Monatslosung November 2015


Foto: Michaela Kirchner
Foto: Michaela Kirchner

Es ist November. Auch wenn gerade in diesem Augenblick der Himmel blau ist, bleibt der November doch in unseren Gedanken ein trüber Monat. Es ist der Monat im Jahr, der ganz im Zeichen unserer Verstorbenen steht. Ob nun seitens der Katholiken Allerheiligen und Allerseelen oder aus Sicht der Evangelischen Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag, die Wahrnehmung dieser Zeit ist immer gleich, meist von Trauer erfüllt und häufig auch von Zweifeln. Ist die Zuversicht der Menschen das himmlische Reich? Gibt es das überhaupt? Werden wir nach unserem Tod auferstehen und wenn ja, wie fühlt sich das an?

Wie wir es auch anschauen, es bleiben Zweifel, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Mancher der zweifelt, findet keinen Ausweg heraus. Sein ganzes Leben wird von Zweifeln überschattet. Werde ich meine geliebten Menschen wieder sehen? Oder auch: Wenn es einen Gott gibt, wie kann er das zulassen?

Erbarmt euch derer, die zweifeln! So steht es im Judasbrief. Der Judasbrief, der kürzeste überhaupt, hat nur zwei Teile. Im ersten Teil verurteilt der Briefeschreiber alle die, die nicht nach Gottes Willen leben. Vor allem sind ihm die, die einfach ihre Begierde ausleben, ein Dorn im Auge. Seiner Meinung nach missbrauchen sie die Freiheit und die Gnade, die uns von Gott geschenkt wird. So weit bin ich mit ihm einer Meinung. Wenn er aber von „festgehalten im Finsteren“ und von „Verurteilung“ spricht, dann bin ich mir nicht mehr so sicher. Ist Jesus wirklich ans Kreuz gegangen, um die, die bis zu ihrem irdischen Tod sich nicht deutlich verbessert haben, in die Finsternis zu stoßen?

Nein, das kann ich nicht glauben. Wenn es wirklich so wäre, wer von uns hätte dann eine Chance auf das Himmelreich? Und hätte Jesus dann tatsächlich zu dem, der mit ihm gekreuzigt wurde, gesagt, und noch heute sehen wir uns im Himmelreich? Nein, ich glaube, wir haben selbst nach dem irdischen Tod noch die Chance uns zu bekehren. Ich setze auf den barmherzigen und gnädigen Gott.

Aber viele, sogar sehr viele zweifeln an ihm. Und da kommen wir ins Spiel. Wir sind wichtig, wir sollen uns auch und gerade um die kümmern, die nicht glauben können oder die in ihren Zweifeln versinken.  Das ist der zweite Teil des Judasbriefes. Es ist die Aufforderung an alle Christen, den Zweiflern gegenüber ein offenes Herz zu haben, sie anzunehmen und ihnen das Zeugnis des barmherzigen Gottes vorzuleben.

Wenn wir das tun, dann geht nicht nur über uns, sondern auch über allen Menschen die Sonne auf, dann werden wir alle erleuchtet und finden Klarheit in unserem Glauben. Also erbarmt euch der Zweifler gerade in diesem Monat, wo sie ganz besonders in Erscheinung treten.

 

Dirk Kroker

 

Guter Gott, schenke uns Kraft, die Menschen mit ihren Zweifeln anzunehmen und schenke anderen die Kraft, meine Zweifel anzunehmen, damit wir gemeinsam den Weg gehen, denn du uns angeboten hast. Amen