11.04.2021 - Quasimodo geniti

Christliche Gemeinschaft erleben ist etwas besonderes und lässt uns wie Neugeborene erscheinen!

Predigttext: Joh 21, 1-14

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen

Worte aus Psalm 116:

Das ist mir lieb,

dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

Denn er neigte sein Ohr zu mir;

darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen,

des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn:

Ach, Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen;

wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen. Halleluja.

Wir wollen beten:

Guter Gott, wir möchten glauben und leben können, frei von Angst oder Zweifel. Und doch stoßen wir so schnell an die Grenzen unseres Vertrauens. Wir stürzen uns in den Alltag und tun so, als ob nichts geschehen sei.

Dabei können wir ganz neu leben, hoffen und vertrauen. Denn Christus ist erstanden zu neuem Leben für uns und in uns. Neue Hoffnung gibst du in unser Leben, Gott, unverhofftes Vertrauen, wo wir noch ängstlich sind. Mit Jesus lässt du uns auferstehen. Darum danken wir dir durch ihn, der unser Leben ist. Amen

 

EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5. Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Gedanken

Eine Woche ist Ostern her. Die letzten Eier sind verzehrt, die letzten Süßigkeiten gefunden worden. Alles ist wieder normal. Der Alltag hat uns wieder. Ist das wirklich so?

An manchen Tagen schaue ich nochmal in den Fastenkalender auf der Homepage, betrachte die Videos auf YouTube, blättere in den Gottesdiensten zum Mitnehmen. Und ich frage mich noch einmal: Ist wirklich alles vorbei? Bin ich im Corona-Alltag zwischen Schreibtisch und Couch wieder angekommen?

Nein, das will ich nicht. Ich will, dass es endlich anders wird. Ich will, dass der vermeintliche Alltag nicht zurückkehrt. Ich will, dass unser Zusammenleben etwas Besonderes bleibt.

Die Jünger rund um Petrus waren auch zurück im Alltag. Jesus war tot, auch wenn er ihnen schon mal erschienen war. Der Alltag hatte sie wieder. Die Familien brauchten was zu essen, die Römer wollten ihre Steuern, der Tempel wollte den Zehnten. So machten sie sich wieder an die Arbeit, Petrus und Thomas und Nathanael und wie sie alle hießen. Offenbar hatte die Botschaft Jesu sie doch noch nicht erreicht.

Ich glaube, so geht uns das auch. Steuern, einkaufen, Miete zahlen, Rente sichern usw. oder für die Jugendlichen: Irgendwie durch die Schulzeit kommen, die Konfirmandenzeit bestehen, am Ende kurz aber heftig gefeiert werden und dann genauso werden wie die Erwachsenen, Routine, Alltag, klare Linie.

Ist es das wirklich? Sollten wir nicht endlich gerade auch mit Blick auf die Pandemie gelernt haben, dass es sowas wie DEN ALLTAG nicht geben darf? Sollten wir nicht endlich begreifen, dass es anders funktionieren kann?

Jesus steht am Ufer. Er hat ein Feuer entzündet, Brot und Wein bereit gestellt, das Wunder des Fischfangs bewerkstelligt und nun will er mit seinen Freunden, den Jüngern, Gemeinschaft erleben - Gemeinschaft beim Essen, im Gespräch, im gemeinsamen Nachdenken. Er will, dass sich etwas ändert. Und es ändert sich etwas.

In der Apostelgeschichte können wir verfolgen, wie sich die einen um die anderen kümmern. Es werden Diakone gewählt, die dafür sorgen, dass die Witwen und Waisen unabhängig von ihrer Herkunft ausreichend zu essen und ein Dach über dem Kopf bekommen. Die Jünger ziehen los, um das Wort Jesu, die Lehre von der Liebe untereinander, weiter zu verbreiten. Und eine Zeitlang sieht es tatsächlich so aus, als ob sich diese Lehre durchsetzen könnte.

Doch dann gewinnt das alltägliche Gewinnstreben, der Wille, die Macht in Händen zu halten, den Ton anzugeben, die Überhand. Petrus und Paulus geraten miteinander in Streit, weil sie sich nicht einigen können, ob jeder, der Christ werden will, nicht auch vorher Jude geworden sein muss. Was für ein Quatsch.

Auch wir streiten uns bis zum heutigen Tag um solche Kleinigkeiten. Wir haben immer noch nicht begriffen, dass es uns eigentlich egal sein kann, wie der andere glaubt. Die Hauptsache ist, dass wir uns auch und gerade im Alltag gegenseitig tragen, dass wir füreinander einstehen, unabhängig von persönlichen Glaubensbildern. Es wäre so schön.

Den Jüngern am See Tiberias geht wenigstens für kurze Zeit auf, was wirklich wichtig ist: Vertrauen, Liebe, Zuwendung, gegenseitiger Halt.

Es wäre schön, wenn wir das auch endlich lernen würden. Wenn wir endlich begreifen würden, dass wir uns füreinander einsetzen müssen, dass wir uns gegenseitig schützen müssen und nicht irgendwelchen Fake - News hinterherlaufen müssen. Das ist es, was ich uns wünsche. Wir wehren uns nicht gegen Masken, weil wir wissen, wie wichtig sie sind. Wir entscheiden uns für das Einhalten von Regeln, weil wir merken, dass uns das mittelfristig hilft, diese Krankheit in den Griff zu bekommen. Und wir respektieren die Freiheit auch derjenigen, die sie riskant ausleben wollen.

So lasst uns bewusst leben und uns klar machen, dass es sowas wie den Alltag nicht geben darf, weil wir sonst den Mitmenschen vergessen. Das ist die Botschaft, die uns heute vom See Tiberias erreicht. Hängt doch einfach das Netz auf die andere Seite und freut euch anschließend gemeinsam an dem großen Fang. Amen

 

EG 112 Auf auf mein Herz mit Freuden

 

1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht; wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hinträgt, wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist.

2. Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh er’s vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.

3. Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel; nun soll mir nicht mehr grauen vor allem, was mir will entnehmen meinen Mut zusamt dem edlen Gut, so mir durch Jesus Christ aus Lieb erworben ist.

6. Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not, er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell.

7. Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg ihm immer nach und darf mich gar nicht kehren an einzig Ungemach. Es tobe, was da kann, mein Haupt nimmt sich mein an, mein Heiland ist mein Schild, der alles Toben stillt.

8. Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel führt, daran mit güldnen Worten der Reim gelesen wird: »Wer dort wird mit verhöhnt, wird hier auch mit gekrönt; wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht.«

Fürbittgebet

Wir wissen, dass wir getauft sind, berufen zu einem neuen Leben. Darum bitten wir dich, Gott aufs neue um deinen Geist, den Geist der Hoffnung und der Geduld, der Liebe und der Besonnenheit. Zeige uns Wege aus dem Alltag hinein in diese besondere Verbindung mit dir. Denn dann können wir nicht nur im Gottesdienst unsere Bitten vor dich bringen.

So bitten wir dich für die Kinder, die wir taufen, für die Jugendlichen, die wir konfirmieren, dass du ihnen hilfst, Menschen zu werden nach deinem Bild, Menschen, die andere lieben können wie sich selbst.

Wir sehen unsere Aufgabe an unseren Kindern und Enkeln, an allen, die uns besonders anvertraut sind. Darum bitten wir dich um offene Ohren für ihre Fragen, um ein offenes Herz für ihre Probleme, um den Willen, sie mit allem was uns ausmacht zu begleiten.

Wir vereinen uns mit den Menschen, die sich selbst in schwierigen Zeiten am Leben freuen können. Hilf uns, Gott, unsere Freude, unser Glück mit anderen zu teilen.

Wir sehen auch die Leidenden und Alleingelassenen, die von Unrecht, Gewalt und Krieg Bedrohten in aller Welt. Bewahre du, Gott, uns davor, dass wir so leben, als gäbe es sie nicht.

Wir gedenken der Menschen, die der Tod uns genommen hat. Wir vertrauen sie dir an - dankbar für alles Gute, das sie uns getan haben.

Du hast dich unser erbarmt, Herr, unser Gott. Dein Sohn ist unser Licht im Dunkel der Welt, ein Licht der Hoffnung für alle Menschen. An ihn halten wir uns, auf ihn verlassen wir uns, jetzt und in Zukunft.

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

Ostern

Der Ostermorgen – noch können wir es kaum glauben

Es ist Ostermorgen. Wir stehen vor dem Grab. Die Frage, wer uns den Fels zur Seite rollt, hat sich erübrigt. Offen steht die Höhle, verlassen ist das Grab.

Das Gesicht noch feucht von den Tränen, noch dunkel die Nacht in uns, noch längst nicht entschieden, wo es hingeht, noch atemlos still und doch rumort es in uns.

Überhaupt noch nicht fröhlich bewegt uns die Frage aller Fragen: Sind wir befreit und erlöst?

Wir dürfen uns willkommen fühlen an diesem Ostermorgen, willkommen im gemeinsam ersehnten Licht Gottes, willkommen beim Gastgeber unseres Lebens, der uns suchen und finden will auf unserer Wanderung durch die Zeit.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen

Wir lesen von den Geschehnissen am Ostermorgen:

Mk 16,1–7

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und Jesus zu salben.

