Ewigkeitssonntag 2020

Eine hoffnungsfrohe Zukunft im Zuhause Gottes

 

Predigttext Offb 21, 1-7

 

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

 

 

 

Worte aus Psalm 39

 

Herr, lehre mich doch,

 

dass es ein Ende mit mir haben muss

 

und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss.

 

Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir,

 

und mein Leben ist wie nichts vor dir.

 

Wie gar nichts sind alle Menschen,

 

die doch so sicher leben!

 

Sie gehen daher wie ein Schatten

 

und machen sich viel vergebliche Unruhe;

 

sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird.

 

Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten?

 

Ich hoffe auf dich.

 

Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien,

 

schweige nicht zu meinen Tränen;

 

denn ich bin ein Gast bei dir,

 

ein Fremdling wie alle meine Väter.

 

Lass ab von mir, dass ich mich erquicke,

 

ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin.

 

 

 

Wir wollen beten:

 

Herr Jesus Christus, wenn wir um unsere Toten trauern, so willst du uns Hoffnung geben. Wir bitten dich: Gib, dass wir mit allen, die uns vorangegangen sind, dein Angesicht mit Freuden schauen. Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

 

 

EG 153 Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt,

 

 

Den Text finden Sie unter der angegebenen Nummer im ev. Gesangbuch.

Gedanken

 

Ich erinnere mich zurück an eine Zeit, als meine Kinder noch klein waren und wir alle gemeinsam in einem Haus wohnten. Die Voraussetzungen waren nicht ideal und die Zimmer schlecht aufgeteilt. Die Älteste und die Zweitälteste hatten jeweils Durchgangszimmer. Und die Jüngste musste durch beide durch, um in ihre eigenen vier Wände zu kommen.

 

In meinem Kopf entstand die Idee, den ersten Stock komplett umzubauen und jedem Kind ein eigenes Zimmer zu schaffen. Ich wollte alles neu machen.

 

Und als dann alles fertig war, konnte jedes Kind in sein eigenes neues Reich ziehen. Keines musste mehr durch das Zimmer des anderen gehen. Jedes hatte sein eigenes Zuhause, umgeben von all den Menschen, die auch mit dazu gehörten und die auch ihr eigenes, neues Zuhause hatten.

 

„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;“

 

Nun, für meine Kinder war es nicht die Hütte Gottes, aber es war im Familienzuhause ihr eigenes Zuhause. Und dort konnten sie groß werden, aber auch all die Dinge erleben, die das menschliche Leben so ausmachten. Sie feierten ihre Konfirmationen und sie erlebten den Tod ihrer Oma. Sie knüpften Freundschaften, manche zerbrachen, andere halten bis heute.

 

An all diese Dinge dachte ich, als ich diese Andacht vorbereitete. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

 

Nun sind sie alle ausgeflogen, das haus ist verkauft und wir alle gehen ganz andere Wege. Daran muss ich denken, wenn wir am Ende des Kirchenjahres einen langen Blick zurückwerfen. Das ist nicht einfach, im Gegenteil, es bedeutet, dass Wunden, die am heilen waren, vielleicht nochmal aufgerissen werden. Vielleicht sind auch Narben da, die schon geschlossen sind und die unter dem Druck der Erinnerungen trotzdem wieder schmerzen.

 

Doch dann sollten wir es wagen, etwas Heilsalbe auf die Wunden schmieren und etwas pflegende Creme auf die Narben. Wir werfen einen Blick in die Zukunft, auf das, was da auf uns wartet.

 

Ja, unser irdisches Leben ist endlich. Irgendwann kommt der Abspann und es steht in großen Buchstaben „The End“. Das nennen wir Tod. Wir realisieren es mit jeder Beerdigung. Aber es ist gar nicht das Ende. In einem Lied aus dem EG+ heißt es: “Dieses Kreuz, vor dem wir stehen, setzt ein Zeichen in die Welt, dass sich, auch wenn wir’s nicht sehen, Gottes Geist zu uns gesellt.“

 

Wir sind nicht allein, weder hier noch da, weder waren wir es in der Vergangenheit, noch werden wir es in der Zukunft sein. Gott geht an unserer Seite mit, auch wenn wir es nicht merken. Das ist das entscheidende. Wir müssen es gar nicht merken, wir dürfen es einfach glauben, uns blind darauf verlassen wie ein Kind, dass alles neu und gut wird.

 

Deshalb heißt der Totensonntag auch Ewigkeitssonntag. Denn an diesem Tag merken wir ganz genau, dass da ein Jenseits, eine Perspektive, eine hoffnungsfrohe Zukunft für alle Ewigkeit auf uns wartet. Amen.

 

 

 

Fürbittgebet

 

Wir sehnen uns nach Leben, gerade, wenn Tod und Trauer uns drücken. Zu dir wenden wir uns, Herr, unser Gott.

 

Wieviel Traurigkeit ist da, wenn wir an unsere Verstor-benen denken, viele Tränen, viele zerstörte Hoffnungen. Fragen, die keiner beantworten kann, und Leid, das die Kräfte lähmt.

 

Und daneben Dankbarkeit für gemeinsam Erlebtes, für empfangene Liebe und glückliche Tage.

 

Und schließlich ist da die Hoffnung auf Neues, der Glauben an Sinn und Ziel und die Gewissheit durch Je-sus Christus, dass es irgendwie auch nach dem irdischen Ende weitergeht in den Wohnungen Gottes.

 

Komm, Christus, Herr des Lebens, guter Gott, lass uns auferstehen zur Liebe, die den anderen sucht, und gib Mut zur Versöhnung. Unsere Welt erstirbt an Feind-schaft, an Gedankenlosigkeit, daran, dass Menschen in hilfloser Angst einander bedrohen, dass Feindseligkeiten sich vererben von einer Generation zur anderen, dass Völker sich als Feinde begegnen.

 

Komm, Schöpfer des Lebens, guter Gott, schaffe die gu-ten Kräfte neu, die von Menschen zerstört sind, damit wir in Frieden miteinander leben. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, trockne du unsere Tränen und beende das Leid, das wir einander zufügen. Schaffe neu das Gesicht deiner Erde. Amen

 

 

 

Vater unser im Himmel.

 

Geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

 

Buß- und Bettag 2020

Die Stimme aus dem OFF oder offen hoffen!

 

Predigttext Jonas 3, 1-10

 

3 1 Und es geschah das Wort des HERRN zum zweiten Mal zu Jona: 2 Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage! 3 Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der HERR gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. 4 Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. 5 Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. 6 Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche 7 und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe Nahrung zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen; 8 und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen mit Macht. Und ein jeder bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! 9 Wer weiß? Vielleicht lässt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben. 10 Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und er tat's nicht.

 

 

Worte aus Psalm 130

 

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.

 

Herr, höre meine Stimme!

 

Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

 

Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst -

 

Herr, wer wird bestehen?

 

Denn bei dir ist die Vergebung,

 

dass man dich fürchte.

 

Ich harre des Herrn, meine Seele harret,

 

und ich hoffe auf sein Wort.

 

Meine Seele wartet auf den Herrn

 

mehr als die Wächter auf den Morgen;

 

mehr als die Wächter auf den Morgen

 

hoffe Israel auf den Herrn!

 

 

 

Wir wollen beten:

 

Guter Gott, nicht oft, aber wenn, dann offen wollen wir Buße tun und uns im Gebet in deine Arme werfen. Wirst du uns aufnehmen mit all unserer Schuld? Wirst du uns offene Worte und eine Hoffnung auf Zukunft schenken? Guter Gott, wir vertrauen dir. Komm du uns ebenso vertrauensvoll entgegen, mit offenen Armen, offenem Herzen und niemals nur aus dem Off, sondern klar und eindeutig, damit wir dich bemerken. Wir danken dir dafür. Amen

 

EG+66 Das wünsch ich dir

 

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Gedanken

 

Es knallt und rappelt. Ich komme mir vor wie an Silvester. Es tut einen Schlag und Ende, Aus, alles vorbei. Oder OFF, wie unsere englisch sprachigen Schwestern und Brüder sagen. Der Hauptschalter ist umgelegt, die Sicherung ist rausgeflogen. So war das mit Jona. ER sollte den Sündern in der großen Stadt predigen. Doch er hatte Angst. Er wollte nicht nach Ninive. Also floh er vor Gott. Und am Ende sprang er in die stürmische Flut und wurde vom Walfisch verschluckt. Drei Tage Dunkelheit, drei Tage im OFF. Was blieb war Verzweiflung, die Erkenntnis der eigenen Schuld und die Hoffnung auf Vergebung.

