Foto: Michaela Kirchner
Foto: Michaela Kirchner

Endlich ist es soweit! Die Fenster werden mit Lichterketten geschmückt. Weihnachtsbäume stehen in den Straßen der Städte. Und über allem macht sich diese Stimmung breit, die nichts Vergleichbares hat. Die Adventszeit hat begonnen und alles fiebert auf den Höhepunkt, den Heiligen Abend hin. Ja, es scheint sich jährlich zu wiederholen: Der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden!

Alles schön und gut, aber was machen wir daraus? Ist Weihnachten nur das Zeichen göttlichen Handelns oder steckt da auch eine Aufforderung für uns dahinter? Es ist ein beinahe etwas künstlich anmutendes Gefühl des friedvollen Miteinanders, das uns ergreift. Und doch sind da Menschen, die auf der Straße leben, sind da Menschen, die zu Fuß aus ihrer Heimat fliehen, um irgendwo anders in Frieden, Wärme und mit einem Dach über dem Kopf endlich wieder ihr eigenes Leben und das ihrer Familien in Sicherheit verbringen zu können.

Damit wird natürlich gerade zu Weihnachten auch ein Geschäft gemacht. Die Spendenbereitschaft ist da besonders groß und jede diakonische, caritative und soziale Vereinigung sucht daraus besondere Einnahmen zu gewinnen. Aber was tun mit den dreißig oder vierzig Spendenaufrufen im Briefkasten, im Fernsehen, in den Kirchen und Zeitungen? Wir können doch nicht allen etwas geben. Das ist ein wichtiges Argument, dass unsere Situation genau beschreibt. Auf der einen Seite dürfen wir uns freuen, jauchzen sogar, wie der Prophet Jesaja schreibt und auf der anderen Seite heißt das Erbarmen Gottes für seine Elenden aber auch für uns, uns zu erbarmen.

Ich halte es in diesem Jahr wie in den letzten Jahren auch. Ich wähle bewusst, wem ich spende und entscheide auch ganz klar, wem ich nichts gebe. Zu meinen persönlichen Spenden gehören Brot für die Welt und, wenn möglich, ein Zusammenschluss verschiedener Hilfsorganisationen, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Neu hinzugekommen ist wenigstens eine Flüchtlingsinitiative. Wichtig ist mir dabei, dass ich zumindest die Möglichkeit habe, nachzusehen, was mit den Spenden passiert. Ich möchte nicht, dass sie in Verwaltung versickern und will auch nicht, dass Barmittel an Staaten oder staatliche Organisationen vergeben werden. Ich will, dass mit meinen Spenden den Menschen direkt geholfen wird. Dafür gibt es viele gute Beispiele. Bei Brot für die Welt zum Beispiel kann ich nachlesen, wie die Gelder verwendet wurden. Auch die Diakonie oder auch unsere Landeskirche weist nach, was sie damit macht. Damit kann ich prima umgehen.

Wenn Sie sich überlegen, ob Sie etwas spenden wollen und wenn ja, für wen, dann nehmen Sie sich die Freiheit, nachzuschauen, wer den Elenden in der Welt Ihrer Meinung nach gut tut. Das ist der richtige Weg, mit sich im Reinen zu sein. Und wenn wir mit uns im Reinen sind, wenn wir das Gefühl haben, wir haben das Richtige getan, dann können wir viel befreiter jauchzen und loben. Dann können wir viel offener die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen. So wünsche ich uns allen eine gesegnete und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.

 

Guter Gott, wir leben in einer Zeit, in der es von allem unheimlich viel gibt, selbst von Hilfsorganisationen. Hilf uns, freiwillig und großzügig zu geben und dabei die Organisationen zu wählen, bei denen wir das Gefühl haben, unsere Gelder kommen den Menschen zugute, die es brauchen, nämlich deinen Elenden. Amen

 

Dirk Kroker