Und sehr früh am ersten Tag der Woche kommen sie zum Grab, eben als die Sonne aufging.

Und sie sagten zueinander: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?

Doch wie sie hinschauen, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist. Er war sehr groß.

Und sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem langen, weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.

Er aber sagt zu ihnen: Erschreckt nicht! Jesus sucht ihr, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Das ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. Doch geht, sagt seinen Jüngern und dem Petrus, dass er euch vorausgeht nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

 

EG 114 Wach auf mein Herz die Nacht ist hin

 

Wir wollen beten:

Wie kann ich dir nur richtig danken, lieber Gott? Du hast mir geholfen, als ich ganz tief unten war, und du hast mich gesund gemacht, meine Seele kann wieder lächeln, als hättest du mich irgendwo ausgegraben. Ich kann wieder leben. Alle sollen sich mit mir freuen.

Jetzt hast du meine Tränen in Lachen verwandelt, aus meinem Gejammer hast du fröhliche Musik gemacht, du hast mir mein Selbstmitleid ausgezogen, wie man einen Mantel auszieht, und dafür hast du mir einen Rucksack voll mit Freude gepackt. Ich kann gar nicht aufhören, dir dafür zu danken weit über mein Lebensende hinaus.

Amen

Wenn ich ihn sehen will:

Wenn ich ihn sehen will

Ich muss dem Grab

den Rücken kehren,

wenn ich ihn sehen will.

 

Er ist nicht im Grab,

nicht im Dunkel,

nicht im Tod.

Er war da,

jetzt aber ist er im Leben,

im Licht,

im Garten.

 

Ich muss dem Grab

den Rücken kehren,

wenn ich ihn sehen will.

 

Er ist im Garten,

im Licht,

im Leben.

Und er kommt mir entgegen,

sieht mich an,

spricht mich an.

Er holt mich in seine Nähe,

ins Licht,

ins Leben.

Ich brauche das Grab

nicht zu vergessen; aber

 

ich muss dem Grab

den Rücken kehren,

wenn ich Jesus Christus

sehen will.

Amen

 

EG 116 er ist erstanden Halleluja

 

Gedanken

Der helle Schein der Ostersonne blendet mich beinahe. Er erleuchtet mich bis hinein in mein tiefstes Inneres. Er wärmt mich und schenkt mir Hoffnung. Womit habe ich das verdient? Warum werde ich so geliebt? Ich bin so dankbar dafür, dass du Gott mich so annimmst, wie ich bin.

Das Leben hat mich ergriffen. Es pulsiert durch meine Adern. Es macht mich froh und schenkt mir Energie bis hinein in mein tiefstes Inneres. Habe ich das verdient? Nein, es ist ein Geschenk. Völlig unverdient, trotz meiner Schuld, offenbart sich mir eine Zukunft über das irdische Leben hinaus. Ich bin so dankbar dafür, dass du Gott mir diese Perspektive eröffnet hast.

Es ist ein Wunder, dass wir uns gemeinsam erinnern dürfen. Es ist ein Wunder, von Beginn an so vorgesehen, dass wir erlöst werden von dem, was uns so prägt: Von Egoismus, von Überheblichkeit, von Gewinnstreben. Können wir diese Erlösung einfach so annehmen? Oder müssen wir noch etwas dafür tun?

Völlig unverdient erhalten wir, was du uns schenkst: Vergebung und Befreiung von allem was wir uns und anderen antun. Du bist derjenige, der uns Leben und Liebe, Hoffnung und Perspektive schenkt. Amen

 

EG 552: Einer ist unser Leben

 

Fürbittgebet

Wir wollen Fürbitte halten:

Jesus, Sohn Gottes, öffne uns die Augen, dass wir dich sehen: ein helles Licht in unserem grauen Alltag, im Dunkel unserer Angst, auch noch in der Nacht unseres Todes.

Wir rufen: Herr, erbarme dich

Dir bringen wir unsere offenen Fragen, unsere ungelösten Probleme, unsere verwirrten Beziehungen - Gib uns Ausdauer, Gelassenheit und unbeirrbare Hoffnung.

Wir rufen: Herr, erbarme dich

Dir bringen wir unsere Nächsten, unsere Angehörigen und Freunde; auch unsere Feinde; alle, die wir nicht leiden können, die es uns schwermachen - Hilf uns lieben, wie du geliebt hast: ohne Vorbehalt.

Wir rufen: Herr, erbarme dich

Dir bringen wir die Menschen, die leiden: die Überforderten mit ihrer Angst, die Enttäuschten mit ihren Tränen, die Kranken mit ihren Schmerzen, die Unterdrückten mit ihrem Stöhnen, die Armen mit ihrem Hunger, die Verzweifelten mit ihrem Schweigen - Zeige uns Wege, ihr Leid zu mindern.

Wir rufen: Herr, erbarme dich

Dir bringen wir unsere Trauer um Menschen, die uns geprägt haben, die wir geliebt haben, mit denen wir uns noch verbunden fühlen. Tröste uns durch das Licht deiner Auferstehung.

Wir rufen: Herr, erbarme dich

Dir bringen wir unseren Glauben, gemeinsam mit allen, die dich suchen und nach dir fragen, auch mit allen, die dich nicht kennen - noch nicht oder nicht mehr - Gib uns Gewissheit, lass uns einst schauen, was wir jetzt glauben.

Wir rufen: Herr, erbarme dich

Jesus, Sohn Gottes und Bruder aller Menschen, wir hören dein Wort - gib, dass wir uns daran halten, jetzt und in der Stunde unseres Todes; wir empfangen deine Gaben - gib, dass wir von ihnen leben, für dich und den Vater, in der Kraft des Heiligen Geistes.

Amen

 Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

28.03.2021 - Palmsonntag

Lasst uns geduldig auf das Ziel zulaufen in dieser schwierigen Zeit, damit wir am Ende gewinnen!

 

Predigttext: Hebr 11, 1-2 und 12, 1-3

 

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen. Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

 

Gelobt sei Jesus Christus Amen

 

Worte aus Psalm 69:

 

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;

 

wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

 

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,

 

denn mir ist angst, erhöre mich eilends.

 

Nahe dich meiner Seele und erlöse sie,

 

erlöse mich um meiner Feinde willen.

 

Ich aber bin elend und voller Schmerzen.

 

Gott, deine Hilfe schütze mich!

 

Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied

 

und will ihn hoch ehren mit Dank.

 

Die Elenden sehen es und freuen sich.

 

Die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!

 

Wir wollen beten:

 

Komm, Jesus, komm in unsere Dörfer. Öffne unsere Augen und bringe die falschen Töne zum Schweigen, dass wir dich unter uns begrüßen und dich loben im Heiligen Geist. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen

 

Mache dich auf und werde licht

 

Mache dich auf und werde licht. Mache dich auf und werde licht. Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt.

 

Gedanken

 

Laufen – Manch einer findet Freude daran, stundenlang durch die Welt zu traben. Wenn Sie mich fragen würde, dann würde ich sagen: „Anstrengend“ oder „Sport ist Mord“. Niemals würde es mir einfallen zu behaupten: „Mir macht Laufen Spaß“ oder gar „Unter zehn Kilometer am Tag geht gar nicht“. So sind wir Menschen halt sehr unterschiedlich. Aber darum geht es heute nicht.

 

Heute geht es um das Laufen: Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.

 

So fängt dieses Zitat also mit einer sehr löblichen Aufforderung an: Lasst uns ablegen, alles was uns beschwert. Das ist leichter gesagt als getan. Wenn ich so an mir herunter schaue, und jeder, der mich kennt, weiß das, wäre das ja wohl das Gewicht, von dem ich leider ein wenig zu viel habe und was mich beschwert. Das gilt aber auch für viele andere Dinge.

 

Was beschwert uns nicht alles im Alltag: Sorge um das Geld, Sorge um die Kinder, Sorge um die Gesundheit. Ich merke sofort: Was mich beschwert sind in aller Regel Sorgen, Last und Mühe.

 

Aber uns beschweren auch andere Dinge, nämlich die, über die wir uns beschweren. Gerade jetzt beschweren wir uns, weil wir die Nase so richtig voll haben. Monatelang zuhause, monatelang kein normales Leben, monatelang die Qual, uns nicht ausleben zu können.

 

Laufen bleibt erlaubt, aber bitte allein. Ansonsten gilt nach wie vor: Passt auf euch auf, tragt Maske, meidet Kontakte und glaubt daran, dass es bald besser wird.

 

Das ist wirklich eine Zeit, schon seit einem Jahr, die uns beschwert und über die wir uns mit Recht beschweren dürfen, ob bei den Politikern, den Wirtschaftsunternehmen oder aber auch bei Gott. Ja, das geht. Denn nur dort sind wir sofort an der richtigen Stelle, auch wenn uns das wie ein Widerspruch erscheint. Deshalb wollen wir uns diesen Widerspruch in unserem Predigttext mal genauer anschauen, der uns so seltsam erscheint.

 

Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete.