 

Und schon wieder entdecken wir in dem Wort Hoff-nung gleichzeitig das endgültige Off und das Offen-Sein für Zukunft! Vielleicht ist es doch nicht so endgültig? Vielleicht sind wir doch offen für Neues statt gefangen im Off der Vergangenheit?

 

Bei Jona folgt wider Erwarten der Neuanfang. Ausgespuckt aus dem dunklen OFF im Rücken taucht Jina wieder auf.

 

Kurz, knackig, kommt die Stimme Gottes aus dem Off. Geh nach Ninive und predige, was ich dir sagen werde. Jona nimmt all seinen Mut zusammen und macht sich auf den Weg in die riesige Stadt. Mitten drin erreicht ihn erneut das Wort Gottes kurz und knackig: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.

 

Ein Satz, einfach, präzise, scharf wie ein frisch geschliffenes Metzgermesser zerschneidet er alle Zweifel. Er sagt mehr als manche Predigt. Alle Hartnäckigkeit, weiter das Böse zu tun, fällt von Mensch und Vieh ab. Sie setzen sich in die Asche, sie verzichten auf Essen und Trinken, sie tun Buße und bitten um Vergebung.

 

Beides kennen wir heute nur noch selten. Buße tut, wer seine Fehler zugibt, seine Schuld bekennt. Es bleibt die Hoffnung auf Vergebung, denn nach der Vergebung ist die Schuld weg. Es bleibt nur noch die Vergangenheit.

 

Das ist die Herausforderung für heute. Wie oft hat es geknallt und es schien alles vorbei zu sein. Es eskaliert. Es kommt zu handgreiflichen Konflikten. Gerade in diesen Tagen zwischen Querdenkern, Verschwörungstheoretikern und Misstrauen Säenden einerseits und den Menschen, die Politikern und Wissenschaftlern vertrauen, andererseits. Keine Spur von gegenseitigem Respekt, von Anerkennung und Entgegenkommen. Am Ende sehe ich nur noch das OFF, die Dunkelheit des Streits, in Großbuchstaben auf uns zu rollen.

 

Das gibt es übrigens auch zwischen uns. Jeder kennt Situationen bei sich vor Ort, in unseren Dörfern und Städten, wenn alle Recht haben wollen, jeder jeden beschuldigt. Dann knallt es, die Fetzen fliegen. Wir machen uns gegenseitig mit Verachtung, verbalen Attacken und rüdem Umgangston das Leben schwer. Manchmal auch mit Hintenrum-Aktionen. Und schließlich stehen ganze Dorfgemeinschaften und Nachbarschaften vor dem OFF.

 

Darum brauchen wir ein Umdenken, Buße und VERGEBUNG. Nehmen wir uns ein Beispiel an der Geschichte. So macht das Gott durch Jona: Kurz, knackig: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.

 

Und die Menschen verstehen es. Keine Diskussionen mehr. Sie erkennen Fehler, eigene und die der anderen. Sie neigen den Kopf, hüllen sich in Sack und Asche, gemeinsam. Sie suchen Hoffnung, gemeinsam. Sie sind offen für das göttliche Urteil, auch gemeinsam.

 

Das ist es, was uns fehlt. Gemeinsam offen mit Hoffnung aus dem OFF heraustreten und Zukunft schaffen. Lassen Sie es uns anpacken. Amen

 

 

 

Fürbittgebet

 

Wir danken dir, guter Gott, dass deine Stimme, auch wenn sie aus dem OFF kommt, immer auch Vergebung mit sich trägt.

 

Darum bitten wir dich für die Zukunft, die wir in deinen Händen wissen:

 

Schenke Gelassenheit, anzunehmen, was wir nicht ändern

 

können:

 

was uns als Aufgabe im Leben gegeben wurde;

 

wer uns als Nächster und Nächste begegnet;

 

wo wir an die Grenzen unserer Kraft und unseres Lebens

 

kommen.

 

Gib Mut, zu ändern, was uns zu ändern möglich ist:

 

Denen eine Stimme zu geben, deren Stimmen nicht gehört

 

werden.

 

Denen beizustehen, die unsere Hilfe brauchen;

 

Denen Wege zu ebnen, denen die Zukunft schwer gemacht wird.

 

Gib Weisheit beides zu unterscheiden und Kraft aus deinem Wort zu schöpfen.

 

Denn wir wissen: deine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darauf setzen wir unsere Hoffnung.

 

Amen.

 

 

 

Und gemeinsam beten wir mit den Worten von Jesus Christus:

 

Vater unser im Himmel.

 

Geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Volkstrauertag 2020

Vom Evangelium und dem üblen Mammon

 

Predigttext Lukas 16, 1-9

 

16 1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. 2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. 3 Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. 4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. 5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. 7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.

 

 8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. 9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

 

 

 

Worte aus Psalm 50

 

1 Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

2 Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.

3 Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter.

4 Er ruft Himmel und Erde zu, dass er sein Volk richten wolle:

5 »Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.«

6 Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter.

14 „Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde,

15 und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.«

23 Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.

 

 

 

Wir wollen beten:

 

Guter Gott, manchmal verstehe ich dein Wort nicht. Manchmal ist mir unklar, was du von mir willst. Dann suche ich den richtigen Weg. Gerade heute ist das der Fall. Deshalb bitte ich dich, hilf mir und zeige mir die Richtung, in die ich gehen muss. Amen

 

 

 

EG+ 152 Weise uns den Weg, Gott, geh mit

 

Der Text kann aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht veröffentlicht werden.

 

Gedanken

 

Er hat seinen Auftrag nicht ordentlich ausgeführt.

 

Sein Chef hat das mitbekommen.

 

Und nun soll er seine Abrechnungen vorlegen.

 

Was das zur Folge hat, weiß er ganz genau.

 

Wenn die Wahrheit herauskommt, verliert er seinen Job als Verwalter, wird nicht wiedergewählt, wird angezeigt.

 

Darum überlegt er.

 

Harte Arbeit schafft er nicht, betteln will er nicht, ins Gefängnis auch nicht.

 

Also braucht er Hilfe, gute, einflussreiche Freunde.

 

Menschen, die es gut mit ihm meinen,

 

die ihn beschützen können vor sich selbst,

 

vor allen anderen.

 

Er nimmt die Geschäftsunterlagen

 

– die, die er seinem Chef später zeigen soll –

 

und geht los zu denen, die Schulden bei seinem Arbeitgeber haben.

 

Und dann reduziert er einfach die Schulden.

 

Wer hundert Fass Öl schuldet, schuldet blitzschnell nur noch fünfzig,

 

und aus hundert Sack Korn werden auf einmal achtzig.

 

So geht sein Plan für die Zukunft auf.

 

Völlig absurd ist das.

 

Und doch läuft es genauso in unserer Welt.

 

Ungerechtigkeiten schützen sich gegenseitig.

 

Doch Moment, ist es das was hier gemeint ist?

 

Manchmal beginnen die Missverständnisse schon mit der Überschrift.

 

„Vom ungerechten Verwalter“

 

steht in meiner Bibel über diesem Abschnitt.

 

Und dann mach ich mir Mühe,

 

wälze das Griechisch-Lexikon, lese in Hebräisch nach,

 

schaue in Kommentare.

 

Und ich entdecke:

 

Der „Verwalter der Ungerechtigkeit“ steht da,

 

nicht der ungerechte Verwalter.

 

Wenn ich das so lese geht mir ein Licht auf.

 

Der Verwalter der Ungerechtigkeit.

 

Und ich merke:

 

Die Ungerechtigkeit ist irgendwie schon da.

 

Sie ist in der Welt und ist Teil der Welt.

 

Etwas, was der Verwalter – wie er es gelernt hat – verwalten muss.

 

Womit er umgehen muss. Womit wir umgehen müssen.

 

Das kennen wir.

