Adventsandacht in der Kirche Niederellenbach am 9. Dezember 2015


Orgelvorspiel

Dornenzweige auf den Tische, Rosen auf dem Altar. So begrüßen wir Sie herzlich zu unserer gemeinsamen Adventsandacht mit anschließendem Kaffeetrinken. Diese ungewohnte Weihnachtsdeko verweist auf das Thema unseres heutigen Nachmittags. Das Adventslied »Maria durch ein Dornwald ging« wird uns heute begleiten, den wir feiern im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Doch zu Beginn wollen wir mit einem Lied Gott um sein Erbarmen bitten:

Eingangslied Oh Heiland reiß die Himmel auf 7, 1-4

Tagesgebet

Gott, heute denken wir an Maria, die Mutter deines Sohnes Jesus. Wir danken dir, dass du eine junge Frau erwählt hast, deine Liebe Mensch werden zu lassen. Öffne uns für Jesus Christus, dass wir gemeinsam mit Maria ihm folgen.

Amen

1. Maria durch ein Dornwald ging, Kyrie eleison. Maria durch ein Dornwald ging, der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen. Jesus und Maria. Orgelmusik

Sie kennen das Lied »Maria durch ein Dornwald ging« sicher als Adventslied. Von seinem Ursprung her ist es jedoch ein Wallfahrtslied, das wohl bereits im 16. Jahrhundert entstand und sich dann im 19. Jahrhundert mündlich vom katholischen Thüringen ausgehend im Bistum Paderborn verbreitete. Die älteste bekannte gedruckte Fassung hat sieben Strophen und findet sich 1850 in der Sammlung geistlicher Lieder von August von Haxthausen und Dietrich Bocholtz-Asseburg.

Durch die Jugendbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Liederbuch Der Zupfgeigenhansl gewann das Lied zunehmend an Popularität.

Die drei Strophen, die wir gerade gehört haben, erinnern an die Wanderung der schwangeren Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth, wie sie uns im Lukasevangelium berichtet wird. Hören wir die betreffende Bibelstelle, die auch das Tagesevangelium vom Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens ist, das die katholische Kirche am 8. Dezember feiert.

2. Was trug Maria unter ihrem Herzen? Kyrie eleison. Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen. Jesus und Maria. Orgel

Schriftlesung aus dem Lukasevangelium

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?

Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

Und Maria sprach:

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern,

Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen

3. Da haben die Dornen Rosen getragen, Kyrie eleison. Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen. Jesus und Maria.

Orgel

Ansprache:

Maria durch ein Dornwald ging, was für ein Bild für eine Schwangerschaft. Verwirrend, hoffnungslos. Das Lied ist geprägt vom Motiv des Dornenwalds, der sieben Jahre kein Laub mehr getragen hat. Der abgestorbene Dornenwald ist Sinnbild für Öde, Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, ungenutzte Möglichkeiten und Tod. Die Zahl sieben steht für Erfüllung und Vollendung: Denken Sie zum Beispiel an unseren Wochenrhythmus oder an die Schöpfungserzählung, die uns von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen berichtet. Denken Sie an den Sabbat, den siebten Tag als den Ruhetag, und an die sieben fetten und mageren Jahre, die sich im Traum des Pharaos in der Josefsgeschichte im Alten Testament angekündigt haben.

Maria durch ein Dornwald ging: Eine schwangere Frau, noch nicht verheiratet, wenn auch fest zugesagt, es ist eine hoffnungslose, trostlose Situation voll von Verletzungen und ungenützten Möglichkeiten.

Wie war das in Ihrem Leben? Gab es oder gibt es darin auch Hoffnungslosigkeit, Trostlosigkeit, Verletzungen und ungenutzte Möglichkeiten?

Was tun wir, wenn wir drohen uns in einem solchen Dornwald zu verlaufen? Die Antwort findet sich in dem immer wiederkehrenden Ruf »Kyrie eleison«. Es ist die griechisch formulierte Bitte nach dem Erbarmen Gottes, der Ruf nach seiner Barmherzigkeit:

Herr, erbarme dich! Auch wir wollen das Erbarmen Gottes auf uns, auf die Dornwälder unseres Lebens herabrufen. Ebenso wie wir zu Beginn um das Aufreißen der Himmel gebeten haben, ein adventlicher Ruf, der ebenfalls für die Bitte um Gottes Erbarmen steht.

Mitten hinein in die widrigen Umstände, in den abgestorbenen Dornenwald hinein, kündigt sich im Lied »Maria durch ein Dornwald ging« neues Leben an: Maria trägt unter ihrem Herzen ein Kind, man kann auch sagen: Sie ist guter Hoffnung. Während sie noch im trostlosen Dornwald unterwegs ist, wirkt in ihr schon Gottes Kraft, entsteht neues Leben, zunächst noch kaum sichtbar. Das Lied erinnert uns daran, dass inmitten von Schwerem und Schmerzhaften neues Leben entstehen kann, dass genau dort Gottes Kraft wirksam werden kann.

Da haben die Dornen Rosen getragen… Während Maria mit dem göttlichen Kind vorübergeht, beginnt der Dornwald nach sieben Jahren wieder zu blühen. Es ist die göttliche Verheißung an uns, die Botschaft des Weihnachtsfestes: Gottes Heil kommt in unsere Welt – mitten hinein in unsere Dornenwälder. Wir können die Durststrecken, Leidensphasen und schmerzhaften Erlebnisse nicht umgehen, aber wir dürfen wie Maria guter Hoffnung sein, dass Gott auch hier wirkt und dass am Ende etwas Neues zum Blühen kommt.

Erinnern Sie sich an Momente in ihrem Leben, in denen Sie nach einer langen Durstrecke wieder Gottes Kraft gespürt haben und erneut zu hoffen wagten, Momente, in denen Licht am Ende des Tunnels erschien. Nehmen Sie sich ruhig einen Augenblick Zeit, um zurück zu denken und hoffnungsvolle Erinnerungen wieder erscheinen zu lassen.

Der dänische Theologe und Philosoph Sören Kierkegaard soll einmal gesagt haben: »Schwanger sein heißt, guter Hoffnung sein und hoffen heißt, die Möglichkeit des Guten erwarten. «Dieser Satz kann auch für die schwangere Maria aus dem Lied »Maria durch ein Dornwald ging« stehen. Im Advent dürfen wir als Christen alle guter Hoffnung sein und die Möglichkeit des Guten, Gottes Erbarmen, in unserer Welt, in unserem Alltag, in unseren Dornwäldern erhoffen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied Maria durch ein Dornwald ging gemeinsam

Fürbittgebet

Lasset uns beten.

Gott, lass uns Menschen guter Hoffnung sein.

Menschen, die die Möglichkeit des Guten in ihrem Leben erwarten.

Menschen, die mit deinem Erbarmen rechnen und dir Raum zum Wirken geben.

Lass uns darauf vertrauen,

dass selbst aus Wüste und Öde neues Leben entstehen kann.

Darum bitten wir dich, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

A: Amen.

Und gemeinsam beten wir weiter:

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Schlussstrophe 30, 1-4

Bekanntmachungen

Und nun geht in die vor euch liegende Zeit unter dem Segen des Herrn:

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Amen

Orgelnachspiel