Judika, 22.03.2020

„Sorgt euch nicht!“

 

Gottesdienst to go zu Lukas 12,22-28

 

Nach Ilse Junkermann, in: Zutaten. Themenheft zur Fastenaktion der evangelischen Kirche 2020, S. 31

 Jesus sprach zu seinen Jüngern:

 Darum sage ich euch:

 Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr essen sollt,

 auch nicht um den Leib, was ihr anziehen sollt.

 Denn das Leben ist mehr als die Nahrung

 und der Leib mehr als die Kleidung.

 Seht die Raben:

 Sie säen nicht,

 sie ernten nicht,

 sie haben keinen Keller und keine Scheune,

 und Gott ernährt sie doch.

 Wie viel mehr seid ihr als die Vögel!

 Wer ist unter euch, der,

 wie sehr er sich auch sorgt,

 seiner Länge eine Elle zusetzen könnte?

 Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt,

 warum sorgt ihr euch um das Übrige?

 Seht die Lilien, wie sie wachsen:

 Sie arbeiten nicht,

 auch spinnen sie nicht.

 Ich sage euch aber,

 dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit

 nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

 Wenn nun Gott das Gras,

 das heute auf dem Feld steht

 und morgen in den Ofen geworfen wird,

 so kleidet,

 wie viel mehr wird er euch kleiden, ihr Kleingläubigen!

 Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde

 Zuversicht!

 

Sieben Wochen ohne Pessimismus! So lautet die diesjährige Fastenaktion von „Sieben Wochen ohne“. Das fällt uns besonders schwer mitten in der Coronakrise. Wir suchen Zuversicht und bekommen jeden Tag neue Horrormeldungen. Wir können es kaum ertragen, noch Nachrichten zu schauen oder Zeitung zu lesen.

 

Und dann gibt es noch die scheinbar Unvernünftigen. Sie treffen sich in großen Gruppen, um den Balkonsängern zuzuhören. Sie treffen sich am See, um gemeinsam zu grillen, zu feiern und Corona zu vergessen. Vielleicht sind es auch nur die Ängstlichen, die ihre Angst in Fröhlichkeit ersticken wollen, die sie im Partygetümmel ertränken wollen.

 

Unser Blick in die Zukunft wird von Tag zu Tag enger und unser Herz füllt sich mit Unruhe und Angst. Wie soll es weiter gehen? Wann ändert sich etwas? Wie schlimm wird es noch? In dieser Situation lenkt Jesus unseren Blick weg von uns selbst und hin auf unsere Mitgeschöpfe.

 

Das ist erstmal der Rabe. Er galt damals als der am meisten verachtete Vogel, der dort ist, wo Müll ist. Und wie in einem Werbespot wirbt Jesus um Zuversicht. „Schaut hin!“, sagt Jesus. „Gott gibt selbst diesem Vogel – wie allen Vögeln – genug Futter zum Leben. Er arbeitet sehr wohl für sein tägliches Essen. Aber er hamstert nicht und hortet nicht für morgen. Gott sorgt für ihn. Jeden Tag."

 

Da bleibt mir nur, sie anzuschauen, die Raben, und mir bewusst zu machen, wie viel mehr als sie – als alle Vögel – wir Gott am Herzen liegen! Er wird für uns sorgen!

 

Das ist Jesu erster Werbespot für Gottvertrauen! Und es kommt noch besser: in seinem zweiten Werbespot lenkt Jesus unseren Blick ebenfalls auf unsere Mitgeschöpfe, nun auf eine besonders schöne Pflanze:

 

„Schaut euch die Lilien an. Sie wachsen heran. Dabei plagen sie sich nicht wie wir Menschen. Auch arbeiten sie nicht. Dennoch sind sie schön – schöner als die prachtvollste Kleidung, die wir uns vorstellen können. So schön lässt Gott die Lilien heranwachsen. Obwohl sie höchst vergänglich sind. Sie verschwinden von heute auf morgen – sind – zusammen mit den Gräsern – Heizmaterial. Dennoch schafft Gott jedes Jahr neu eine große Blumenpracht. Schaut sie euch an! Und schaut, wie viel mehr ihr seid für Gott!“

 

In diesen beiden Werbespots wirbt Jesus für Gottvertrauen.

 

Wenn es darum geht, das Leben zu erhalten, Krankheit, Not und Tod zu überstehen, versorgt zu sein, mit dem, was wir tatsächlich brauchen, dann gibt es nur einen Weg: „Dann vertraut Gott und bittet ihn um seinen Segen, seine Begleitung und um das tägliche Brot.“

 

 Gottvertrauen ist wichtiger als Sorge. Wenn wir auf die täglichen Nachrichten hören, wenn wir einerseits die Ausbreitung der Krankheit sehen und andererseits uns in unseren Freiheiten immer mehr beschnitten fühlen, dann ist es an der Zeit, unsere Sorgen Gott vor die Füße zu werfen und uns in Gottvertrauen zu wiegen.

 

Manche haben es schon getan, manche waren in einer unserer vier Kirchen und haben ein kleines Zettelchen ausgefüllt: Guter Gott, ich lege meine Sorgen dir zu Füßen:

 

Und in einer zweiten Zeile: Guter Gott, ich bitte dich,….

 

 Und dann haben sie einen Stein, symbolisch für den Stein auf ihrem Herzen, auf den Zettel gelegt. Und dort bleiben die Sorgen liegen, bis die Krise vorbei ist.

 

„Wenn unser Blick dennoch an uns hängen bleibt, dann“, so sagt Jesus in einem dritten, in einem ernsten Werbespot zwischen den beiden anderen, „dann schaut nüchtern hin und seid realistisch: Keine einzige Minute eures Lebens liegt in eurer Hand. Also: seid realistisch und vertraut Gott. Bei all eurer berechtigten Sorge mitten in der Coronakrise – stellt das Morgen Gott anheim! Und schaut euch an, was Gott euch gibt – täglich. Das wird euch auch in schweren Zeiten tragen.“ Amen.

 

Wir beten mit den Worten unserer Bischöfin Dr. Beate Hofmann

 Lebendiger Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die in diesen Tagen von Sorgen und Angst gequält sind:

 sei du ihnen nahe, schenk ihnen Gelassenheit und Vertrauen auf dich.

 Wir bitten dich für alle, die unter Einsamkeit leiden, weil sie zuhause bleiben müssen und keiner zu Besuch kommt:

 schenk ihnen Menschen, die auf andere Weise zeigen, dass sie da sind und sich kümmern.

 Wir bitten dich für alle, die krank sind: behüte und begleite sie, sei ihnen nahe in schwierigen Momenten und stärke sie im Ringen um ihre Gesundheit.

 Wir bitten dich für alle, die sich um Kranke kümmern: gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung.

 Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen und jetzt schwierige Entscheidungen treffen müssen: schenk ihnen Besonnenheit, Augenmaß und Mut.

 Gott, wir bitten dich auch für alle, die jetzt nicht in einem sicheren Zuhause und gut versorgt sind, die auf der Flucht sind oder auf der Straße leben, die keine Krankenversicherung oder keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben:

 hilf uns, sie und ihr Leiden nicht zu vergessen, und lass uns Wege zur Hilfe für sie finden.

  Gott, du bewahrst uns im Leben und im Sterben. Dir vertrauen wir uns und unsere Lieben an. Bleibe bei uns. Und gemeinsam mit allen, mit denen wir uns verbunden fühlen, beten wir weiter:

Vater Unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dien Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 Segen

 Der Herr segne uns und behüte uns.

 Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen