"Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst" (Off 21,6) Predigt I

 

Das ist sie also, die Jahreslosung 2018.

 

Erinnern Sie sich noch, mit welcher Jahreslosung ich hier angefangen habe? Fünf Jahre ist das jetzt her. Gott nahe zu sein ist mein Glück. Und das erste Jahreslied war aus dem EG: Dass du mich einstimmen lässt EG 580

 

Ein Jahr später lautete die Jahreslosung: Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.  Und das Jahreslied Wir wollen aufstehen

 

Noch ein Jahr später, in 2016, lautet die Jahreslosung: Gott spricht, ich will dich trösten wie einen seine Mutter tröstet. Wo Menschen sich vergessen war das damalige Jahreslied.

 

Im vergangenen Jahr lautete die Jahreslosung: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Und das Lied: „Du lässt mich nicht mehr los“ wurde ein richtiger Schlager“

 

Und nun also das lebendige Wasser. Und ein Jahreslied aus dem neuen EG+ Du bist heilig du bringst Heil bist die Fülle, wir ein Teil, der Geschichte die du webst, Gott wir danken dir du lebst.

 

Und so wie er lebt, spricht er auch. Das ist schon mal vielversprechend: Gott spricht. Immer wenn Gott spricht, dann kommt Hoffnung auf etwas Gutes, etwas Positives auf.

 

Und auch der zweite Teil scheint Hoffnung zu bringen: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Alleine schon das letzte Wort finden wir toll. Umsonst, nix bezahlen müssen, keine Forderungen erfüllen oder Leistungen erbringen, einfach so bekommt der, der Durst hat, etwas zu trinken. Wäre das nicht toll?

 

Was bekommen wir denn schon umsonst: Da sind Werbeprospekten, Ramschwaren, die als Werbegeschenke verteilt werden, leere Versprechungen, fadenscheinige Argumente, die unsere Position schwächen und jede Menge Vertröstungen auf Morgen und Übermorgen. Aber häufig ist das, was wir umsonst bekommen, nichts was uns wirklich weiterbringt.

 

Doch demgegenüber steht eine Redensart: Die besten Sachen im Leben gibt es umsonst. Die besten Sachen? Was soll das denn sein? Aber dann fielen mir gleich ganz viele Dinge ein, über die ich mich freue, die mir gut tun und die ich für kein Geld der Welt einkaufen kann: Ein Lächeln, eine Umarmung oder ein aufmunterndes Wort.

 

Ein Beispiel? Wenn ich am Donnerstagmorgen aus meiner Wohnung nach unten gehe, kommt gerade die Tummelgruppe. Vor Weihnachten war sie deutlich geschwächt, weil Krankheiten wie wild um sich griffen und Mütter und Kinder aus dem Verkehr gezogen hatten. Doch die Kids und auch die Mütter, die sich da treffen, lächeln mich immer so wunderbar an, wenn ich mal nach ihnen sehe. Die Großen mit der Kaffeetasse in der Hand, die Kleinen sind damit beschäftigt, die Robb- und Kriechtechnik auszubauen. Dieses Lächeln baut mich sowas von auf, das ist ganz wunderbar. Und es geht ohne dass ich dafür auch nur ein kleines bisschen Leistung zu erbringen habe. Es ist wie erfrischendes Lebenswasser.

 

So empfinde ich auch, was in der Jahreslosung steht: "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst" (Off 21,6) Lebendiges Wasser, das sind erfrischende Worte, aufbauende Gedanken, Vergebung, Hoffnung und liebevolle Zuwendung. All das gibt es bei Gott völlig umsonst. Ob wir es merken und mit Gott in Verbindung bringen spielt dabei keine Rolle. Gott wendet sich uns allen zu, einfach weil wir seine Geschöpfe sind. Ich glaube, das ist doch ein guter Grund, ein wenig das Lob Gottes zu singen. Wie in dem neuen Jahreslied. Das werden wir nachher auch nochmal tun.

 

Aber jetzt habe ich für Euch, liebe Gemeinde, die ihr mit mir dieses neue Jahr hier und heute begrüßt, da mal was mitgebracht. Nun könnten Sie ahnen, es gibt für jeden ein Gläschen Sekt umsonst. Aber nein, ein Tropfen mit der Jahreslosung darauf ist das kleine Präsent. Ein Tropfen der für das lebendige Wasser steht.

 

Wir reichen die Tropfen durch die Reihen, während wir leise Orgelbegleitung hören.

 

Ins Wasser fällt ein Stein nur Orgel ohne Gesang

 

Predigt II

 

Ein Tropfen, den wir einfach mal verschenken dürfen. Wenn Sie ihn in die Hand nehmen oder sehen, dann denken Sie vielleicht daran, dass auch wir Tropfen zu verschenken haben. Darum verschenken Sie doch einfach lebendiges Wasser in dieser Tropfenform. Tropfen für Tropfen. Verschenken Sie ein Lächeln, einen beherzten Händedruck, eine zupackende Hilfestellung beim Einkaufen oder Straße fegen oder ein liebevolles Wort. Wenn Sie in den Gottesdienst kommen, dann schenken Sie jemand anderen Ihre Begleitung und bringen sie ihn oder sie einfach mit. Schreiben Sie mal wieder ein Kärtchen oder einen Brief und enden Sie mit einem Segenswunsch. Sie werden merken, solche Geschenke verselbständigen sich. Sie bleiben nicht bei dem Beschenkten, denn von dort werden sie weiter gereicht. Und ganz oft kommen sie zu dem Schenkenden zurück.

 

Wir müssen endlich begreifen, es geht nicht oder wenigstens nicht nur um die großen Werte, sondern ebenso um diese kleinen Dinge, die unser Leben ausmachen. Wenn Sie einmal das freudig überraschte Gesicht gesehen haben, wenn Sie überraschend einen Kranken besuchen, merken Sie es. Wenn Sie mal wieder das Lächeln eines Kindes sehen, das sich freut, Sie zu sehen, ob nun aus der eigenen Familie oder der Nachbarschaft oder von wem auch immer, dann merken Sie, das ist so erfrischend. Das ist lebendiges Wasser in Reinkultur. Ich weiß das und Sie wissen das auch.

 

Darum seien Sie großzügig, verschenken Sie aus ihrer ganz persönlichen Fülle, denn Gott uns ebenfalls aus seiner Fülle beschenkt.

 

Und der Friede unseres Gottes, der nicht zu messen ist mit unserem ausgetrockneten Geist, der Wasser in die Dürre bringt, der Fülle schenkt, wo Armut ist, der bleibe bei uns in der Zeit, die vor uns liegt. Amen