Evangelisch sein heißt... Ostern zu feiern!


 

Es ist schon seltsam. An Weihnachten sind die Kirchen voll und an Ostern fahren viele in Urlaub. Und das, obwohl Ostern und vor allem Karfreitag nach evangelischem Verständnis eigentlich die höchsten Feiertage im Kirchenjahr sind. Nun fragen Sie sicher, warum das so ist. Warum legen evangelische Christen so großen Wert auf Karfreitag und Ostern?

 

Dabei ist die Antwort vergleichsweise einfach. Unser ganzer Glaube setzt darauf, dass am Ende unserer irdischen Tage uns die Gnade und Vergebung Gottes zugesprochen und damit der Weg frei ist in das himmlische Reich. Das liest sich erst einmal ganz schön abstrakt. Wer denkt wohl im ganz normalen Alltag daran, dass alles, was wir hier tun, irgendwann zu Ende sein wird?

 

Nun, für uns ist Jesus sehr bewusst in den Tod gegangen. Historisch betrachtet hätte er sich vermutlich wenigstens eine Zeitlang der Verfolgung durch die Tempelbehörden ebenso wie durch die Römer entziehen können. Vielleicht wäre ihm mit einer Flucht ins Ausland sogar der qualvolle Tod am Kreuz erspart geblieben. Aber das tat Jesus nicht. Sehenden Auges versammelte er am Abend vor seiner Verhaftung die Jünger zu einem gemeinsamen Essen, dass wir heute unter dem Begriff „das letzte Abendmahl“ kennen und vor allem am Gründonnerstag feiern.

 

Wer genau hinhört, erfährt bei jeder Abendmahlsfeier, warum er das getan hat. Denn in den Einsetzungsworten heißt es im zweiten Teil: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dass für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden, Solches tut, sooft ihr es trinket zu meinem Gedächtnis.“

 

Aus diesem Versprechen heraus ging er in der Nacht in die Gefangenschaft und am nächsten Tag ans Kreuz, damit dieses „vergossene Blut“ und dieser „hingegebene Leib“ tatsächlich Realität wird.

 

Und dann, drei Tage später, trat er mit der Auferstehung den Beweis an, dass seine Worte nicht nur die Reden eines Spinners, sondern echte Hoffnung auf das Reich Gottes darstellte.

 

Und da wir nun vor allem aus dieser Hoffnung leben können Karfreitag und Ostern nur die höchsten Feiertage sein.

 

Wenn Sie sich in diesen vor uns liegenden Tagen Gedanken darüber machen, warum es das ganze eigentlich gibt und warum jedes Jahr wieder darüber diskutiert wird, ob ein Tanzverbot wirklich angemessen ist, dann kommen Sie doch am Karfreitag in einen der vier Gottesdienste. In diesem Jahr werden wir die letzten Stunden Jesu aus Sicht des Petrus betrachten, der sich noch in der Nacht vor seinem Tod von Jesus distanziert hat.

 

Und wenn Sie mehr wissen wollen, dann lohnt es sich auf jeden Fall, an diesem Tag mehr als einen Gottesdienst zu besuchen. Sie sind herzlich dazu eingeladen.

 

Pfarrer Dirk Kroker