Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.

 

Ps 130,6

 

 

 

Impressionen zur Weihnachtszeit. Beleuchtet sind die Innenstädte, die Kaufhäuser und auch manches private Haus. Es ist so, als ob wir den Versuch wagen, in diesen kürzesten Tagen des Jahres die Dunkelheit zu vertreiben.

 

So oder so ähnlich ist es dann auch am Heiligen Abend bei uns zuhause. Wie wird er bei Ihnen ablaufen? Ich erinnere mich, dass wir, als meine Kinder noch jünger waren, immer die Wohnzimmertür verschlossen hielten. Nach der Kirche und dem Abendessen wurden dann die Kerzen entzündet und erst wenn das Glöckchen erklang, durften die Kinder hinein.

 

Sofort wanderten die Blicke zu dem geschmückten Baum und den Geschenken. Doch zuvor kam noch die Weihnachtsmusik dran. Dazu reihten sich die vier auf und jeder trug etwas vor, manchmal gemeinsam, manchmal als Solisten. Das war nicht immer ganz einfach. Denn das Funkeln im Hintergrund lockte doch zu sehr.

 

Aber schließlich war es geschafft, Instrumente, Noten und Notenständer wieder weggepackt und dann gab es quasi das „Go“, den Startschuss. Nun wurde reihum nach dem Alter sortiert immer ein Geschenk aufgemacht, bis der ganze Stapel weg war. Eigentlich war damit der Heilige Abend gelaufen und das lange Warten vorbei.

 

Doch so meint es der Psalmbeter nicht. Er wartet auf den Herrn, aber nicht zum Auspacken und Bewundern, sondern um mit Gott durch die kommende Zeit zu gehen.

 

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in Hofgeismar im Predigerseminar an meinem Schreibtisch. Einkehrtage zu Weihnachten nennt sich diese Fortbildung, die ich immer wieder gerne besuche. Hier, fernab von Telefon und Haustürklingel, nutzen wir Kolleginnen und Kollegen, verstärkt durch ein paar Prädikantinnen, die Zeit, um die Festgottesdienste vorzubereiten. Endlich mal stundenlang in Ruhe an einem Gottesdienst knobbeln können. Wie immer ist es auch dieses Jahr eine spannende Erfahrung. Dabei ertappe ich mich gelegentlich bei dem Wunsch, Gott möge auch mich begleiten in dieser Zeit und mir vielleicht noch ein paar konstruktive Gedanken schenken, damit ich weiß, was an Heilig Abend, den Weihnachtstagen und im Jahreswechsel zu hören sein soll. Das ist nicht ganz einfach, aber langsam wächst der Gedanke, welches Thema ich dieses Jahr durch all die vielen Gottesdienste gleiten lassen will:

 

Menschwerd(t)ung!

 

Sicher haben Sie den „Rechtschreibfehler“ bemerkt. In dieser Zeit stellt sich durchaus immer wieder die Frage, welchen Wert hat denn menschliches Leben, ob von Gott auf die Erde geschickt oder hier von Menschen gezeugt. Immer häufiger warten Menschen darauf, dass ihr Wert anders eingeschätzt wird, dass sich andere Menschen des Wunders ihrer Anwesenheit bewusst werden. Das kann manchmal ziemlich lange dauern, aber gerade an Weihnachten erfüllt sich da so mancher Wundertraum. Dann steht da jemand vor der Tür, den ich lange nicht mehr gesehen habe, dann kommt ein Brief von jemandem, mit dem ich nicht gerechnet habe. Wie herrlich, wenn solche Wunder geschehen.

 

Das ist das Wunderbare an Weihnachten. Wir feiern, dass unser Warten auf Gott erfüllt ist. Wenn das letzte Lied gesungen, das letzte Gedicht verhallt ist, dann ist Gott immer noch bei uns. Weihnachten bedeutet: die Hoffnung, Liebe und Gnade ist Mensch geworden und bringt uns die Zuversicht. Sie macht uns ganz bewusst wertvoll in den Augen Gottes.

 

Vielleicht ist das die Anregung für ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk. Wir alle kennen Menschen, bei denen wir uns lange nicht mehr gemeldet haben. Vielleicht tun Sie es einfach. Werden Sie mit dem Gedanken an Gott, der als kleines Kind in die Welt kam, selber zu einem kleinen Wunder.

 

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

 

Ihr Pfarrer Dirk Kroker

Bildnachweis: medio.tv/schauderna