 

Tagtäglich, in der Schule, an der Arbeit, im Dorf, in der Nachbarschaft begegnet sie uns.

 

Und vielleicht ist das der Hinweis für diesen wirklich schwierigen Text:

 

Es geht nicht um Strafgesetze und offenbar auch nicht um Geld, es geht um Klugheit.

 

Um kluges Handeln in dieser ungerechten Welt.

 

Heute am Volkstrauertag, wer trauert da?

 

Die Völker? Die Regierenden?

 

Die, die unter der Ungerechtigkeit leiden?

 

Die mit der Ungerechtigkeit leben?

 

Oder die, die diese Ungerechtigkeiten erst erschaffen?

 

Sind es wirklich die Verwalter der Ungerechtigkeiten, die heute trauern?

 

Er ist seltsam, dieser Verwalter.

 

Er hat ja nichts mehr zu verlieren.

 

Den Job, sein gutes Leben, das alles ist er sowieso los.

 

Er trägt in der Tat Trauer um sein gutes Leben.

 

Eigentlich könnte er nun zusehen,

 

dass er für sich selbst doch noch etwas herausholt.

 

So geht das doch zu in unserer Welt.

 

Erstmal sehen, wo ich bleibe.

 

Aber das macht er gerade nicht.

 

Er hilft den anderen.

 

Denen, die die Schulden haben.

 

Haben sie falsch oder ungerecht gehandelt?

 

Hat jemand an ihnen ungerecht gehandelt?

 

Wer weiß. Es spielt für ihn keine Rolle.

 

Er macht ihnen das Leben leichter.

 

Und er wird besser mit ihnen klarkommen.

 

Auch sein Leben wird leichter sein.

 

Sie werden es ihm nicht vergessen.

 

Und doch ist diese Geschichte

 

keine Aufforderung zum Betrug.

 

Dazu ist sie zu unlogisch und absurd.

 

Es geht nicht um Regeln.

 

Es geht um dich und mich.

 

Wir sind dieser Verwalter.

 

So vieles ist uns anvertraut.

 

Wir könnten so vieles daraus machen.

 

Aber wir machen es nicht.

 

Sind wir zu bequem

 

oder zu blind

 

oder zu sehr mit uns selbst beschäftigt?

 

Wenn wir ehrlich auf uns selbst blicken,

 

dann sind wir schlechte Verwalter von diesem Leben.

 

Aber: Noch ist nicht alles vorbei.

 

Im Gegenteil, wir stehen erst am Anfang.

 

Wir dürfen die Ungerechtigkeiten dieser Welt,

 

die Rücksichtslosigkeiten,

 

die Gnadenlosigkeiten nicht länger zulassen.

 

Wir können aufstehen und etwas dagegen tun.

 

Leise im Hintergrund,

 

manchmal auch laut, sodass es alle hören.

 

Aber immer so,

 

dass sich etwas verändert.

 

Was du den Geringsten unter meinen Brüdern und Schwestern getan hast, das hast du mir getan, sagt Jesus.

 

Darum will ich diese Zeit nutzen, die ich habe.

 

Zu verlieren habe ich ja nichts mehr. Ich habe schon viele Fehler gemacht. Du auch?

 

Darum will ich versuchen,

 

eine Welt voller Ungerechtigkeit

 

ein bisschen besser zu machen.

 

Da, wo ich es kann.

 

Das ist klug, sagt Jesus.

 

Schuld vergeben.

 

Lasten abnehmen.

 

Anderen das Leben leichter machen.

 

So gut ich es vermag,

 

mit meinen Fähigkeiten und meinen Grenzen.

 

Ich mache sicher nicht alles richtig.

 

Aber manches.

 

Und für diejenigen, bei denen es gelingt, ist es viel.

 

Ein bisschen Zeit – wie viel auch immer – habe ich.

 

Ich kann immer noch anfangen.

 

Und heute ist der Tag dafür.

 

Darum komm mit. Fang mit an. Lass uns etwas verändern.

 

Damit die Ungerechtigkeit ein kleines bisschen an Boden verliert.

 

Amen.

 

Fürbittgebet

 

Wir bitten dich, Gott:

 

Sende deinen Heiligen Geist, dass er uns hilft, dieser Erde, die wir lieben, ein neues Gesicht zu geben und Frieden zu stiften, wo immer Menschen leben.

 

Schenke uns die Weisheit, zu erkennen, wo es auf uns ankommt, und gib uns den Mut, unser Gewissen auszurichten an Christus.

 

Lass deinen Geist über uns herrschen, und bringe uns auf den Pfad, der zum Frieden führt.

 

Und gemeinsam erinnern wir uns mit deinen Worten an unseren Ursprung:

 

Vater unser im Himmel.

 

Geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

 

Herzlichen Dank an Wilko Hunger, einen wunderbaren Kollegen, der derzeit in Johannesburg lebt und arbeitet und die Grundlage für diese Predigt geschaffen hat.

 

Reformationsfest 2020

Reformationstag 2020

 

 

Wir fallen, wir stehen auf, wir fallen wieder,

wir versuchen es anders und stehen wieder auf!

Mt 10, 26b-33

 

Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

 

Gepriesen sei Jesus Christus, unser Bruder. Amen

 

Von der Freiheit predigte Luther, und davon, dass es nur einen gibt, auf den wir uns verlassen können: Jesus Christus. Aber wir müssen uns auch auf unsere Mitmenschen verlassen: Auf die, die wir gewählt haben; auf die, die so wichtige Aufgaben in Medizin und Wirtschaft, in Lehre und Versorgung übernommen haben.

 Darum ist es wichtig, dass wir trotz Corona auch im Kleinen Halt und Kraft in unseren Gottesdiensten finden, alleine oder zu zweit oder mit vielen. Wir lesen die Texte, Vertraute und Neue, lassen die Gedanken schweifen und vertrauen uns Gott an.

 

Darum, guter Gott, bitten wir dich, sei du bei uns in diesen schwierigen Zeiten mit deinem Trost, mit deinem Halt, mit deiner Gnade und mit deiner Liebe. Amen

 

Gedanken:

 

Haltet eure Wurzeln fest nach der Melodie von »Haltet eure Träume fest«

 

1. Haltet eure Wurzeln fest und beginnt zu leben. Spürt, wie Liebe uns befreit, lernt aus der Vergangenheit. Haltet eure Wurzeln fest!

 Ein nahezu unbekanntes Lied. Gerne hätte ich es in diesem Jahr im Gottesdienst zum Reformationsfest gesungen. Gleich in der ersten Strophe führt es uns zu unseren Wurzeln. Wie oft verlieren wir, auf was wir uns eigentlich verlassen können.

 In dieser Katastrophenzeit haben wir oft nur einen Blick: Angstvoll, bestürzt schauen wir auf das, was vielleicht kommen mag oder was uns zugemutet wird. Wir kommen uns vor wie die Maus, die voll Angst vor der Schlange sitzt und auf das Unheil wartet. Darum frage ich uns:

 Wo ist unser Mut hin, uns auch auf das zu verlassen, was wir mitbringen? Wir sollten doch unsere Erfahrungen und unseren Glauben nicht vergessen haben. Dort finden wir unsere Hoffnung.

 Es ist nicht die erste Katastrophe, die uns Menschen trifft. Und es wird auch nicht die letzte sein. Und doch sind wir noch da. Und wir werden auch zukünftig bleiben.

 

2. Haltet eure Träume fest und beginnt zu weben. Knüpft ein Band bei jedem Streit, macht zu enge Kleider weit. Haltet eure Kleider fest!

 Ja, auch das ist etwas, was wir immer wieder vergessen: Unsere Träume. Unsere Verbindungen untereinander. Diese Dinge drohen verloren zu gehen. Doch wir könnten uns unsere Träume erzählen. Wir könnten uns auf unsere Gemeinschaft verlassen. Dazu braucht es nicht viel.

 

3. Haltet eure Hände fest und beginnt zu geben. Suchet stets Gerechtigkeit, handelt in Gemeinsamkeit. Haltet eure Hände fest!

 Hände handeln in und für Gemeinsamkeit. Aber wenn wir doch zuhause eingesperrt sind, könnten wir sagen, wie sollen wir da etwas tun können? Ach ja, da ist er wieder, der angstvolle Blick auf das, was kommen mag und was wir nicht mehr tun können. Aber wir können doch noch soviel mehr tun. Nutzen Sie, was Ihnen gegeben ist: Telefon, Post, Gespräche mit Distanz über den Gartenzaun. Und schon merken Sie, dass wir bei aller Corona - Reformnot viel näher aneinander sein könnten, wenn wir nur wollen.

 

4. Haltet eure Kirche fest und beginnt zu schweben. Schlagt entzwei Verbissenheit, nehmt euch für Visionen Zeit. Haltet eure Kirche fest!

 Und so kommen wir an den Kern des Reformationsfestes. Wir brauchen Visionen für unsere Kirchen, die über Verwaltung und Gesetze hinaus gehen. Schon Luther war davon überzeugt, dass der Christenmensch die Freiheit hat, die über alle Gesetzestexte und Grenzen hinweg den anderen, den Mitmenschen in den Blick nimmt. Das brauchen wir in diesen Tagen.

 Darum, wenn Ihnen danach ist, melden Sie sich im Pfarramt. Ein kleiner Schwatz, ein paar Minuten miteinander und wir finden sicher Wege, wie wir dem Nächsten gut tun können.

 

5. Haltet euren Glauben fest und beginnt zu leben. Spürt, wie Liebe uns befreit, wagt die Vielgestaltigkeit. Haltet euren Glauben fest!

 „Was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können!“ So steht es im Predigttext für dieses Reformationsfest.

 Lasst uns Haltung zeigen, gerade wenn uns Corona bis zum Hals steht. Lasst uns unseren Glauben zeigen, der uns die Kraft zum Durchhalten gibt.

 Und lasst uns die Angst besiegen, die uns die Kraft zum Leben und die Lift zum Atmen nehmen will. Denn unser liebender Gott ist stets an unserer Seite und hält uns fest. Amen

 

Wir beten:

Ich will dich rühmen, Gott mit allem, was war und was ist!

Ich will dich rühmen mit all den Überraschungen, die waren,

mit all den kleinen und großen Fehleinschätzungen und Versäumnissen,

mit meinem freudigen Herzklopfen, wenn Wünsche sich erfüllen,

mit der Hoffnung, zu der ich beigetragen habe,

mit dem Brot, das ich gebacken habe!

Ich will dich rühmen mit allem, was ich bin,

mit meinen Sinnen, wenn sie mir geholfen haben, das Richtige zu meinen und zu tun,

mit meinem Herzen, wenn es sich freut von Terminen und Pflichten gelöst zu sein,

mit meiner Seele, wo sie dankbar deine Freundlichkeit und Liebe ergreift.

Rühmen will ich dich, Gott, mit allem, was ich bin und was ich habe, mit meinem Glauben, meiner Hoffnung, meiner Liebe!

Was mich beseelt? Das sind nicht fromme Worte.

Ich will es sehen in den Augen der Menschen, will es erfahren, Gott, mit Haut und Haaren, wo ich die schwierige Kunst zu lieben übe.

Was mich beseelt? Das sind nicht große Gedanken.

Ich will es sehen in täglichen Taten, wenn Menschen für Gerechtigkeit streiten, im Kleinen und auch darüber hinaus.

Ich will es erleben im Glück und im Leid und so dem Christus folgen, der es trug hoch zum Kreuz.

Was mich beseelt? O ja, Das sind gute Freunde.

Doch andere auch, Fremde, mit denen ich Mühe habe und sie mit mir.

Ich will ihnen begegnen mit Herz und Verstand, lernen, mit Ungelöstem und Widerständen zu leben.

Was mich beseelt? Das bist du, Gott. Lass mich zur Stelle sein und bleib an meiner Seite!

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Liebe Gemeinde:

Bleibt lebendig! Vom Atem Gottes beseelt, bestellt seine Erde!

Bleibt lebendig! Von Gottes Kreuz gerichtet, richtet euch auf!

Bleibt lebendig! Von Gottes Liebe erschaffen, schafft mit an seinem Reich!

So segne euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen

Trinitatis, 07.06.2020

 

Gottes Gnade, Segen und Frieden sind größer als alles!

 

Predigttext 4.Mose 6,22-27

 

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. 27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

Worte aus Psalm 145

 Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

 und deinen Namen loben immer und ewiglich.

 Gnädig und barmherzig ist der Herr,

 geduldig und von großer Güte.

 Der Herr ist allen gütig

 und erbarmt sich aller seiner Werke.

 Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke

 und deine Heiligen dich loben

 und die Ehre deines Königtums rühmen

 und von deiner Macht reden,

 dass den Menschenkindern deine gewaltigen Taten kundwerden

 und die herrliche Pracht deines Königtums.

 Dein Reich ist ein ewiges Reich,

 und deine Herrschaft währet für und für.

 Ich will dich erheben, mein Gott, du König,

 und deinen Namen loben immer und ewiglich.

 

Gedanken:

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

 

Die Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, das ist das Thema für diesen Sonntag. Es ist ein schwieriges Thema, weil es irgendwie nicht so richtig zu begreifen ist.

 

Wir wollen es mal anhand des Predigttextes hoffentlich verständlich auseinanderklamüsern. Sollte etwas unklar bleiben, dann müssen wir vielleicht auch zulassen, es unklar zu lassen.

 

Wenn wir von hinten anfangen, dann lesen wir: Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

 

Sein Angesicht auf uns heben: Das heißt nichts anderes wie: er sieht uns an. Und wenn wir uns an die Geschichte der Menschen mit Gott erinnern, dann gibt es da einen, der Mensch geworden ist und als solcher Face to Face, wie wir in diesen Tagen sagen, unter uns Menschen weilte: Jesus, der Sohn Gottes.

 

Und er war es auch, der gesagt hat: „Meinen Frieden gebe ich euch. Ich bin in meinem Vater und mein Vater ist in mir.“ Zumindest lesen wir das in den Evangelien. Ich stelle mir vor, dass dieser Friedenschenkende und uns begleitende Teil Gottes ganz im Inneren ruht.

 

Sicherlich wissen Sie, was eine Matroschka ist. Diese aus Russland stammenden Puppen, die man aufmachen kann und in denen eine immer kleinere zum Vorschein kommt. Ganz im Inneren ruht das kleinste Püppchen. Stellen Sie sich vor: Könnte das der Sohn Gottes sein, der versunken in ihm und dem Heiligen Geist ruht? Dann wäre es ein Teil von Gott, der aber auch selbständig agieren kann. Alleine den Willen Gottes verkörpern, sich aber auch ganz auf Gott Vater und Geist ver-lassen könnend.

 

Wenn wir das Bild weiterverfolgen, dann käme die nächst größere Puppe: Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Die Gnade Gottes, dieses Gefühl, uns wird vergeben, was wir auch tun, ist ganz eng mit unserem irdischen Leben verknüpft. Der Geist, von Jesus vorhergesagt und vom Vater gesandt, um uns die wertvollsten Gaben zu schenken, die wir haben: Die Fähigkeit zu glauben, zu hoffen und zu lieben.

 

Es ist der Heilige Geist, der uns in dieses liebende Feld einhüllt. Wenn wir im Gebet versunken das Gefühl haben, mit Gott zu sprechen, dann ist dies der Geist, der uns berührt. Das passiert nicht regelmäßig, es ist von uns nicht steuerbar und in der Regel für uns unsichtbar. Wir bezeichnen diese Gefühle als Spiritualität. Dieses Wort kommt von Spiritus, dem Geist, der uns nahe kommt. In diesem Geist ruht der Sohn. Wir erinnern uns an die Taube bei Jesu Taufe, an die verschiedenen Bilder bei seiner Himmelfahrt. Immer wieder erschien Gott in den Symbolen, die wir dem Geist zu ordnen.

 

Und dann kommt das, was in unserer Vorstellung alles umrahmt: Der HERR segne dich und behüte dich! Wir erkennen auf einmal das große Ganze: Der Schöpfer-Vater, der sich seiner Schöpfung liebevoll zuwendet, ist ebenso ein Teil von Gott, dem Herrn, der alles in allem umfasst.

