Monatslosung April 2015


Foto: Michaela Kirchner
Foto: Michaela Kirchner

Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen! Mt 27,54

 

Schon seltsam! Ausgerechnet die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten verhöhnen Jesus und fordern ihn auf, er solle doch vom Kreuz herabsteigen und sich selbst helfen, dann wollen auch sie an ihn glauben. Mir kommt das so vor, als würden sie ihren Glaube und ihre Beziehung zu Gott gerne an Bedingungen knüpfen. Auch in unserem menschlichen Miteinander funktionieren Beziehungen oft nicht so ganz bedingungslos.  

 

Doch Jesus ist für uns ans Kreuz gegangen, ohne Bedingungen zu stellen und ist dabei geblieben, trotz Hohn und Spott – einfach aus bedingungsloser Liebe. Oft frage ich mich, ob ich das überhaupt begreifen kann? Wäre es denn nicht viel einfacher zu verstehen, wenn ich das Gefühl haben könnte, ich hätte mir Gottes Gnade selbst erarbeitet? Aber ohne eigenes Zutun dieses Geschenk anzunehmen, das ist doch ein bisschen ungewohnt. Und doch ist mir klar, dass ich es mir gar nicht verdienen kann und – Gott sei Dank – auch nicht brauche.

 

Dann sind da noch die Frauen und einige Jünger Jesu, die trotz ihrer Fragen und vermutlich auch Zweifel bei ihm bleiben, als er dort am Kreuz hängt. In den Wochen vor seiner Kreuzigung waren sie Zeugen, als Jesus anderen Menschen half und Wunder tat und nun müssen sie mitansehen, wie er selbst leidet. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in diesem Moment vieles, was sie bis dahin glaubten, für sie in Frage stellte. Und dennoch sind sie dabei geblieben und haben mitgelitten und mitausgehalten, wenn sie es auch noch nicht begreifen konnten.

 

Während einige trotz Zweifel und vielen offenen Fragen bei Jesus bleiben und auf ihn vertrauen, stehen sich andere vielleicht noch selbst im Weg und warten noch auf diesen und jenen Beweis oder darauf, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Der römische Hauptmann und die Wachen erkennen eher plötzlich: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Ich frage mich, was dieses Erkennen in ihnen ausgelöst hat. Haben sie erkannt, dass Jesu Liebe auch ihnen galt und gilt? Ist mir in jedem Moment bewusst, dass seine Liebe auch mir gilt? Bleibe ich auch „dabei“, wenn sich in mir Zweifel einstellen und manche Frage sich nicht beantworten lässt? Sicher ist es eine Mischung aus all den Emotionen, die sich dort am Kreuz einstellen, die auch mir bekannt sind.

 

Auch wenn mir das Begreifen manchmal gar nicht so leicht fällt, nehme ich sein Geschenk voller Dankbarkeit an und wünsche uns allen, dass wir Gottes bedingungslose Liebe immer wieder spüren und es uns gelingt, diese Liebe auch in unserem menschlichen Miteinander weiter zu geben.

 

Michaela Kirchner