 

Knackig ist das, auch wenn wir es vielleicht nicht gleich verstehen. Jesus als Anfänger und Vollender des Glaubens. Anfänger und Vollender. Wie kann Jesus beides gleichzeitig sein, am Anfang der Lehre und zum Schluss der Lehrmeister, der Vollender? Naja, Anfänger sind wir ganz oft in unserem Leben, aber Vollender, Meister? Darum wenden wir uns erstmal diesem Wort zu.

 

Vollender, das sind die Perfekten, die, denen wir hinterherlaufen, ob mit Walking-Stöcken in eher gemächlichem Tempo oder leichtfüßig im Jogging-Style. Erstmal folgen wir Jesu Spur.

 

Und die wichtigste Spur Jesu ist die durch die Karwoche. Sie beginnt Palmsonntag. Der Triumphzug hinein nach Jerusalem. Jesus sitzt auf dem Esel und reitet in die Stadt, während die Menschen ihm zu jubeln und Kleider und Palmwedel auf die Straße werfen.

 

Dann kommt Gründonnerstag, das letzte Abendmahl. Verrat liegt in der Luft. Die Stimmung ist so ein bisschen wie wenn wir das Ziel erreichen. Außer Atem fragen die Jünger: Bin ich es, der dich verrät?

 

Später folgt die Verhaftung, die Verurteilung und der Weg ans Kreuz. Bis hierhin scheint Jesus immer noch Anfänger im Glauben zu sein, der noch am Kreuz ruft: „Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?“

 

Heute wissen wir: Jesus hätte nicht ans Kreuz gemusst. Es hätte auch andere Wege gegeben. Aber alles, was danach entstanden ist, das ganze Christentum, konnte nur vom Kreuz her gelingen.

 

Für uns ist das die Basis: Jesu freiwilliger Verzicht auf die Freude des Lebens und sein Annehmen des Kreuzes. Das ist für viele von uns der Grund, in dieser Zeit auf manchen Luxus zu verzichten. Manche machen sich als Ausgleich auf zum Laufen. Mit Geduld arbeiten sie an Kondition und Gewichtsabnahme, um das Ziel zu erreichen. So arbeitete sich auch Jesus bis an das Kreuz heran, um dann das Ziel, den Ostermorgen zu erreichen. Eine Konfirmandin hat mir vom Fastenbrechen am Ostermorgen erzählt. Gemeinsames Brunchen mit der Familie. Das ist die Ziellinie.

 

Wir haben es gerade erfahren: Jesus war einmal Anfänger des Glaubens, so wie wir auch. ER stand nicht auf und war sofort am Osterziel! Nein, auch Jesus hat als wahrer Mensch den Glauben an Gott Vater erst erlernen, erlaufen müssen. Als solcher war er der erste, der sich dem zukünftigen Christentum als Gläubiger verpflichtet fühlte. Jesus, der Gläubige, ist gleichzeitig der, an den wir glauben.

 

Und so wird er uns zum Beispiel. Denn auch er war nicht frei von Zweifeln. Im Garten Gethsemane hat er Blut und Wasser geschwitzt, am Kreuz hat er gerufen: Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?

 

Und da schließt sich der Kreis auch für uns. Im Augenblick laufen wir den Infektionszahlen hinterher. Kaum jemand, der nicht morgens in die Zeitung schaut, Nachrichten hört oder sich auf dem Handy informiert, nur um zu wissen, wie die nächste Hiobs-Botschaft aussieht. Und kaum jemand, der nicht seine eigene, ganz persönliche Meinung zu dem hat, was er da liest.

 

Es ist der Kampf, dem ganzen noch was Positives abzugewinnen. Aber wenn wir uns unserem inneren Schweinehund wie beim Laufen stellen und uns immer wieder zum nächsten Schritt durchringen, dann wird es auch irgendwann vorbei sein. Dann wird der Glaube an Jesus Christus für uns ebenso selbstverständlich wie der gewonnene Kampf gegen Corona. Darum geht es. Und Jesus ist der, der als Anfänger losgelaufen ist und sich durchgebissen hat bis ans Ziel, bis zur Auferstehung, um dann als der Vollender des Glaubens für uns da zu sein.

 

Glauben Sie das? Wenn ja, dann sind Sie dem Ziel schon ganz nahe. Doch falls ihr Glaube noch nicht so gefestigt ist, dann kommen Sie doch mit und laufen Sie mit anderen noch eine Runde hin zum Ziel. Und am Ende werden wir es geduldig und mit viel Kraft gemeinsam schaffen, unseren Glauben zu erreichen und zu erhalten. Amen

 

EG98 Korn, das in die Erde

 

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt - Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn - hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

Fürbittgebet

 

Jesus, du bist für uns das Zeichen des Glaubens. In diesem Glauben lieferst du dich Menschen aus und gibst dein Leben hin, obwohl selbst dich die Zweifel quälen.

 

So vollendest du Gottes Willen. Deine Kraft versöhnt uns miteinander Wir brauchen nicht mehr auf Macht und Gewalt zu setzen, denn durch dein Beispiel lernen wir, in Sanftmut und Liebe zu leben.

 

Vor dir denken wir an Menschen, die Verantwortung tragen. Lass sie den Versuchungen der Macht widerstehen und für das Wohl aller eintreten.

 

Vor dir denken wir an alle, die Menschenhänden ausgeliefert sind: rassistisch Verfolgte, politische Gefangene, Menschen, die wegen ihres Glaubens misshandelt werden. Hilf uns, uns gegen Unrecht und Gewalt zu wehren.

 

Vor dir denken wir an Not und Elend mitten unter uns: an die vielen, die arbeitslos sind, an die vielen, die krank sind, an Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, an alle, die vergessen und abgeschrieben sind.

 

Gib uns Augen, die sehen, und Ohren, die hören, einen Mund, der zur rechten Zeit redet und schweigt, und Hände, die helfen.

 

Jesus Christus, du willst mit uns den Lauf gewinnen, an dessen Ziel unser Glaube steht. Befreie uns und deine Kirche von Macht- und Herrschaftsansprüchen. Lass uns dir folgen im Einstehen für andere, in der Hingabe an die Welt und so deinem Namen Ehre machen.

 

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

 

Vater unser im Himmel.

 

Geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

07.03.2021 - Okuli

Lebt in der Liebe, dann ergibt sich das richtige Hinschauen automatisch

 Predigttext: Eph 5,1-2

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen

Worte aus den Psalmen 25 und 34:

Meine Augen sehen stets auf den Herrn,

denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten

und seine Ohren auf ihr Schreien.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,

und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muß viel erleiden,

aber aus alledem hilft ihm der Herr.

Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,

und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Meine Augen sehen stets auf den Herrn,

denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

Wir wollen beten:

Guter Gott, du stehst vor uns, doch wir sehen zurück. Wir halten uns an Erinnerungen fest, wir verdammen die anderen und vergessen dabei völlig, wer und was wir sind. Darum bitten wir dich: Weite uns den Blick nach vorn, damit wir dein Reich wahrnehmen. Beflügele unsere Phantasie, um unsere Kreativität und die Vielfältigkeit des Möglichen zu entdecken und zu tun. Festige uns im Glauben durch Jesus Christus. Amen

 

EG 640 Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehen.

Gedanken

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, so sagt man. Es ist 14 Tage her, da herrschte Kälte und Frost in unserem Land. Mancher Tag war dunkel. Doch auf einmal brach erst die Sonne durch und dann wurde es auch noch warm. 40 Grad Temperaturunterschied innerhalb von wenigen Tagen. Es war kaum zu glauben.

Wer genau hinsah, konnte den Massen von Schnee hier im Alheimer Land beim Schmelzen zuschauen. Aber man musste die Augen schon aufmachen.

Ach ja, die Augen aufmachen, hinsehen wo ich hingehe, darauf achten was ich tue. Und dann nicht nur wahrnehmen, sondern auch noch bedenken. Da wird es so schwierig. Mach doch die Augen auf, hat meine Mutter immer gesagt, wenn ich mal wieder über den Hund, den Mülleimer oder sonst irgendetwas gestolpert bin, das nur auf mich wartete.

Woher sollte ich wissen, dass ich den Müll raustragen musste? Oder mit dem Hund rausgehen? Ach, mir fielen da schon Entschuldigungen genug ein. Aber den Müll einfach vor die Treppe stellen? Das fand ich nicht fair. Das konnte ich doch nicht ahnen.

Irgendwann habe ich gelernt, hinzuschauen und zu unterscheiden, wann etwas an mir liegt und wann es andere sind. Dabei muss ich ehrlicherweise sagen, dass es viel öfter an mir ist, genauer hinzuschauen als dem anderen vorzuwerfen, er würde mir Steine in den Weg legen. Aber was hat das denn nun mit unserem Glauben und der Fastenzeit zu tun?

Mit unserem christlichen Glauben ist das so ein Ding. Im Kern steckt das Evangelium von Jesus, also all die vielen Geschichten und Aufforderungen, die er erzählt hat. Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat. In diesen wenigen Worten aus dem Predigttext steckt alles drin, was dazu zu sagen ist. Jesus Christus, Gottes Sohn, ist in die Welt gekommen, um die Botschaft seines Vaters klar und deutlich und unmissverständlich rüber zu bringen. Und die heißt: Wir sollen uns gegenseitig gern haben. Das wiederum kann nur eins bedeutet: Wir sollen uns gegenseitig unterstützen, versorgen, helfen.

