So ist das also. Die Ersten werden dann irgendwann die Letzten sein und die Letzten, die dürfen dann tatsächlich als Erste ran. So steht es im Matthäus-Evangelium. Doch ist das für uns in unserer Welt nicht völlig unglaubwür-dig?

Denn wir leben in einer Zeit, in der es nur ein Ziel gibt: Ich will der Erste sein, der Schönste, der Reichste, der Beste. Nur das zählt und nur das verschafft uns die Anerkennung, nach der wir uns so händeringend sehnen.

Nun stell ich mir gerade diesen bärtigen, vielleicht ein bisschen herunter gekommenen Mann mit Sandalen und bekleidet mit einem einfachen Kittel vor, wie er vielleicht sogar den Zeigefinger hebt und sagt: Wie ihr es auch dreht und wendet, so wie ihr im Augenblick lebt, wird es in meinem Reich nicht sein. Die, die sich zurück nehmen, die bescheiden warten, bis alle anderen dran waren, die im irdischen Leben hungern nach Liebe, nach einem ausreichenden Einkommen, nach Gerechtigkeit, die werde bei mir als erste sein. Wozu also der ganze Stress? Warum lernen wie verrückt? Warum sich immer wieder auf einen noch besseren Job bewerben? Warum möglichst viel Reichtum anhäufen, den ich am Ende sowieso nicht mitnehmen kann? Wir Menschen scheinen diesem Jesus-Wort nicht glauben zu wollen. Das finde ich schon sehr bedauerlich. Wie schön und ausgeglichen wäre es doch, wenn wir Jesu Ankündigung jetzt schon wahr machen würden?

Der September ist im Kirchenjahr ein seltsamer Monat. Er ist sozusagen nicht Fisch und nicht Fleisch. Der größte Teil der Ernte ist eingebracht, aber es ist noch nicht Erntedank. Die Zeit des Wachstums, des Treibens ist vorbei, die ersten Blätter werden braun, in der Natur zeigt sich das erste Zeichen des herannahenden Sterbens, aber es ist auch noch kein November. Es ist die Zeit dazwischen.

Vielleicht ist das für uns die Chance, diesen Monat als ein Dazwischenerleben wahrzunehmen. Lassen sie uns doch mal Abstand nehmen gerade in diesem Monat von dem Willen, immer und überall der Erste sein zu wollen. Vielleicht ist gerade dieser Monat der richtige, um mal einen Schritt zurück zu gehen, den anderen vorzulassen. Das ist dann sozusagen die Vorarbeit für den Neuanfang, für den Neubeginn des Kirchenjahres mit dem 1. Advent. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, dieser Neuanfang kommt mit Riesenschritten auf uns zu. Deshalb nur Mut: Trauen Sie sich mal, einen Schritt zurück zu gehen und den anderen vorzulassen. Sie werden merken, das kann richtig gut tun.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten September

Dirk Kroker, Pfarrer