 

Diese dritte und größte Puppe umhüllt liebevoll und blind vertrauend den Geist und den Sohn. Drei in einem und doch jedes in der Lage, einzeln zu agieren. Der Vater, der uns in seiner Hand hält, wohlwollend umhüllend, so wie er den Geist und den Sohn in seinem Inneren birgt.

 

Und dann kommt das ganz große, unbeschreiblich schöne: Der Segen. Der Segen dieses einen dreieinigen Gottes ist das wunderbare Geschenk, dass uns einfach so zukommt.

 

23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

 

Aaron und seine Söhne hatten den Predigt- und Opferdienst übernommen. Aus ihnen wurde später der Stamm Levi, der im alten Israel traditionell über Religion, Glaube und Recht wachte. Sie waren so etwas wie Theologen und Juristen in einem. Und diese bekamen nun den Auftrag, das Volk beim Gebet zu segnen. Aber nicht irgendwie, sondern mit einer klaren Formel. Und auch nicht so allgemein, lapidar, pauschal über alle hinweg, nein, sondern ganz persönlich und individuell: Der Herr segne DICH.

 

Dieser große, unfassbare Gott, der sich als drei in einem darstellt und erlebbar macht, der ist ganz persönlich für jeden einzelnen von uns dar. Und das meint nicht nur hier im Gottesdienst, in diesem Dorf, in der Kommune oder dem Landkreis: Nein, Gott ist weltweit und über alle Zeiten hinweg für jedes Geschöpf da und ganz besonders für jeden Menschen, ob wir das merken, wissen und glauben oder eben nicht.

 

Und ganz besonders ist diese Verbindung nachzuspüren bei allen, die getauft sind. Denn mit der Taufe hat ein Mensch selber oder jemand anderes stellvertretend die Entscheidung getroffen, diese ganz intime Beziehung zwischen Gott und dem Täufling herzustellen.

 

Und die bleibt. Die bleibt ein Leben lang, ob jemand austritt und sich dem menschlich-irdisch-kirchlichen System entzieht oder nicht, ob er behauptet, er glaube nicht oder ein anderes Argument hat, diese Verbindung bleibt. Denn Gottes Gnade, sein Segen und sein Frieden sind viel größer als alles, was wir uns vorstellen oder was wir leben können.

 

Darum, ihr Lieben, auch wenn wir weit voneinander sitzen und uns hinter Masken verstecken müssen, um uns gegenseitig zu schützen, bleiben wir doch in Gott auf eine Art und Weise gesegnet und geschützt, die sich unserer Vorstellung entzieht.

 

Aber eins ist mal sicher: Der Friede Gottes, den wir einfach nicht verstehen können, er kann unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren, wenn wir es nur zulassen. Amen

 EG 140 Brunn alles Heils, dich ehren wir

 

1. Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm.

 

2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht.

 

3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten lass sein Angesicht, dass wir ihn schaun und glauben frei, dass er uns ewig gnädig sei.

 

4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns erheb, dass uns sein Bild werd eingedrückt, und geb uns Frieden unverrückt.

 

5. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, o Segensbrunn, der ewig fließt: durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll!

 Fürbittgebet

 

Gott - Ursprung des Lebens, dich rufen wir an.

Gott - Bruder Christus, dir vertrauen wir.

Gott - Heiliger Geist, dir öffnen wir uns.

 Segne deine Schöpfung wie am Anfang, lass ihr deine väterliche Kraft zukommen, bring neues Leben hervor in mütterlicher Liebe.

 

Erfülle deine Verheißungen aus alter Zeit, führe in Christus die Menschen zusammen, halte uns fest als deine Kinder.

 

Verkünde der Menschheit deine neue Zeit, führe sie zur Einsicht in ihre Lage, überwinde Trennung und Schuld.

 

Eine die Völker der Welt, dass sie sich nicht länger bedrohen und dass sie aufhören, Tod und Verderben über deine Schöpfung zu bringen.

 

Stärke deine Kirche in allen Ländern, dass sie Menschen im Glauben versammelt an deinem Tisch und Zeichen der Versöhnung und des Friedens ist.

 

Bekräftige deinen Bund durch das Evangelium, lass es nicht verstummen, sondern überall Glauben wecken und zu neuem Leben befreien.

 

Gott - Ursprung des Lebens, dich rufen wir an.

 Gott - Bruder Christus, dir vertrauen wir.

 Gott - Heiliger Geist, bleibe bei uns.

 Vater Unser

 Vater unser im Himmel.

 Geheiligt werde dein Name.

 Dein Reich komme.

 Dein Wille geschehe,

 wie im Himmel, so auf Erden.

 Unser tägliches Brot gib uns heute.

 Und vergib uns unsere Schuld,

 wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 Und führe uns nicht in Versuchung,

 sondern erlöse uns von dem Bösen.

 Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 Segen

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 


Pfingsten 31.05./01.06.2020

Der Geist Gottes wird uns beseelen und retten

Schriftlesung Joh 20,19-23

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Worte aus Psalm 118

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch vom Hause des Herrn.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

 

EG 268 Strahlen brechen viele

1. Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus. Strahlen brechen viele aus einem Licht - und wir sind eins durch ihn.

2. Zweige wachsen viele aus einem Stamm. Unser Stamm heißt Christus. Zweige wachsen viele aus einem Stamm - und wir sind eins durch ihn.

3. Gaben gibt es viele, Liebe vereint. Liebe schenkt uns Christus. Gaben gibt es viele, Liebe vereint - und wir sind eins durch ihn.

4. Dienste leben viele aus einem Geist, Geist von Jesus Christus. Dienste leben viele aus einem Geist - und wir sind eins durch ihn.

5. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib. Wir sind Glieder Christi. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib - und wir sind eins durch ihn.

 

Gedanken

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

Predigttext: Apg 2,1-21 Das Pfingstwunder

2 1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

 

Liebe Gemeinde,

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Erst mit diesem Fest wurde die Dreieinigkeit für uns Christen greifbar. Gott Vater, Sohn und Geist als die Adresse, an die wir uns in unserer Not, aber auch mit unserem Dank wenden können. Etwas, das in den vergangenen Wochen immer wichtiger wurde. Immer wieder kamen Menschen in die Kirchen und schrieben ihre Sorgen, ihre Hoffnungen, ihre Bitten und ihren Dank auf. Diese kleinen Zettel sammelten sich auf den Altären. Manche lagen zehn Wochen auf dem Altar, andere nur ein paar Tage. Aber alle richteten sich mit all ihren Gefühlen und Gedanken direkt an den dreieinigen Gott.

In der Pfingstgeschichte wird berichtet, wie Zungen zerteilt wie von Feuer, sich auf die Jünger setzten und sie dadurch beseelt wurden vom Heiligen Geist. Seitdem sind Flammen das Symbol des Heiligen Geistes, dieser geheimnisvollen Kraft. Diese Kraft, die uns in-spiriert. Dieses Wort In-Spiration macht deutlich, um was es an Pfingsten geht. Spiritus – der Geist und in – in uns hinein. Der Geist kommt in uns hinein und die Worte unserer Gefühle drängen aus uns heraus, ob geschrieben oder gesagt.

Meist singen wir an solchen Tagen unsere Gefühle aus uns heraus. Flott, laut, so wie der Aufruf, den ich vorhin stellvertretend für uns gesungen habe: Komm Heilger Geist mit deiner Kraft. Doch das dürfen wir zur Zeit nicht. Doch auch das werden wir überstehen.

Ich habe die Zettel aus den Kirchen mitgebracht. Sie alle schenken Einblicke in Gefühle, lassen Ängste erahnen und Hoffnungen sehen. Sie handeln von Bitte um Erbarmen und tiefem Glauben. Menschen haben sich an Gott gewandt in dieser Zeit der Angst. Sie haben sich aber auch an Gott gewandt in dieser Zeit der Zuversicht. Hingerissen und hergezerrt zwischen unseren Gefühlen sind wir. Ist die Katastrophe vorbei? Haben wir es überstanden? Doch dann die Zahlen in der Zeitung. Auch in unserem Kreis nehmen die Infektionen leise, still und heimlich wieder zu. Ein Grund sich zu fürchten? Oder wollen wir uns lieber auf den Geist verlassen, der uns ein Leben lang begleitet hat und tief in uns ruht?