Doch das ist nicht das, was wir tun. Wir machen uns gegenseitig das Leben schwer, um einen Vorteil daraus zu ziehen. Vorteile haben immer was Materielles an sich. Es geht darum, noch mehr zu haben. Es zählt nicht das Miteinander und das Füreinander. Nein, so Dinge wie Geld, Macht und Besitz sind uns wichtig. Daran klammern wir uns fest. Übrigens kommt das Thema gerade ganz groß in den Nachrichten, weil sich manche unserer Vertreter letztlich auf unsere Kosten Vorteile verschafft haben.

Das sehen wir aber nur, wenn wir unsere Augen, unsere Okuli, nutzen. Wenn wir sie auf Gott richten, dann sehen wir auf einmal Liebe, Zuwendung, Fürsorge, all die Dinge, die unter uns Menschen so oft fehlen. Wenn wir also unsere Okuli, unsere Augen, statt zu schauen, ob uns da nicht vielleicht doch irgendwer eine Falle stellt, auf Gott und seinen Willen richten, dann wird sich Zusammenleben einfacher gestalten.

Aber, noch schnell ein erhobener Zeigefinger zum Schluss, es gibt immer noch jede Menge schlimmer Menschen, die wir nicht ignorieren dürfen. Enkeltrick, Internetbetrügerei und andere schlimmen Sachen, die Menschen ins Unglück stürzen. Auch wenn wir unseren Blick weniger auf die Netze der Mitmenschen legen, dürfen wir diese doch nicht aus den Augen verlieren.

So ist immer wieder der Mittelweg gefragt. Einerseits den Blick auf Gott und seine liebevolle Botschaft nicht verlieren und andererseits uns nicht hinters Licht führen lassen von denjenigen, denen an einem liebevollen Zusammenleben nichts liegt.

Wenn wir uns darum bemühen, dann wird uns auch Gott nicht aus den Augen lassen und uns stets begleiten. Amen

EG+ 15 Manches Holz ist schon vermodert

Fürbittgebet

Herr Jesus Christus, wir bitten dich: Nimm uns mit auf deinen Weg, dass wir Liebe lernen und Frieden finden.

Wir bitten dich: Nimm uns mit auf deinen Weg, dass wir lernen, hinzuschauen, zärtlich und einfühlsam zu sein, und einander zu achten und zu beschützen.

Wir bitten dich: Nimm uns mit auf deinen Weg, dass wir ehrlich und verantwortungsvoll unsere Arbeit tun, dass wir uns fernhalten von unsauberen Geschäften und für Gerechtigkeit eintreten.

Wir bitten dich: Nimm uns mit auf deinen Weg, dass die Herzen frei werden, nicht gefangen durch Einfluss und Macht, dass die Sinne klar bleiben, nicht verblendet durch Geld und Besitz.

Wir bitten dich: Nimm uns mit auf deinen Weg, dass dein Wort in unseren Worten widerklingt, nicht leeres oder böses Geschwätz, dass unser Reden hilfreich und befreiend ist, dankbar gestimmt und voll Hoffnung.

Wir bitten dich: Nimm uns mit auf deinen Weg, als geliebte Kinder des Vaters, als deinen Schwestern und Brüder, dass wir durch den Heiligen Geist verwandelt werden aus Finsternis zum Licht.

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

28.02.2021 - Reminiszere

Erst alles falsch machen - dann um Erbarmen rufen – Vater, gedenke deiner Kinder!

 

Predigttext: Jes 5,1-7

 

Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

 

Gelobt sei der barmherzige Gott. Amen

 

Worte aus Psalm 25:

 

HERR, gedenke Deines Erbarmens

und Deiner Gnade, die von Urbeginn an sind.

Nimmer wollest Du gedenken der Sünden meiner Jugend und aller Missetaten.

Nach Deiner Huld gedenke mein,

um Deiner Güte willen, HERR.

HERR, wende Dich mir zu und leihe mir Deine Gunst;

Weite meines Herzens Enge,

aus meinen Ängsten hole mich heraus.

Behüte, HERR, mein Leben und rette mich,

und lass mich nicht zuschanden werden.

HERR, gedenke Deines Erbarmens und Deiner Gnade, die von Urbeginn an sind.

 

Wir wollen beten:

 

Gott, du bist zuverlässig und treu. Du lässt uns nicht im Stich. Wir erinnern dich an deine Güte, wir hoffen auf dein Erbarmen. Wenn Schatten sich unserer bemächtigen und wir den Weg nicht wissen, so bitten wir dich: Nimm uns an die Hand. Wenn wir unglücklich sind und uns verlassen fühlen, so sei für uns da. Auf dich setzen wir unsere Hoffnung.

 

Darum bitten wir dich: Sende uns deinen Geist, erfülle unsere Herzen und sei mitten unter uns. Amen

 

EG+ 102 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

 

Refr.: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.

Gedanken

 

Uns ist eine Welt geschenkt. Ja, wirklich, ein ganzer Weinberg, fruchtbar, gut vorbereitet, mit Früchten in Fülle. „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.“ (1. Mose1) Ja, der Weinberg Gottes für die Menschen.

 

Doch dann geschah, was Gott befürchtet hatte: Der Mensch interpretierte die Worte Gottes falsch. Untertan machen hieß fortan nicht bewahren, sondern zerstören und ausbeuten. Über die Tiere herrschen hieß auf einmal, sie zu jagen und zu verfolgen, bis eine Art nach der anderen ausstarb. Und am Ende, so heißt es in einem indianischen Gedicht, werdet ihr merken, dass ihr Geld nicht essen könnt.

 

Es ist Fastenzeit. Fasten bedeutet, auf etwas zu verzichten. Diese Zeit heißt aber auch Passionszeit. Die Passion ist die Leidenszeit, an die wir uns erinnern. Eigentlich ist es die Leidenszeit Jesu. Wir können sie aber auch ersetzen durch die Leidenszeit des Menschen im Allgemeinen, durch die Leidenszeit der Schöpfung, das Leiden von allem, was Gott geschaffen hat.

 

Nutzen wir diese sieben Wochen und machen uns Gedanken darüber, wie es anders geht? Auf unserer Homepage www.kirche-alheim.de entsteht ein Fastenkalender. Jeden Tag ein Bild und ein Text von jungen Menschen, von alten Menschen, von kirchennahen und kirchenfernen Menschen.

 

Es ist wie eine Geschichte des Leidens und dem Wunsch, dieses Leiden zu verändern, es abzuschaffen. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, einen Beitrag hinein zu stellen. Ganz besonders schön ist es, wenn sich jemand meldet, der noch nichts beigetragen hatte und mir sagt: Ich habe da noch was, meine eigenen ganz persönlichen Gedanken.

Das ist so tiefgreifend, manches Mal erschütternd, an anderer Stelle aber auch ermutigend. Letztlich ist es rund vierzig Mal der Aufruf: Lasst uns etwas ändern.

 

Im Predigttext haben wir von dem Gericht zwischen Gott und seiner Pflanzung und den Menschen gelesen. „Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?“

 

Und nun die Frage an uns: Wie wollten wir urteilen, wenn uns unsere Taten vorgelegt werden? Wie wollten wir entscheiden, wenn wir sehen, wie sehr wir uns an Gottes Schöpfung, an seinen Menschen, seinen Tieren und seiner Erde vergehen? Wie lautet das Urteil, wenn Gott die Menschheit und ihre Gewinnsucht vor Gericht zerren würde? Genau, ich glaube wir sind ehrlich genug, das Problem zu erkennen und zuzugeben, wo wir uns vergangen haben. Wir könnten schon die Dinge ändern, wenn wir nur unseren inneren Schweinehund überwinden. Darum will ich uns Mut machen: Lassen Sie uns aufbrechen, gemeinsam, und die Dinge in die Hand nehmen. Lassen Sie uns ehrlich sein, die tödliche Chemie, die Unmengen Plastikverschmutzung, die rasende Verschwendung und die Gier nach immer mehr ablegen. Jeder ein kleines bisschen, dann wird sich etwas ändern.

 

Wir schaffen das. Und das meine ich nicht als leere Floskel, sondern als ehrliche Überzeugung. Wir schaffen das, wenn wir lernen, dass Geld und Macht nicht die wahren Werte sind. Ein anderes System, eine intensivere Fürsorge, ein offeneres Wesen: Dann werden wir wirklich zu Gottes fruchtbarem Weinberg. Amen

 

EG+ 116 Dieses Kreuz, vor dem wir stehen

1) Dieses Kreuz, vor dem wir stehen, setzt ein Zeichen in die Welt, dass sich, auch wenn wir’s nicht sehen, Gottes Geist zu uns gesellt, uns bestärkt in schweren Zeiten, trostvoll uns zur Seite steht, und bei allen Schwierigkeiten unsern Kreuzweg mit uns geht.

2) Dieses Kreuz, auf das wir sehen, es erinnert uns daran, wenn wir denken: wir vergehen, fallen wir in Gottes Hand. Solchen Grund kann niemand legen, niemand stieg so tief hinab, und am Ende aller Wege auferstand er aus dem Grab.

3) Dieses Kreuz will uns beleben, deutet in die Ewigkeit, und im Glauben spür’n wir eben einen Hauch Unendlichkeit. Nicht der Tod ist mehr das Ende, es geht weiter, ganz gewiss; und das Kreuz steht für die Wende, dass die Liebe stärker ist.

Fürbittgebet

Gott des Himmels und der Erden, wir bitten dich: hilf, dass Gerechtigkeit unter uns Menschen geschieht. Gebrauche uns, stärke uns, damit keine böse Rede auf unserer Zunge sein soll.

Bewahre uns, damit kein Übel durch uns in die Welt kommen soll. Wir bitten dich für Menschen, die in Angst leben, weil Radikale ihr Leben zerstören, weil sie nirgends sicher sind, weil sie in die Flucht getrieben werden, manchmal sogar bei uns.

Wir bitten dich für Menschen, die keine Heimat haben, die nicht wissen, wo sie wohnen sollen und wie sie leben können.

Du bist ein Gott des Lebens und des Friedens. Wir möchten dazu beitragen, dass dein Frieden und deine Liebe auf Erden sichtbar werden. Gib uns Ideen, wie wir unser Zusammenleben menschlicher, liebevoller und friedlicher gestalten können.

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

24.01.2021 - letzter Sonntag nach Epiphanias

Wir haben seine Herrlichkeit gesehen!

Predigttext: 2.Petr 1,16-19

Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlge-fallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Him-mel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen

 

Worte aus Psalm 36:

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Wir wollen beten:

Jesus, deine Herrlichkeit können wir nicht fassen. Es fehlt uns die Erkenntnis, wie dieses Wunder deiner Anwesenheit bei uns geschah. Aber die Hoffnung, die mit dir in die Welt gekommen ist, brauchen wir: Eine Ahnung von dir und deiner Liebe in unserer undurchschaubaren Welt. Wie gut, dass du sie uns schenkst. Amen

 

EG 18 Seht die gute Zeit ist nah

1. Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde, kommt, dass Friede werde.

2. Hirt und König, Groß und Klein, Kranke und Gesunde, Arme, Reiche lädt er ein, freut euch auf die Stunde, freut euch auf die Stunde.

Gedanken

Es ist der letzte Sonntag nach Epiphanias, der letzte Sonntag der Weihnachtszeit. Ein Tag, an dem wir zurückdenken wollen und trotzdem Ausschau halten auf das, was da auf uns zukommt.

Der Druck lastet schwer auf uns Menschen. Die Pandemie hält uns eisern im Griff oder vielleicht auch die Politik. Wir kommen uns eingesperrt vor zwischen trostlosen Wänden, hilflos, wehrlos.

Das ging anderen auch schon so. Stellen Sie sich dieses Paar vor, Maria und Josef. Alles ist schrecklich, bitter, übel. Maria, hochschwanger, wird aus dem Zuhause gerissen, dass sie gerade am Einrichten war. Vielleicht gab es für das erste Kind sogar ein Kinderzimmer. Aber keine Ruhe, kein Genuss, nur Stress, Stress und wieder Stress. Und als sie endlich in Bethlehem sind, wo Vater Staat sie hinbeordert hat, da gibt es noch nicht einmal ein Bett, sondern nur so einen Holzschuppen, eine zugige Hütte für das Vieh.

Aber das Wunder geschieht: Das Baby kommt zur Welt, sicherlich mit allen Begleiterscheinungen wie Blut und Schmerz und Geschrei. Doch allen Voraussetzungen zum Trotz kommt es gesund zur Welt, sind ein paar Windeln und eine Krippe zur Hand, bringen Hirten und später die Weisen Geschenke, überlebt das Kind selbst den angeordneten Kindermord. Ein Wunder, anders können wir es nicht beschreiben.

Und wenn wir dann in ein paar Wochen, an Karfreitag, darüber nachdenken, dass Jesus gestorben ist, dann brauchen wir über seinen Tod nicht traurig zu sein, denn in ihm liegt erneut Hoffnung und Zuversicht, wie in seiner Geburt. Eine Tür hat sich aufgetan, die uns eine Lebensperspektive über den irdischen Tod hinaus schenkt.

Doch die menschliche Perspektive ist eine ganz andere als die göttliche. Wir sollten traurig über die Menschheit sein, über uns alle. Denn wir bekommen es einfach nicht auf die Reihe, die Hoffnung und Zuversicht zu leben, die uns dieses Kind durch sein Leben und Sterben gebracht hat.

Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. So heißt es im Predigttext. Ob nun dieser Brief wirklich von Petrus stammt, wie der Name verheißen mag, oder ob es ein Nachahmer war, der Jesus nicht gekannt hatte, spielt keine Rolle. Denn auch wir haben die Herrlichkeit des Herrn gesehen. Zum Beispiel in den Krippenspielen, jedes Jahr aufs Neue. Sanft wurde in der Vergangenheit unsere Seele davon berührt, wurden uns Hoffnung und Zuversicht vor Augen geführt.

Oder es sind die leuchtenden Sterne in unseren Kirchen und den Fenstern unserer Häuser. Wie auch immer, ob so oder so, es spielt keine Rolle. Wir haben die Herrlichkeit des Herrn gesehen, als Symbol oder als Spiel. Wir müssen nur die Augen aufmachen.

So bleibt uns auch am Ende der Weihnachtszeit, auch in diesen Zeiten des Leids der Hoffnungsschimmer, der ganz in Gottes Hand liegt. Wenn wir die Augen aufmachen und genau hinschauen, dann sehen wir all das Schöne, das Gott und auch mancher Mensch in diese Welt gebracht hat.

Es ist wahr, wir leben in schweren Zeiten, in Zeiten des Leids und der Trauer, in einer Zeit, in der wir uns gegenseitig das Leben schwer machen. Aber wir leben nicht ohne Hoffnung, ohne Ausblick auf das Schöne und Gute. Wir müssen nur vertrauen.

Und dann kann uns auch in der vor uns liegenden Passionszeit der Stern, das Hoffnungslicht Jesu, begleiten, damit wir den ganzen Tag und die ganze Nacht in die richtige Hoffnungsrichtung wandern können. Ich wünsche uns von Herzen den Mut, die Kraft und die Besonnenheit, in diese Richtung zu gehen und das Licht mitzunehmen. Amen

 

EG 48 Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun

1. Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun, kommet, das liebliche Kindlein zu schaun, Christus, der Herr, ist heute geboren, den Gott zum Heiland euch hat erkoren. Fürchtet euch nicht!

2. Lasset uns sehen in Bethlehems Stall, was uns verheißen der himmlische Schall; was wir dort finden, lasset uns künden, lasset uns preisen in frommen Weisen. Halleluja!

3. Wahrlich, die Engel verkündigen heut Bethlehems Hirtenvolk gar große Freud: Nun soll es werden Friede auf Erden, den Menschen allen ein Wohlgefallen. Ehre sei Gott!

 

Fürbittgebet

Gott, unser Vater, du hast deinen Sohn in die Welt gesandt: ein Licht, damit wir nicht in der Finsternis bleiben. Und doch ist unser Herz in diesen Wochen und Monaten oft voller Trauer und Angst: Wir fühlen uns unsicher, ungeliebt und unfähig zur Freude. Wir fürchten um unsere Familien und Freunde. Darum bitten wir dich aus unserer ganz persönlichen Finsternis heraus: Sende dein Licht.

Guter Gott, unser Leben kommt uns oft leer vor. Wir sehen keinen Sinn in unserem Tun, in unserer Freude genauso wenig wie in unserem Leiden. Darum bitten wir dich aus unserer ganz persönlichen Finsternis heraus: Sende dein Licht.

Und da ist noch etwas, was uns bewegt: Unsere Gottesdienste bleiben oft ohne Folgen. Die Glaubensbegeisterung, die mit deinem Sohn in die Welt kam, scheint erloschen. Ja, wir merken, wir sind schwache Zeugen des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung. Darum bitten wir dich aus unserer ganz persönlichen Finsternis heraus: Sende dein Licht.

Unser politischer Alltag entspricht oft nicht deinen Geboten. Wir fürchten Gewalt, die nicht nur uns, sondern auch vielen anderen gegenübertritt: Flüchtlingen, Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderer sexueller Orientierung, Frauen, Kindern und Wehrlosen. Und doch bekennen wir, dass wir nicht genug für den Frieden tun. Darum bitten wir dich aus unserer ganz persönlichen Finsternis heraus: Sende dein Licht.

Unser Umgang mit der Schöpfung ist oft verantwortungslos. Müll, Abgase, Abholzung und Verschwendung von Ressourcen gehören zu unserem Alltag. Wir missbrauchen unsere Freiheit und unsere Macht. Darum bitten wir dich aus unserer ganz persönlichen Finsternis heraus: Sende dein Licht.

