Gott spricht: ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Ez 37,27

Es ist November geworden. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Trauer ihrem jährlichen Höhepunkt. Volkstrauertag, Buß - und Bettag und Totensonntag bilden den Abschluss des Kirchenjahres, bevor mit dem 1. Advent der kirchliche Zyklus aufs Neue beginnt.

Grau und dunkel und nass ist dieser Monat in unserer Wahrnehmung. Mancher quält sich mit Erinnerungen, mancher realisiert seine Angst vor dem Sterben, für manchen steigert sich die eigene Depression zur Unerträglichkeit. Zu kaum einer anderen Zeit im Jahr haben die Kliniken, Ärzte und Therapeuten, die sich auf psychische Erkrankungen konzentrieren, so viel zu tun.

Was kann uns trösten, halten und behüten? Die Antwort darauf liegt in unserem Monatsspruch aus dem Buch des Propheten Ezechiel: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein. Ezechiel steht vor den Trümmern seines Lebens und seines Volkes. Alles ist zerstört, viele Menschen sind tot, andere sind in Gefangenschaft und werden zu Sklavendiensten und dem Glauben an eine fremde Religion gezwungen. Alles scheint trostlos und grau und elend. Doch dann kommen diese Worte Gottes. Sie heißen übersetzt: Du bist nicht allein und dein Volk ist auch nicht allein. Ich bin bei allen, die dazu gehören, bei den Toten wie bei den Lebenden, bei den Verschleppten wie bei den Zurückgebliebenen. Nicht einer ist alleine.  Selbst wenn sie nicht da sind, will ich unter ihnen wohnen, wo auch immer sie gerade sind.

November, der graue Monat, der das Ende symbolisiert, ist gleichzeitig auch der Monat des Neuanfangs. Denn wir sind nicht allein, Wir sind immer durch Gott behütet. Stets wird er unter uns wohnen, ob wir ihn wahrnehmen oder nicht, das spielt dabei keine Rolle. Doch so wie wir manchen Menschen übersehen, weil wir ihn nicht sehen wollen oder aus Schmerz nicht sehen können, so können wir auch mit Gott umgehen. Doch die Menschen sind trotzdem da und Gott auch. Natürlich können wir ihn in die Ecke stellen, versuchen, ihn aus unserem Leben zu verdrängen. Aber wäre es nicht viel schöner, sich auf ihn einzulassen? Wäre es nicht viel schöner, sich von ihm trösten und tragen zu lassen?

Es liegt nicht an Gott, wenn wir niedergedrückt durch die Zeit gehen. Es liegt auch nicht nur an uns. Aber es liegt bedauerlicherweise in der Natur von uns Menschen, dass wir uns gegen diejenigen, die es gut mit uns meinen, so oft zur Wehr setzen. Wir wollen Einzelkämpfer sein, alleine aufstehen und weiter gehen. Aber in unserem tiefsten Inneren wissen wir, was wir eigentlich brauchen: Die Liebe, die Zuwendung und die Zärtlichkeit der Mitmenschen und von Gott.

Lassen Sie sich darauf ein und erkennen Sie, wie viel leichter Ihnen der Umgang mit dieser Zeit und diesen Gefühlen dann fällt. Möge Gottes Segen Ihnen gerade in dieser zeit Licht des Trostes und Wärme der Liebe sein.

Dirk Kroker