Da liegt es vor uns, die Hoffnung und Zuversicht, die Kraft, in die Zukunft schauen zu können. Wir wollen wieder froh sein. Wir wollen uns nicht mehr Angst erfüllt verkriechen. Und so werden wir hier und heute ein Zeichen setzen.

Es ist an der Zeit, uns von den Sorgen zu lösen, die uns bedrängen. Das meint nicht, unvorsichtig zu werden. Aber es meint, sich auf Gott als Retter zu verlassen. Und so wollen wir unsere Sorgen Gott überantworten, in dem wir sie in die Flammen werden, so wie Gott als Geist in Flammengestalt zu uns Menschen kam.

Wir entzünden ein Feuer, um all das zu verbrennen, was uns belastet.

Wir geben unsere Ängste vor der Krankheit an Gott ab.

Wir legen unsere Ängste um unsere Familie und Freunde Gott vor die Füße.

Wir vertrauen unsere Hoffnung auf eine bessere, gesunde und liebevolle Zukunft Gott an.

Wir schenken Gott unseren Dank für die Nächsten um uns herum, für die Infektionsfreiheit, für die Versorgung und für die Liebe, die uns entgegenkommt.

Liebe Gemeinde,

es wird noch eine ganze Weile dauern, bis Corona nur noch ein Schatten ist und wir gelöst von allem zurückblicken können. Aber das macht nichts. Spätestens seit Pfingsten wissen wir, wir sind nicht allein. Wir alle sind beseelt vom Geist Gottes. In uns allen brennt das Feuer dieses Geistes. Wir müssen es nur rauslassen. Darum lasst uns den Mund und das Herz öffnen und die Worte Gottes weitergeben. So können wir ein Zeichen ablegen, Zeugen sein, dass wir auch anders zusammenleben können, frei von inneren und äußeren Zwängen, frei von scheinbaren Verpflichtungen und frei, den anderen so anzunehmen wie er ist.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Wir suchen dich in der Ferne, doch du bist uns durch deinen Geist ganz nah. Durch ihn gibst du den Schwachen Kraft. Durch ihn tröstest du die Traurigen und ermutigst die Verzagten. Mach uns zu geistesgegenwärtigen, beseelten Menschen, die mit offenen Augen und Herzen durch diese Welt gehen.

Dein Geist schafft Verständigung und Vertrauen, wenn wir uns darauf einlassen. Wir bitten dich für alle Menschen, die sich nicht mehr verstehen, die im Streit miteinander liegen und die Wahrnehmung des anderen vergessen haben. Schenke uns mehr Verständnis füreinander:

in unseren Familien, zwischen den Ehepartnern, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Menschen, die zusammenarbeiten, zwischen Freunden, aber auch im öffentlichen Leben. Wir bitten dich für die Einheit der Kirche: Gib, dass wir uns nicht abfinden mit ihrer Trennung

und aufeinander zugehen.

Dein Geist will uns zu freien Menschen machen. Befreie uns von der Sorge um uns selbst und schenke uns das Vertrauen, dass du für uns sorgst. Bewahre uns aber davor, unseren Nächsten dabei aus den Augen zu verlieren. Hilf, dass wir uns nicht krampfhaft wichtig nehmen und mehr Humor haben.

Dein Geist führt und hält zusammen. Wir danken dir, dass wir hier in dieser Gemeinde miteinander beten und dich loben können. Deshalb beten wir gemeinsam weiter:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.


Exaudi 24.05.2020

Höre hin – auf das Wort Gottes, auf die Klage und das Leid, auf die Stimme aus deinem Inneren. 

Predigttext Jeremia 31,31-34

Die Verheißung eines neuen Bundes 

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. 

Selig sind, die Gottes Wort hören, lesen und bewahren. Halleluja 

 

Worte aus Psalm 27 

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir.

Mein Herz hält dir vor dein Wort: „Ihr sollt mein Antlitz suchen.“

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, meines Heils!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Herr, weise mir deinen Weg

und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!

Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf

und tun mir Unrecht.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie es war im Anfang jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen

  

Da berühren sich Himmel und Erde

 1. Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu,

 (Refrain:) da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.

 2. Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu,

 (Refrain:) 

 3. Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu, (Refrain:) …

 

Gedanken

 

Höre hin – Exaudi – das ist eine Aufforderung, die wir nur selten ernst nehmen können. Und doch heißt dieser Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten genauso!

Höre hin – ist es ein Befehl, eine Bitte, ein nett gemeinter Hinweis oder doch eher eine klare, überprüfbare Anweisung?

Wenn wir den Predigttext von diesem Sonntag lesen, können wir das Gefühl bekommen, dass Gott die Nase voll hat. Er stellt fest, dass der neue Bund „nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;“ sondern irgendwie anders. Ein anderer, ein neuer Bund.

Wie bitte? Schon wieder ein neuer Bund? Erst kamen die Schöpfung und das Paradies. Es hätte alles so schön sein können, wenn der Mensch nicht das getan hätte, was ihm verboten war. Dann kam die Versündigung der Israeliten an ihresgleichen. Und weil Gott erneut entsetzt über des Menschen Tun war, gebot er Noah, eine Arche zu bauen.

Doch nach der Sintflut ging alles wieder von vorne los.

Ein paar hundert Jahre später: Nun führte Mose das Volk aus Ägyptenland, doch kaum gerettet fingen sie schon wieder an zu meckern, sich nicht an die Gebote zu halten und irrten daraufhin vierzig Jahre durch die Wüste. Wer das alte Testament liest findet alle Geschichten, in denen Israel sich gegen Gott und sein Gebot verging.

Jetzt, zu Zeiten Jeremias, ist das Volk in der Gefangenschaft in Babylon und noch immer zeigen sie kein Interesse daran, sich dauerhaft Gott zu zu wenden. Also macht Gott klar: ich werde euch noch einmal begleiten. Aber seid sicher, es wird einen neuen Bund geben in der Hoffnung, dass es dann anders läuft mit euch.

Jesus kam, die Inkarnation des neuen Bundes. Er wurde geboren als Mensch, er lebte als Mensch, er litt als Mensch und er starb als Mensch. Doch dann tat er etwas, was so überraschend war, dass es tatsächlich etwas änderte. Jesus stand auf aus dem Grab am Ostermorgen, und nach vierzig Tagen fuhr er auf in den Himmel auf. Das letzte Hindernis zwischen uns, dem zum Tod verurteilten Menschen und einem Leben auf dem Weg zu Gott wurde beseitigt. Nun lag es damals und liegt es bis heute nur noch an den Entscheidungen des Menschen. Es liegt an unserer Entscheidung.

Exaudi – hör hin, was sich hier abspielt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Bist du bereit, dich auf Gott und seinen Geist einzulassen? Bist du bereit, dich an den Geboten Gottes zu orientieren? Willst du das?

Wir Menschen sind schon seltsam. Als einziges Lebewesen in der irdischen Schöpfung haben wir die Fähigkeit, ohne Beweise zu glauben. Nur deswegen gibt es Religionen. Wir Menschen können mit „Glauben“ etwas anfangen, wenn wir WOLLEN! Und dieses Wollen beginnt mit dem Hinhören. Wollen wir hinhören? Wollen wir lauschen auf dieses Geheimnis des Glaubens? Wollen wir uns darauf einlassen, diesem ewig lebenden Wesen uns anzuhängen?

Hör hin oder lass es sein. Es geht nur das eine oder das andere. Es ist deine eigene Entscheidung. Aber wenn du hinhörst, dann geschieht etwas Seltsames in dir: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Einfach so entsteht dieser neue Bund. Einfach so nimmt Gott uns an, wie wir sind. Einfach so werden wir zu Teilen einer umfassenden Gemeinschaft, die gemeinsam diesem Wesen Gott folgt. Einfach so können wir erfüllt werden von dem Heiligen Geist. Wenn wir es wollen, dann verändert sich alles.

 Lasst uns dankbar dafür sein, dass wir uns immer weiter getrost in Gottes Hände glaubend legen können. Amen

 

Fürbittgebet

Jesus Christus, sende deinen Heiligen Geist, dass er uns erfülle mit deiner Wahrheit.

