worten. Liebst du mich? Dann Petrus, dann sorge für meine Schafe. Wir verstehen uns als Christen, als Gemeinschaft, wir sind verbunden durch unseren Glauben an den einen Gott, der in Jesus auf dieser Welt gelehrt hat, wo unser Weg hinführen soll, wie wir Leben gestalten sollen.

Überall, wo das gelingt, wo sich Menschen von der Musik unseres Chores ansprechen lassen, wo sich Menschen motivieren lassen, ihre Gedanken anderen durch den Gemeindebrief oder durch ihre Mitarbeit in Gottesdiensten mitzuteilen, überall dort berühren sich Himmel und Erde, kann Frieden werden unter uns.

Ein Lied gesungen von mir als Dankeschön an euch:

Da berühren sich Himmel und Erde

1. Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu

beginnen, ganz neu,

da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,

da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

2. Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu

beginnen, ganz neu,

da berühren sich Himmel und Erde ...

3. Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu

beginnen, ganz neu,

da berühren sich Himmel und Erde ...

Gemeinsam Gemeinde und christliche Gemeinschaft gestalten. Das ist der Dank dafür und die Bitte, nicht nur weiter zu machen, sondern ruhig noch ein bisschen mehr werden, mit neuen Ideen, mit alten Wünschen, die es zu verwirklichen gilt. Ich habe Ihnen eine Kleinigkeit mitgebracht und es ist wirklich nur eine Kleinigkeit von mir ganz persönlich: Ein kleines Labyrinth, mit dem Ziel: das Kreuz in der Mitte als Symbol für unsere christliche Gemeinschaft. Die Gemeinschaft der neun wurde im Buch Herr der Ringe in die Irre geführt, gespalten, zerrissen. Frodo und sein Freund Sam mussten sich Wege durch die unwirtlichsten Landstriche suchen, Zwerg, Elb und Mensch liefen tagelang, um ihre Freunde zu befreien und Gandalf, der große Zauberer musste durch Feuer und Wasser stürzen, um vom Grau ins lichte Weis zu kommen.

Oft sind wir auf der Suche nach dem richtigen Weg. Und manchmal sind wir uns auch uneins darüber, wo es lang geht. Aber mit Gesprächen, Überlegungen, Austausch und gegenseitiger Akzeptanz finden wir die richtigen Wege für unsere Gemeinde, für unsere Gemeinschaft.

Ich denke, für jeden von Ihnen sollte ein solches kleines Bild da sein, ob als Fensterschmuck, Untersetzer, Tischdekoration oder Lesezeichen. Es gibt sicher genug Möglichkeiten, es zu verwenden und vor allem es nicht aus den Augen zu verlieren. Es könnte sogar sein, dass diese Symbole für uns alle reichen, ich bitte Sie aber darum, zunächst den ehrenamtlichen Mitarbeitern den Vortritt zu lassen. Aber es dürfen zum Schluss ruhig alle verteilt sein.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen