Monatslosung Oktober 2015


Foto: Michaela Kirchner
Foto: Michaela Kirchner

Nachdem sie alles verloren hatten, diskutierten Hiob und seine Frau. Sie forderte ihn auf, Gott abzusagen und zu sterben, aber Hiob gab nicht auf. Sein ganzes Leben lang hat er nur Gutes empfangen. Er war ein angesehener Mann, hatte viele Kinder, viel Vieh und einen unwahrscheinlichen Reichtum. Und dann bricht alles zusammen.

Deutschland in den Jahren nach dem Krieg: 14 Millionen Menschen sind auf der Flucht hierher. Sie sind Vertriebene. Doch das Wunder geschieht. Auferstanden aus Ruinen… wie es in der „Internationalen“ heißt. Aber unser Land wurde geteilt. Und wir teilten es auch in unserem Kopf, in Gut und Böse, in Frei und Unfrei, in die wahren Gerechten und die von den Ungerechten Unterdrückten.  Doch vor 25 Jahren wieder ein Wunder: Die Mauer fällt, der Stacheldraht wird zerschnitten. Wieder ist es schwierig, denn die eine Hälfte unseres Landes liegt zwar nicht in Trümmern, aber doch ziemlich am Boden.

Heute haben wir das weitestgehend überwunden. Die Rede von den Ossis und den Wessis ist immer seltener zu hören. Aber schon wieder sind Menschen auf der Flucht. Menschen, deren Länder in Trümmer liegen oder herunter gewirtschaftet sind. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, wer Schuld trägt. Aber es ist wichtig, sich wieder aus Ruinen zu erheben und das Beste daraus zu machen, im Vertrauen darauf, dass Gott uns zur Seite steht.

 Hiob hatte nichts mehr. Er saß auf seinem Aschehügel und schabte sich mit einer Scherbe die Geschwüre auf. Und doch verlor er bei aller Verzweiflung und aller Klage gegen Gott niemals seinen Glauben. Er war überzeugt davon, dass Gott die Antwort auf die Frage nach dem Warum kannte, auch wenn er sie ihm nicht verriet. Und am Ende des Buches steht: Und Hiob starb alt und lebenssatt.

Unser Glaube ist gefordert. Wollen wir ihn ausleben? Dann ist jetzt die Zeit dazu, um Frieden zu beten und um Gerechtigkeit in der Verteilung all dessen, was uns zur Verfügung steht. Und es ist die Zeit, im Glauben an unsere christlichen Grundlagen anzupacken und zu tun, was nötig ist.

Die Zeit des Klagens ist vorbei. Es ist die Zeit des Bittens, des Dankens und des Tuns. Gerade in dem Monat, der mit dem Erntedankfest beginnt und mit dem Reformationsfest endet, kann es nichts Wichtigeres geben.

Guter Gott, nimm unseren Dank an für alles, was du uns geschenkt hast. Erhöre unsere Bitten nach Kraft, um zu handeln und nach Mitmenschlichkeit, um anzunehmen, damit deine Schöpfung sich deiner Gebote und deiner Liebe erinnert. Amen

Dirk Kroker