Guter Gott, sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie uns leiten. Jesus, dein Sohn, ist die Wahrheit und das Licht. Er ist der helle Morgenstern. In der Nacht zeigt er uns an, dass es Tag werden kann, wenn wir nur im Glauben zusammenstehen würden.

Darum beten wir in christlicher Gemeinschaft mit seinen Worten:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

17.01.2021 - 3. Sonntag nach Epiphanias

Gott geht mit uns auf den Wegen unseres Lebens – den schönen, aber auch den schmerzhaften!

Predigttext: Rut 1,1-20 in Auswahl

Ein Mann von Bethlehem zog aus ins Land der Moabiter mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon. Und Elimelech starb und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden Männer. Und Noomi ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach Noomi: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber blieb bei ihr. Rut sagte: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie nach Bethlehem hineinkamen, sprachen die Frauen: Ist das die Noomi? Sie aber sprach zu ihnen: Nennt mich nicht Noomi, sondern Mara; denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan.

Gelobt sei der Allmächtige. Amen

 

Worte aus Psalm 67:

 

Gott sei uns gnädig und segne uns,

er lasse uns sein Antlitz leuchten,

dass man auf Erden erkenne seinen Weg,

unter allen Heiden sein Heil.

Es danken dir, Gott, die Völker,

es danken dir alle Völker.

Die Völker freuen sich und jauchzen,

dass du die Menschen recht richtest

und regierst die Völker auf Erden.

Es danken dir, Gott, die Völker,

es danken dir alle Völker.

Das Land gibt sein Gewächs;

es segne uns Gott, unser Gott!

Es segne uns Gott,

und alle Welt fürchte ihn!

 

Wir wollen beten:

Barmherziger Vater, du hast deinen Sohn zum Heiland der Kranken und zum Retter der Bedrängten gemacht. Du selbst hast an Rut und Noomi ein Beispiel getan für uns. Rettung und Heilung, Heimat und Zusammenhalt hast du uns geschenkt. Dafür danken wir dir und bitten dich: Lass diese Kräfte in unseren Tagen wirksam sein, damit wir in Ängsten und Nöten deine Hilfe erfahren. Durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

 

EG+ 102 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Aus urheberrechtlichen Gründen haben wir den Text hier nicht veröffentlicht!

 

Gedanken

Bitter sind die Erfahrungen, die Noomi gemacht hat und die sich deshalb umbenennt. Das haben wir gerade gelesen. An dieser Stelle wollen wir in die Geschichte dieser beiden Frauen einsteigen.

Ein langer Weg liegt hinter ihnen. Die eine alt und sicherlich nicht mehr in der Lage, Kinder zu bekommen, die andere jung, aber aus dem Volk der Moabiter, keine Israelitin. Und beide verwitwet. Das hieß im alten Israel, sie hatten beide keinerlei Anrecht auf den Grundbesitz oder anderes Eigentum ihrer verstorbenen Männer. Witwen waren rechtlos und Witwen aus einem fremden Volk erst recht. Und wer keine Kinder mehr bekommen konnte, taugte auch nicht mehr als Ehefrau.

Es ist in der Tat so, dass wir auch heute über die Rechtlosen nachdenken müssen. Ob dass die Obdachlosen sind, die Flüchtlinge, aber auch die im Koma liegenden Intensivpatienten, so oder so, sie sind alle auf Gedeih und Verderben den Entscheidungen anderer ausgeliefert. Nimmt jemand in Bethlehem Noomi und Rut auf? Ist irgendjemand da, der sie von ihrem Schicksal erlöst? Die gleiche Frage, damals wie heute. Wer kümmert sich liebevoll und sorgend um die Rechtlosen?

In unserer Region gibt es wunderbare Wege, zum Beispiel durch die Wälder, aber auch entlang der vielen Steinbrüche. Ein Blick über die Kante hinunter in das tiefe Loch lässt uns erschauern. Bitter wäre es, dort hinab zu stürzen.

So sieht im Augenblick unser Alltag aus. Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Leben und Absturz, zwischen Wald und Bruchkante sehen wir nur den scheinbar bitteren Weg zu unseren Füßen. Die Klagen aus den Häusern werden lauter, das Alleinsein immer unerträglicher.

So ging es auch den beiden Frauen. Noomi, die sich nun Mara, bitter, nannte, erkannte ihre einzige Lebenschance in ihrer Schwiegertochter. Denn in der biblischen Geschichte taucht nun ein sympathischer, reicher und noch lediger Bauer auf. Wen es interessiert, dem empfehle ich das Buch Rut, es sind nur acht Seiten, einmal ganz zu lesen. Wo dieser Bauer herkam, spielt keine Rolle. Er war einfach da. Und Mara, die auf einmal gar nicht mehr bitter war, schmiedete für Rut einen Plan, der sie in die Arme dieses Mannes und damit sie beide in eine gesicherte Zukunft tragen würde. Und siehe da, der Plan gelingt und schon im 4. Kapitel wird geheiratet, Noomi erhält das Eigentum ihres verstorbenen Mannes, Rut erhält eine erkleckliche Aussteuer aus dem Besitz ihres zweiten Mannes und alle leben glücklich und zufrieden. Ihr Weg hat sich gewandelt. Fort ist die Bitterkeit. Erschienen ist die Hoffnung

Das Prinzip Hoffnung, es gilt auch für uns. Gott hat die Dinge schon weise gerichtet. Auch wenn wir Menschen dazu neigen, die Dinge kaputt und uns gegenseitig das Leben schwer zu machen, so schaffen wir es doch nicht, diese Zerstörung bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Immer wieder kommt von irgendwo ein Hoffnungslichtlein her. Immer wieder werden wir gerettet vor den Grausamkeiten, die wir selbst verursachen.

Alle unsere Menschheitswege, so bitter sie manches Mal auch sein mögen, kommen doch wieder aus der Dunkelheit, aus dem Abgrund heraus. Es gibt eine Perspektive, eine Hoffnung, eine göttliche Hoffnung.

Gerade jetzt, so kurz vor dem Ende der Weihnachtszeit ist es so wichtig, dass wir uns diese Hoffnung aus dem Stall, das Licht in dunklen Tagen, bewusst machen. Denn dann können wir wie Rut und Noomi Hoffnung schöpfen aus dem, was uns begegnet. Und auch wenn dieser dunkle Weg, den wir gerade durch die Pandemie gehen, noch Monate anhält, wird er ein Ende finden und es wird wieder gut werden. Darauf verlassen wir uns.Amen

 

EG+ 4 Es wird nicht immer dunkel sein

Aus urheberrechtlichen Gründen haben wir den Text hier nicht veröffentlicht.

 

Fürbittgebet

 

Guter Gott, wir beten zu dir für die Menschen dieser Erde in Nord und Süd, in Ost und West: dass sie einander Vertrauen schenken; dass sie sich miteinander auf den Weg machen und mit vereinten Kräften dem Wohl deiner ganzen Schöpfung dienen.

Wir beten zu dir für die christlichen Kirchen in dieser Zeit der Anfechtung: dass sie ihren Platz an der Seite der Ärmsten wissen und sich ohne Furcht überall für Frieden und soziale Gerechtigkeit einsetzen zugunsten jener, die am untersten Ende der Leiter stehen.

Wir beten für die vielen Menschen, die ständig auf der Suche nach Glück sind: dass sie erkennen, dass auch Zuhause etwas von dem Licht ist, das durch Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Lass sie erkennen, dass es um uns herum genug Schönheit und Liebe zu entdecken gilt.

Und schließlich beten wir für uns alle, die wir Christi Namen tragen: dass uns keine Zeit zu kostbar und kein Weg zu weit ist, wenn andere Menschen uns brauchen.

Herr, unser Gott, du Vater aller, wir bitten dich: Lass uns leben in deinem Geist, lass uns gemeinsam mit allen Menschen einen Ausweg suchen aus der Friedlosigkeit unserer Zeit und lass uns den finden, der für alle Zeiten der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Amen

Und verbunden mit den Christen dieser Welt beten wir:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

 


03.01.2021 - 01. Sonntag nach Epiphanias

Jesus – das Wunder, das uns verwundert zurücklässt.

Predigttext: Lk 2,41-52

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem und seine Eltern wussten's nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen

Worte aus Psalm 100:

Jauchzet dem Herrn, alle Welt!

Dienet dem Herrn mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

Erkennet, dass der Herr Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst

zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu

seinen Vorhöfen mit Loben;

danket ihm, lobet seinen Namen!

Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig

und seine Wahrheit für und für.

Wir wollen beten:

Gott, du hast der dunklen und verlorenen Welt dein Licht geschenkt: Jesus Christus, deinen Sohn. Wir bitten dich: Gib uns Anteil an seinem Leben, sende auf uns herab deinen Heiligen Geist, der neues Leben schafft. Auf dich hoffen wir in Zeit und Ewigkeit. Amen

 

EG+ 102: Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Aus urheberrechtlichen Gründen haben wir den Text hier nicht veröffentlicht!

 

Gedanken

Es ist jedes Jahr ein Wunder, dass wir uns bewusst machen: Jesus kommt als Säugling unter den schwierigsten hygienischen und sozialen Umständen zur Welt und überlebt. Und die Wunderreise mit ihm geht weiter. Auch wenn in den vier Evangelien nur wenig von seiner Kindheit und Jugend geschrieben steht, gibt es doch dieses eine einschneidende Ereignis. Es ist die Geschichte eines Zwölfjährigen, der erstmals in seinem Leben mit in die große, weite Welt darf, in den Tempel zu Jerusalem.

Ich erinnere mich, wie das war, als ich zwölf war. Mal einkaufen in die Stadt oder mal ins Kino waren das höchste der Gefühle. In der Regel war das aber immer verbunden mit Hinbringen und Abholen durch die Eltern.

Heute ist das alles deutlich entspannter. Da fährt ein Zwölfjähriger schon mal durch die ganze Republik. Ja, unsere Kinder und Kindeskinder sind schon so weit, dass sie sich selbständig und ohne Aufsicht in viel größeren Kreisen bewegen als wir. Aber die Zeiten ändern sich.

Jesu Eltern waren schon ziemlich entspannt. Sie machen sich auf den Heimweg in der festen Überzeugung, ihr Sohn wird schon bei irgendwelchen Verwandten oder Freunden sein. Erst nach einer Tagesreise am Abend, als sich alles zur Übernachtung trifft, stellt sich heraus: Das Kind ist nicht da!

Also zurück nach Jerusalem und alles abklappern. Dass Jesus im Tempel sitzen könnte und dort alte Männer mit seiner Weisheit und seinem Verständnis begeistert, das können die Eltern nicht ahnen. Ich vermute eher, sie suchten ihn im antiken Äquivalent zu unseren heutigen Diskotheken und Kneipen.

Damit kommen wir dorthin, wo wir uns verwundern. Was macht dieser Kerl, der gerade auf dem Weg ist, ein Jugendlicher zu werden? Wieso sitzt der mit alten Männern zusammen und diskutiert, anstatt sich mal ein bisschen den Wind um die Nase wehen zu lassen?

Ja, Wunder über Wunder, die wir nicht verstehen können. Und dann kommt noch dazu, wo so ein Bursche, der bestenfalls ein bisschen Lesen in der Synagoge gelernt hat und zur Ausbildung bei seinem Vater ist, diese umfangreiche Weisheit her hat, um seine Gegenüber im Tempel so zu beeindrucken?

Das Jahr beginnt für uns gleich am ersten Sonntag mit einem ganzen Haufen Wunder, die uns verwundert zurücklassen. Das ist gerade in diesem Jahr sehr gut. Wir suchen Wunder, wir sehnen uns danach. Wir wollen das Wunder erleben, dass wir uns endlich wieder frei bewegen können, dass wir uns treffen können, wann und wo und mit wem auch immer wir wollen. Vielleicht würde der ein oder andere auch gerne mal wieder in einer richtig vollen Kirche sitzen und einen abwechslungsreichen Gottesdienst, ein Konzert oder eine Aufführung genießen. Das wäre wirklich ein Wunder.

Wir wollen uns darauf verlassen, dass uns in diesen dunklen Tagen ein Licht begegnet, ein echtes Wunder, dass uns Hoffnung schöpfen lässt. Ich bin mir sicher, dass wird uns begegnen und zwar dort, wo wir am wenigsten damit rechnen. Damit sind wir dann wieder ganz nah bei den Eltern Jesu, die ihren Filius dort fanden, wo sie nun wirklich nicht mit ihm rechneten – im Tempel. Amen 

Fürbittgebet

 

Wir wollen im Frieden zu Gott, unserem Vater, rufen und ihn bitten:

 

Wir bitten dich, Gott, um dein Geleit auf unserem Weg durch das Leben und um das Wort, das uns Kraft gibt und Tag für Tag befreit.

 

Wir bitten dich für alle, die mit uns gehen, für unsere Angehörigen und Freunde, für unsere Nachbarn und für die Menschen, mit denen wir die Arbeit teilen, ob im Beruf oder im Ehrenamt.

 

Wir bitten dich für unsere Gemeinde, für die ganze Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und vor allem für die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, die mit ihren Entscheidungen die Weichen stellen, wie es weitergeht.

 

Wir bitten dich für alle Menschen und die Gemeinschaft der Völker, für alle, die politische Verantwortung tragen, dass sie den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit gehen und allen mit ihren Entscheidungen zu Gesundheit verhelfen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die Schweres zu bewältigen haben, die müde werden auf ihrem Weg, für die Mutlosen und Schwermütigen, für die Kranken und Sterbenden.

 

Du hast dich über uns erbarmt, Gott, unser Vater. In deinem Sohn hast du uns den Weg zum Leben gewiesen. Hilf uns durch deinen Geist, dass wir ihn gehen, bis ans Ziel.

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

01.01.21 - Neujahr

Ehrlich Dank sagen ist auch ein Teil der Barmherzigkeit.

Predigttext: Phil 4,10-13

 

Ich bin aber hocherfreut in dem Herrn, dass ihr wieder eifrig geworden seid, für mich zu sorgen; ihr wart zwar immer darauf bedacht, aber die Zeit hat's nicht zugelassen. Ich sage das nicht, weil ich Mangel leide; denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie's mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

 

 

 

Worte aus Psalm 121:

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

 

Woher kommt mir Hilfe?

 

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

 

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

 

und der dich behütet, schläft nicht.

 

Siehe, der Hüter Israels

 

schläft und schlummert nicht.

 

Der Herr behütet dich;

 

der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

 

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

 

noch der Mond des Nachts.

 

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

 

er behüte deine Seele.

 

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang

 

von nun an bis in Ewigkeit.

 

Wir wollen beten:

 

Wir danken dir, Gott, weil wir leben, heute und morgen, so wie wir gestern und alle Tage gelebt haben aus deiner Gnade, Gott, von dieser Erde, die du uns gegeben hast, von Brot und Licht, von den Menschen um uns.

 

Wir danken dir, weil wir leben hier und jetzt, mühsam und voller Freude.

 

Und wir bitten dich, dass keine Zukunft, keine Krankheit, keine Katastrophe und kein Tod uns trenne von Jesus Christus, der deine Liebe ist für alle Menschen und die ganze Erde. Amen

 

 

 

Danke mit anderen Strophen

 

1.  Danke, für das vergangne Leben. Danke, mein Gott, für alle Zeit. Danke, du willst uns Hoffnung geben bis in Ewigkeit.

 

2.   Danke, für alle frohen Stunden. Danke, für jeden Augenblick. Danke, für ein erfülltes Leben und für jedes Glück.

 

3.   Danke, für deinen reichen Segen. Danke, für jeden neuen Tag. Danke, dass stets auf unsern Wegen deine Güte lag.

 

4.   Danke, dass Menschen uns begleiten. Danke, für Nähe und Geduld. Danke, für Trost in schweren Zeiten und vergebne Schuld.

 

5.   Danke, du hast dein Licht entzündet mitten in allem Abschiedsleid. Danke, dass du uns lässt empfinden Glanz der Ewigkeit.

 

Gedanken

 

Ein neues Jahr – und auf einmal sehen wir uns mit einer Forderung konfrontiert, die uns aus der Bahn werfen kann. „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Lk 6,36 Was soll das bloß bedeuten?

 

Barmherzig zu sein heißt, sein Herz zu öffnen, die Not anderer Menschen wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Barmherzigkeit bedeutet: Ich bin innerlich betroffen von dem, was mir begegnet und ich überlege mir, was für ein Handeln dadurch von mir gefordert wird. So haben es unsere katholischen Schwestern und Brüder formuliert.

 

Damit kommen wir in die Zwickmühle, denn diese Aussage erfordert einen ehrlichen Blick auf unsere Gefühle. Und es erfordert gelegentlich auch mal das Hinwenden zum anderen, ob er nun ganz nahe ist oder fern.

 

Hand aufs Herz: Was steht denn wirklich im Mittepunkt unseres Sinnen und Trachtens? Oder anders herum: Warum achten so viele von uns auf das, was sich auf ihrem Konto befindet oder wessen Name im Grundbuchauszug steht? Ganz genau, wir sind es zu allererst selbst, an die wir denken. Der ganz überwiegende Teil von uns stellt sich selbst in den Mittelpunkt.

 

Aber es gibt auch andere. Wenn ältere Menschen, von denen ich weiß, dass die Rente nicht so dicke ist, bei der Diakoniesammlung ein Tütchen füllen, für Brot für die Welt ein Tütchen füllen und mir dann noch einen Briefumschlag in den Briefkasten werfen und es steht drauf: Lieber Herr Pfarrer, nehmen Sie es, wo Sie es am nötigsten brauchen, dann weiß ich, dass diese Menschen so ziemlich alles, was sie übrig haben, gerade gespendet haben.

 

Anderes Beispiel: Frank Zander macht seit vielen Jahren zu Weihnachten ein großes Fest für Obdachlose in Berlin. Das ging 2020 nicht, wegen Corona. Das war besonders schade, denn eigentlich sollte das 25-jährige Jubiläum gefeiert werden. Deshalb hat sich Frank Zander dieses Jahr „WEIHNACHTEN MIT FRANK ZANDER *ON TOUR“ ausgedacht. Und so wurden Essen und Geschenke wie warme Decken zu den Obdachlosen gebracht. Darüber hinaus gab es Spenden an die unterschiedlichsten Suppen-busse und Organisationen, die Obdachlose in und um Berlin unterstützen.

 

Beide Beispiele sind gelebte Barmherzigkeit. Und es ist gleichzeitig auch eine Form, Danke zu sagen für all das, was einem im Leben schon gegeben wurde. Die alte Dame gibt ab, was sie kann, weil sie es will und Frank Zander bedankt sich auf diese Weise für den Reichtum, den er an seiner Karriere verdient hat.

 

Das ist alles ganz anders als das, was Paulus an die Philipper geschrieben hat. „Ich bin aber hocherfreut in dem Herrn, dass ihr wieder eifrig geworden seid, für mich zu sorgen;“ Da dankt einer dafür, dass ihn andere versorgt haben und schiebt sofort Kritik hinterher: „… ihr wart zwar immer darauf bedacht, aber die Zeit hat's nicht zugelassen.“ Und er setzt noch einen drauf: „Ich sage das nicht, weil ich Mangel leide; denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen“, und jeder, der hinhört, bekommt den Eindruck, da redet einer, der es eigentlich gar nicht nötig hätte, es aber mal annehmen will. Der letzte Satz ist dann der Höhepunkt: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“

 

Es tut weh, das zu hören und zu lesen, denn Paulus war einer, der viel für unseren Glauben und seine Verbreitung getan hat. Vielleicht ist es ganz gut, dass auch ein solcher Text durch die Reform der Predigtreihen aufgenommen wurde. Er zeigt ganz deutlich die menschlich-arrogante Schwäche, auch bei einem der ganz Großen, der der überwiegende Teil von uns ausgesetzt ist.

 

Spätestens an diesem Punkt wird mir klar, wie nötig wir die diesjährige Jahreslosung haben. „Seid barmherzig“, das gilt für mich, für euch, für uns alle. Seid barmherzig miteinander und füreinander. Seid barmherzig mit den fernen Nächsten und den nahen Nächsten, die uns doch so fern sind.

 

Denn dann, wenn uns das gelingen mag, können wir in der Liebe Gottes leben. Denn dann können wir uns ganz und gar auf den einen einlassen, der an Weihnachten als Säugling in die Welt kam und an Karfreitag für uns ans Kreuz ging. Das möge unser Ziel sein im neuen Jahr. Amen

 

EG+ 93 Anker in der Zeit

 

Fürbittgebet

 

Öffne uns die Augen, Gott, dass wir sehen können, worauf es ankommt. Dann werden wir die vielfältigen Farben der Welt entdecken - und leben.

 

Dann werden wir einen lohnenden Sinn entdecken - und leben.

 

Dann werden wir Augen bekommen für die Menschen um uns herum - und leben.

 

Dann wird uns das Leben leuchten wie die Sonne; denn du öffnest uns die Augen, Gott, dass wir sehen können, worauf es ankommt.

 

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

 

Vater unser im Himmel.

 

Geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

So segne und behüte uns in dieser Zeit, die so stark von Hoffnung und Angst geprägt ist, in diesem neuen Jahr, dass bestanden werden will, der behütende und tragende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

2. Sonntag nach Weihnachten

Jesus – das Wunder, das uns verwundert zurücklässt.

Predigttext: Lk 2,41-52

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem und seine Eltern wussten's nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Gelobt sei Jesus Christus. Amen

Worte aus Psalm 100:

Jauchzet dem Herrn, alle Welt!

Dienet dem Herrn mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

Erkennet, dass der Herr Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst

zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu

seinen Vorhöfen mit Loben;

danket ihm, lobet seinen Namen!

Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig

und seine Wahrheit für und für.

Wir wollen beten:

Gott, du hast der dunklen und verlorenen Welt dein Licht geschenkt: Jesus Christus, deinen Sohn. Wir bitten dich: Gib uns Anteil an seinem Leben, sende auf uns herab deinen Heiligen Geist, der neues Leben schafft. Auf dich hoffen wir in Zeit und Ewigkeit. Amen

 

EG+ 102: Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Aus urheberrechtlichen Gründen haben wir den Text hier nicht veröffentlicht!

 

Gedanken

Es ist jedes Jahr ein Wunder, dass wir uns bewusst machen: Jesus kommt als Säugling unter den schwierigsten hygienischen und sozialen Umständen zur Welt und überlebt. Und die Wunderreise mit ihm geht weiter. Auch wenn in den vier Evangelien nur wenig von seiner Kindheit und Jugend geschrieben steht, gibt es doch dieses eine einschneidende Ereignis. Es ist die Geschichte eines Zwölfjährigen, der erstmals in seinem Leben mit in die große, weite Welt darf, in den Tempel zu Jerusalem.

Ich erinnere mich, wie das war, als ich zwölf war. Mal einkaufen in die Stadt oder mal ins Kino waren das höchste der Gefühle. In der Regel war das aber immer verbunden mit Hinbringen und Abholen durch die Eltern.

Heute ist das alles deutlich entspannter. Da fährt ein Zwölfjähriger schon mal durch die ganze Republik. Ja, unsere Kinder und Kindeskinder sind schon so weit, dass sie sich selbständig und ohne Aufsicht in viel größeren Kreisen bewegen als wir. Aber die Zeiten ändern sich.

Jesu Eltern waren schon ziemlich entspannt. Sie machen sich auf den Heimweg in der festen Überzeugung, ihr Sohn wird schon bei irgendwelchen Verwandten oder Freunden sein. Erst nach einer Tagesreise am Abend, als sich alles zur Übernachtung trifft, stellt sich heraus: Das Kind ist nicht da!

Also zurück nach Jerusalem und alles abklappern. Dass Jesus im Tempel sitzen könnte und dort alte Männer mit seiner Weisheit und seinem Verständnis begeistert, das können die Eltern nicht ahnen. Ich vermute eher, sie suchten ihn im antiken Äquivalent zu unseren heutigen Diskotheken und Kneipen.

Damit kommen wir dorthin, wo wir uns verwundern. Was macht dieser Kerl, der gerade auf dem Weg ist, ein Jugendlicher zu werden? Wieso sitzt der mit alten Männern zusammen und diskutiert, anstatt sich mal ein bisschen den Wind um die Nase wehen zu lassen?

Ja, Wunder über Wunder, die wir nicht verstehen können. Und dann kommt noch dazu, wo so ein Bursche, der bestenfalls ein bisschen Lesen in der Synagoge gelernt hat und zur Ausbildung bei seinem Vater ist, diese umfangreiche Weisheit her hat, um seine Gegenüber im Tempel so zu beeindrucken?

Das Jahr beginnt für uns gleich am ersten Sonntag mit einem ganzen Haufen Wunder, die uns verwundert zurücklassen. Das ist gerade in diesem Jahr sehr gut. Wir suchen Wunder, wir sehnen uns danach. Wir wollen das Wunder erleben, dass wir uns endlich wieder frei bewegen können, dass wir uns treffen können, wann und wo und mit wem auch immer wir wollen. Vielleicht würde der ein oder andere auch gerne mal wieder in einer richtig vollen Kirche sitzen und einen abwechslungsreichen Gottesdienst, ein Konzert oder eine Aufführung genießen. Das wäre wirklich ein Wunder.

Wir wollen uns darauf verlassen, dass uns in diesen dunklen Tagen ein Licht begegnet, ein echtes Wunder, dass uns Hoffnung schöpfen lässt. Ich bin mir sicher, dass wird uns begegnen und zwar dort, wo wir am wenigsten damit rechnen. Damit sind wir dann wieder ganz nah bei den Eltern Jesu, die ihren Filius dort fanden, wo sie nun wirklich nicht mit ihm rechneten – im Tempel. Amen 

Fürbittgebet

 

Wir wollen im Frieden zu Gott, unserem Vater, rufen und ihn bitten:

 

Wir bitten dich, Gott, um dein Geleit auf unserem Weg durch das Leben und um das Wort, das uns Kraft gibt und Tag für Tag befreit.

 

Wir bitten dich für alle, die mit uns gehen, für unsere Angehörigen und Freunde, für unsere Nachbarn und für die Menschen, mit denen wir die Arbeit teilen, ob im Beruf oder im Ehrenamt.

 

Wir bitten dich für unsere Gemeinde, für die ganze Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und vor allem für die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, die mit ihren Entscheidungen die Weichen stellen, wie es weitergeht.

 

Wir bitten dich für alle Menschen und die Gemeinschaft der Völker, für alle, die politische Verantwortung tragen, dass sie den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit gehen und allen mit ihren Entscheidungen zu Gesundheit verhelfen.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die Schweres zu bewältigen haben, die müde werden auf ihrem Weg, für die Mutlosen und Schwermütigen, für die Kranken und Sterbenden.

 

Du hast dich über uns erbarmt, Gott, unser Vater. In deinem Sohn hast du uns den Weg zum Leben gewiesen. Hilf uns durch deinen Geist, dass wir ihn gehen, bis ans Ziel.

Und in der Gemeinschaft der Christen beten wir weiter:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.