Sende deinen Heiligen Geist, dass wir die Geister unterscheiden lernen.

Sende deinen Heiligen Geist, dass er die bösen Geister vertreibe.

Sende deinen Heiligen Geist, dass wir den Mut finden, der Ungerechtigkeit zu widerstehen.

Sende deinen Heiligen Geist, dass er Glauben und Hoffnung in uns wecke.

Sende deinen Heiligen Geist, dass deine Gemeinde Heimat wird für die, die dich suchen und für die, die du suchst.

Jesus Christus, sende deinen tröstenden Geist und gehe mit uns heute und allezeit.

Und so beten wir gemeinsam mit allen Christen auf der Welt:

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Himmelfahrt

Es ist Himmelfahrt, der 21. Mai 2020. 10 Wochen haben wir keinen Gottesdienst feiern können. Wir haben uns andere Wege gesucht. Gottesdienste und Friedensandachten zum Mitnehmen, Orgelkonzert, das aus dem Kirchturm schallte, Orgelmusik an den Sonntagen zum Zuhören, manchmal sogar mit einem Segen verbunden.

 

Telefonate, Gespräche über den Gartenzaun und in den offenen Kirchen, Videoandachten und noch viel mehr. Und es wurde angenommen. Christliche Gemeinschaft entstand, wo niemand damit gerechnet hat.

 

Bei aller Sorge und Angst ist eines ganz sicher: Auch Corona geht irgendwann vorbei.

 

Psalm 47 und Mk 16

 

Jesus Christus wurde aufgehoben gen Himmel

 

und setzte sich zur Rechten Gottes.

 

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,

 

       und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

 

Denn der Herr, der Allerhöchste, ist zu fürchten,

 

       ein großer König über die ganze Erde.

 

Gott fährt auf unter Jauchzen,

 

       der Herr beim Schall der Posaune.

 

Lobsinget, lobsinget Gott,

 

       lobsinget, lobsinget unserem Könige!

 

Denn Gott ist König über die ganze Erde;

 

       lobsinget ihm mit Psalmen!

 

Jesus Christus wurde aufgehoben gen Himmel

 

und setzte sich zur Rechten Gottes.

 

 

 

Bittruf

 

Wer ist Herr in der Welt, in unserem Leben?

 

Oft meinen wir: der Zufall, das Böse, der Tod.

 

Dann werden wir traurig und bitter.

 

Unser Herz verkrampft sich, wird hart.

 

Wir brauchen Gottes Erbarmen: Herr, erbarme dich.

 

 

 

Lobpreis

 

Christus, du hast uns nicht aus den Augen verloren.

 

Du hörst unser Beten und wirst bei uns sein alle Tage.

 

Darum loben wir dich und deinen Namen: Christus, der Gesalbte, der uns allen voran gegangen ist in das Reich, das ewig ist.

 

 

 

Tagesgebet

 

Herr Jesus Christus, du bist bei Gott, dem Vater, unsere Augen können dich nicht sehen. Hilf uns, darauf zu vertrauen, dass du uns dennoch nahe bist, damit wir ohne Furcht leben können.

 

Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen

 

 

 

Schriftlesung Joh 17,20-26

 

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

 

 

 

Predigt

 

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

Seit vielen Jahren gibt es die Aktion sieben Wochen ohne, eine Aktion für die Fastenzeit. In diesem Jahr waren es zehn Wochen ohne Gottesdienst. Der Anfang lag noch mitten drin in der Fastenzeit. Und dann die Katastrophe: Ostern ohne richtige Gottesdienste. Keine Osternacht, kein Abendmahl, kein gemeinsames Osterfrühstück. Sicherlich hat vielen ganz viel gefehlt.

 

Doch Himmelfahrt ist neben Weihnachten und Ostern das größte Zeichen der Hoffnung für uns. Jesus setzte ein Zeichen. Er verdeutlichte, dass es nach all dem menschlich-irdischen Leben weiter gehen wird. Niemals allein sein, immer von Gott begleitet, so haben wir auch diese Zeit fürs erste überwunden.

 

Denn nun dürfen wir uns freuen, dass wir, so wie es jetzt aussieht, Himmelfahrt und Pfingsten und vielleicht sogar darüber hinaus Gottesdienste feiern können. Ich wage nicht vorherzusagen, ob das noch länger klappt, auch wenn wir im Kirchenvorstand einen Gottesdienstplan bis Ende Juli aufgestellt haben. Das liegt nicht in unserer Hand.

 

„Jesus Christus spricht: Ich bitte aber nicht allein für sie,“ gemeint sind die Jünger, „sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien.“

 

In diesen Zeiten brauchen wir Zuspruch. Das haben die vergangenen Wochen gezeigt. Alleine, isoliert, verlieren wir an Glauben, werden wir krank, vereinsamen. Dann geht es uns schlecht. Wie gut tut da ein Hoffnungsstrahl.

 

In Sterkelshausen werden wir heute die neuen Antependien vorstellen. Das Wort „ante“ heißt vor und pendium kommt von dem lateinischen pendere – hängen. Es ist eigentlich ein Vorhang, der den unteren Teil des Altars verhüllen sollte. Antependien sind sozusagen Altar-Schmuckvorhänge. Später, mit dem Aufkommen der Kanzeln, wurden auch für diese in Kombination mit dem Altarschmuck ein Vorhang angefertigt.

 

Die neuen Antependien in Sterkelshausen zeigen vor dem Altar ein Schiff und vor der Kanzel eine Taube. Das Schiff ist seit den Zeiten des neuen Testamentes ein Zeichen für Gemeinschaft oder Gemeinde. Immer wieder wurden Geschichten erzählt, in denen Jesus mit seinen Jüngern mit dem Boot über den See Genezareth übersetzte. Meist war das mit einem Sturm verbunden oder mit dem Wandel über das Wasser. Immer aber ging es um die Verbindung im Glauben zwischen Jesus und seinen Jüngern. Im Glauben an Jesus sollten die Jünger Vertrauen auf ihre ganz eigene Glaubensmacht finden. Ob im Sturm oder beim Seewandel, immer wieder sprach Jesus auch von Kleingläubigen, die nur wegen einem Mangel an Glauben in dieser Situation verzweifelten.

 

Die Taube ist ein Zeichen für den Heiligen Geist, aber auch für Gott höchstselber beispielsweise bei der Taufe Jesu. Ohne diesen Geist, der der Teil Gottes ist, der uns Glauben, Hoffnung und Liebe schenkt, sind wir nichts, können wir nicht Teil der christlichen Gemeinde sein.

 

Damit komme ich zurück auf das, was uns in diesen zehn Wochen ausgemacht hat: Es war die Angst, die auch die Jünger gepackt hat und der Vertrauensverlust. Es war fehlende erfahrbare Liebe, die uns durch Isolation genommen wurde. Sie war auf einmal nicht mehr erlebbar.

 

Aber es gab andererseits Dinge, die uns Kraft und Liebe und Trost geschenkt haben. Sie mögen ungewohnt gewesen sein, aber sie waren da. Da entdeckten auf einmal Menschen Andachten im Internet. Da fanden Menschen Wege in die jetzt tagsüber geöffneten Kirchen, da wurden Gottesdienste zum Mitnehmen und Weitergeben zu Worten der Hoffnung.

 

Liebe Gemeinde,

 

es ist schön sie alle zu sehen, auch wenn wir uns im Augenblick meist hinter Masken verstecken müssen. Aber es war auch schön, wenn mich so oft ein kleines Danke im Briefkasten oder auf den Altären erreichte, an Danke an Gott, an Mitmenschen, die sich kümmerten, ein Dank für ein Wort, eine Geste, einen netten Gruß. Es zeigte, dass wir bei aller Angst vor der Krankheit, bei aller Zurückgezogenheit nicht alleine waren. Das Schiff, dass von nun an den Altar in Sterkelshausen schmücken wird, es wird für uns zum Zeichen der Gemeinschaft. Und die Taube, die von nun an die Kanzel schmücken wird, wird zum Zeichen Gottes als Heiliger Geist, der stets über uns wacht und bei uns ist, ganz egal wie klein unser Glaube manches Mal sein mag.

