Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch!

 

Ez 36, 22-28

 

Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht Gott der HERR: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Heiden, wohin ihr auch gekommen seid. Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Heiden entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, wieder heilig machen. Und die Heiden sollen erfahren, dass ich der HERR bin, spricht Gott der HERR, wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, dass ich heilig bin. Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen, und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.

 

 

Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn.

 

Liebe Gemeinde,

 

Viele von Ihnen erinnern sich an die ersten Herztransplantationen von Professor Barnnard 1967 in Südafrika. Die Diskussionen reichten damals von Versuchskaninchen bis Wunderdoktor. Über Monate hinweg war es nicht zu begreifen, dass der Sitz unserer Gefühle, unser Herz, auf einmal austauschbar wurde. Denn wenn uns etwas ans Herz geht, dann fühlen wir uns angerührt, dann leiden wir mit, dann freuen wir uns mit und manchmal teilen wir sogar unseren Zorn.  Das alles hängt an diesem einen Organ.

Ein Mediziner verriet mir, dass für das nächste oder übernächste Jahr sogar der komplette Körper ausgetauscht werden soll. Oder soll da ein Kopf transplantiert werden? Wessen Geist wird dann in diesem Leib wohnen? Ich weiß es wirklich nicht. Ich merke nur, dass mich mit Blick auf die diesjährige Jahreslosung diese medizinischen Fragen sehr berühren. Leben wird erhalten durch den Austausch defekter Organe bis hin zu ganzen Körpern. Ein Wunder für die, die weiter leben dürfen. Aber auch ein Problem für die, die weiter leben dürfen.

 

Aber ist es nicht an der Zeit, dass wir tatsächlich Geist und Herz austauschen lassen? Der Grund dafür, dass Gott diesen Eingriff vornehmen will, liegt im verlorengegangenen Glauben. Aus seiner Sicht reicht es jetzt. Es ist Schluss mit dem egoistischen, mitleidlosen und harten Denken. Es muss endlich etwas anders werden. Gott will, dass seine Werte und Vorstellungen endlich wieder Gewicht haben. Also hat er den alten Israeliten genau das gesagt: Steinernes Herz raus, fleischernes Herz rein. Und damit das Ganze auch hält, was es verspricht, wird ein neuer Geist dazu gegeben.

 

Denn Gott spricht: ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

 

Moment, das habe ich ja gar nicht vorgelesen. Denn die Jahreslosung 2017 stammt nicht aus der Lutherübersetzung, sondern aus der Einheitsübersetzung unserer katholischen Schwestern und Brüder. Damit ist schon mal etwas festgeschrieben, was die meisten nicht wissen: Monatssprüche und Jahreslosungen werden für jedes Jahr neu ökumenisch festgelegt. Ein gemeinsames Tun, dass uns miteinander verbindet. Für uns gilt in der Regel: Wir sehen und hören nur, was uns trennt, nicht was uns verbindet. Im Übrigen sind auch die Freikirchen daran beteiligt, was für manch einen noch viel unglaublicher ist. Herrscht da vielleicht schon ein neuer Geist?

 

Eines der Bildmotive für die neue Jahreslosung zeigt zwei Hände, die ein symbolisches Herz halten. Ob dieses nun aus Plüsch oder Pappmaché ist spielt dabei keine Rolle. Die Hände machen einen zärtlichen Eindruck. Nach den Fingernägeln zu urteilen sind es die Hände einer jungen Frau.

 

Gott als Frau hat uns schon in der Jahreslosung im vergangenen Jahr Probleme bereitet. Es passt so gar nicht in unser traditionelles Bild. Gott ist ein Mann, es heißt ja schließlich der Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Aber vielleicht kommt Gott mit seinem ganz eigenen, für uns so schwer nach vollziehbaren Denken, dem Denken und Fühlen von Frauen näher als von Männern?

 

Ich mache es an einem Beispiel deutlich: Weihnachtsgeschenke. Geschenke von Männern an Frauen müssen erstmal teuer sein. Schmuck, Parfum, Kleidung, alles hochpreisig, so sagt man ja. Schade nur, wenn sich Frau viel mehr nach Zärtlichkeit als nach Schmuck sehnt.

 

Frauen schenken wohl eher etwas Sinnliches. Ein Bild, ein gemeinsames Wochenende, einen gemeinsamen Winterspaziergang. Da kommen wir Männer schon mal leicht ins straucheln, denn lieber wäre uns die neue Bohrmaschine, der neue Rasierer oder etwas in dieser Art gewesen. Liebe Gemeinde, wenn Sie jetzt sagen, bei uns ist das aber nicht so, da bekommt jeder, was er sich wünscht, dann fragen Sie sich doch mal ganz kurz, was Sie gerne verschenkt hätten, es aber nicht getan haben, da der oder die andere das gerade nicht braucht oder will.

 

Wir sind schon erstaunliche Geschöpfe, wir Menschen. Da geht uns was ans Herz und dann geht uns das Herz auf. Da drücken wir jemanden ans Herz, bringen etwas anderes nicht übers Herz, bewegen aber Erinnerungen lange in unseren Herzen. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann wird uns das Herz gebrochen.

 

In all dem schwingt die Sanftheit und Zärtlichkeit mit, das Mitfühlende und sich Einsetzende für den Partner, die Kinder, die Tiere. Und wenn ich dann die Zeitung aufschlage, dann lese ich das Gegenteil. Wenn ich Nachrichten höre oder sehe, nehme ich nur Gewalt und Hass und Ablehnung war.

 

Ich will noch einmal über den konfessionellen Wassergraben hinweg schauen: Am vorletzten Tag des alten Jahres lese ich in der Zeitung, dass sich Kardinäle zusammen getan haben und gemeinsam mehr oder weniger deutliche Kritik an dem aktuellen Papst üben, weil dieser den Versuch gewagt hat, manches Menschenverachtende in seiner Kirche zu korrigieren. Oder bei uns: Da äußert sich unser Bischof zu Verbindendem zwischen Judentum, Christentum und Islam und schon weht ihm kräftig der Wind ins Gesicht. Auch das können Sie in der Zeitung nachlesen. Beides für mich Versuche, das neue Herz und den neuen Geist Gottes mit Leben zu erfüllen. Aber es will uns nicht gelingen. Das gilt übrigens nicht nur im Großen, sondern auch bei uns im Kleinen.

 

Was fangen wir jetzt also mit dieser neuen Jahreslosung an? Wir können sie natürlich an die Seite legen, warten bis das Jahr rum ist und darauf setzen, dass die nächste Jahreslosung angenehmer sein wird. Oder wir fassen uns ein Herz und durchforsten unseren Geist, ob es nicht besser wäre, die Menschen unserer Umgebung menschlicher, zärtlicher, sanfter anzufassen, sie kräftiger zu unterstützen und vor allem deutlich zu machen: Wir tun das nur aus unserem Glauben heraus, denn Gott hat uns diese Möglichkeit geschenkt.

 

Als dem ersten Patienten ein neues Herz eingepflanzt wurde, lebte dieser noch 17 Tage. Keine vier Wochen später machte Professor Barnnard die zweite Herztransplantation und diesmal wurden dem Patienten 20 neue Lebensmonate geschenkt. Heute werden Menschen mit transplantierten Organen viele Jahre geschenkt. Doch wir haben ein Problem mit diesem neuen Geist und diesem neuen Herz, das in diesen zärtlichen Händen uns gereicht wird. Ich will uns allen Mut machen, dies Herz und diesen Geist Gottes mit offenen Händen anzunehmen und das neue Jahr im Vertrauen auf den, der uns nicht loslässt, neu und vielleicht ganz anders zu gestalten. Lassen Sie Leben in unserer Gemeinde entstehen und helfen Sie, Leben zu erhalten über alle Wassergräben und Grenzzäune hinweg. Das alles können wir tun im Heiligen Namen unseres Gottes, der uns ein neues Herz und einen neuen Geist geschenkt hat. Amen

 

Und der Friede unseres Gottes, der nicht zu messen ist mit unserem alten Geist, der bleibe bei uns in der Zeit, die vor uns liegt. Amen