 

So sei der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft gerade in diesen Zeiten bei uns. Amen

 

 

 

Fürbittgebet

 

Gott, Herr allen Lebens, wir danken dir dafür,

 

dass du die Weite des Alls und die bewohnte Welt

 

mit schöpferischer Kraft erfüllst

 

und mit deiner grenzenlosen Güte trägst.

 

Wir bitten dich für die Christen aller Kirchen in der Welt: Mach sie mutig, den Herrschaftsansprüchen über Welt und Menschen entgegenzutreten, der Verherrlichung von Macht und Gewalt zu widerstehen und den Bedrohungen deiner guten Schöpfung wirkungsvoll zu begegnen.

 

Wir bitten dich für unsere gefährdete und zerrissene Welt:

 

Wehre allen Mächten, die sie zerstören. Halte alle, die in Wissenschaft und Technik, in Wirtschaft und Politik arbeiten, bei ihrer Verantwortung für ein menschenwürdiges Leben fest. Gib denen, die sich für ein friedliches Miteinander der Völker und Menschen einsetzen, den unzerstörbaren Glauben an Frieden und Einheit.

 

Wir bitten dich für die Menschen, denen der Himmel verschlossen ist, deren Fragen unbeantwortet sind, denen ihr Leben leer erscheint. Lass die Gebeugten wieder aufrecht gehen, den Engherzigen nimm die Angst vor der Weite. Öffne den Rückwärtsschauenden den Blick in die Zukunft, die Zerstrittenen lass das erste Wort der Versöhnung wagen.

 

Dich loben wir, denn du erhältst deine Schöpfung,

 

befreist uns zu dir und vollendest deine Welt.

 

Und gemeinsam beten wir weiter:

 

 

 

Vater Unser

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe,

 

wie im Himmel, so auf Erden.

 

unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich

 

und die Kraft und die Herrlichkeit

 

in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Und so segne und behüte uns der haltende und tragende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMen

 

Rogate 17.05.2020

Beten – das ist bitten und danken – für mich und für andere!

 

Predigttext Mt 6,5-15

 Vom Beten. Das Vaterunser

 5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.  14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

 

Worte aus Psalm 66

 Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

 noch seine Güte von mir wendet. Halleluja.

 Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet;

 ich will erzählen, was er an mir getan hat.

 Zu ihm rief ich mit meinem Munde

 und pries ihn mit meiner Zunge.

 Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen,

 so würde der Herr nicht hören.

 Aber Gott hat mich erhört

 und gemerkt auf mein Flehen.

 Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

 noch seine Güte von mir wendet. Halleluja.

 

EG 624 Lieber Gott, ich danke dir

 1+3. Lieber Gott, ich danke dir, dass du bei mir bist,

 dass du alle Menschen liebst und mich nicht vergisst,

 dass du alle Menschen liebst und mich nicht vergisst.

 2. Dass ich mit dir sprechen kann und du hörst auf mich.

 Lieber Gott, ich danke dir, und ich lobe dich,

 Lieber Gott, ich danke dir, und ich lobe dich.

 

Gedanken

 Rogate – ein eindeutig – zweideutiger Sonntag. Denn das Wort Rogate hat zwei Bedeutungen, die alles sehr einseitig reduzieren. Rogate bedeutet sowohl beten als auch bitten. Damit wird unser Verhältnis zu Gott in eine Ecke gedrückt. Wollen wir, wollen Sie das zulassen?

 Für manchen Menschen teilen Gebete die Tage ein: Beim Aufstehen ein fröhliches Dankgebet für den guten Schlaf, eine Bitte um einen gelingenden Tag und noch ein Gedanke an die Menschen, die einem heute begegnen mögen. Der Mittag unabänderlich verbunden mit einem Tischgebet. Und der Gang ins Bett, das Erreichen der Nachtruhe ist für manchen ohne einen Tagesrückblick im Gebet kaum möglich. In allen Gebetszeiten aber ist Bitte und Dank enthalten. Wenn eines davon fehlt, dann fehlt dem Betenden etwas.

 Und dann gibt es selbstverständlich diejenigen unter uns, denen das Gebet entwichen ist, der treue Begleiter aus ihren Kindertagen. Vielleicht aber auch war die Kindheit so gestaltet, dass das Gebet ganz fehlte.

 Seit acht Wochen sammeln sich Zettel mit Sorgen, Bitten und Dank auf den Altären unserer Gemeinde. An Himmelfahrt werden wir sie in die Gottesdienste einbringen. Vielfältig sind die Wünsche, meist für andere. Besonders haben mich die vielen Danksagungen berührt.

 In Licherode haben die Kinder vom Kindergottesdienst einen Strauß auf dem Altar gestaltet – mit Dingen, die sie gerne machen möchten, wenn sie es endlich wieder dürfen. Alle diese Wünsche haben etwas mit Gemeinschaft zu tun. Zusammen spielen, singen, umarmen, rumtoben, laufen, sich freuen – Aber alles nur zusammen. Und ich glaube, beinahe täglich sind Kinder in der Kirche und legen Sorgensteine zu den Zetteln und dem Wunschstrauß.

 Eine andere Mutter aus einem anderen Dorf erzählte mir, dass ihre Tochter sich bei jedem Geläut in die Kirche gezogen fühlt. Wieder ein anderes Kind ist beinahe täglich mit der Oma in der Kirche. Instinktiv, vielleicht vom Heiligen Geist berührt, bringen diese jungen Seelen ihre Wünsche, Bitten und ihren Dank unbewusst zu Gott. Genau das meint ROGATE! Wie wunderbar wäre es, wenn auch die, denen das Gebet abhanden gekommen ist, es wieder finden würden?

Noch ein Beispiel: In jedem Gottesdienst, den wir in den Kirchen feiern, ertönt zum Vater Unser das Geläut. Es ist das Zeichen für die daheim Gebliebenen, leise oder laut mit der Gemeinde in die altbekannten Worte einzustimmen. Und auch während dieser langen Corona-Wochen waren wir täglich um 19:30 Uhr und sonntags um 10:30 Uhr eingeladen, in das gemeinsame Gebet, unsichtbar und unhörbar und doch miteinander verbunden einzustimmen.

Wie wird das werden, wenn die vielen zusätzlichen Läutezeiten wegfallen? Merkt das überhaupt jemand? Oder wird die Frage danach so laut, dass wir es, wenn wir es irgendwann abgeschafft haben, es auch wieder einführen, weil es die Menschen so wünschen?

Rogate: Betet – das heißt Bittet und Danket! Die grammatikalische Form dieses lateinischen Wortes ist eine Aufforderung in der Mehrzahl. Nein, es ist keine einfache Befehlsform, die sich an den einzelnen wendet. Nicht bete, sondern betet! Ihr alle, zuhause, auf dem Feld, in der Fabrik, in der Kirche, auf der Straße, im Urlaub und gerade in diesen Zeiten in der Isolation: Ihr alle Betet! Und denkt dabei daran, das Beten nicht nur bitten, sondern auch danken heißt.

 Ein Gedanke kommt mir noch: Wenn wir tatsächlich an das Gebet denken, und daran, dass ein Gebet Bitte und Dank bedeutet, denken wir dann auch daran, den anderen, den Nächsten, aber auch den Fernen miteinzuschließen? Wie oft vergessen wir das und bitten nur für uns?

 Aber da sind noch mehr, die Gottes Hand brauchen, in die sie sich hinein kuscheln können. Da sind noch mehr, die einen helfenden Engel brauchen, der ihnen auf Gottes seltsamen Wegen auf einmal gesendet wird. Da sind noch mehr, die uns in unserem Alltag unterstützen, helfen, manchmal offensichtlich, manchmal unscheinbar, und die wir so oft einfach übersehen.

 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, empfängt, und wer da sucht, findet; und wer da anklopft, denen wird aufgetan. (Lk 11, 9-10) So hat Jesus gepredigt. Und sicherlich hat er auch damit gemeint: Und bitte, denkt auch an den anderen und vergesst den Dank nicht.

 Nun können wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern. Das ist schön. Und doch wollen wir manches erhalten: Offene Kirchen zum Beispiel. Da wird es auch zukünftig Orte geben, die uns die Möglichkeit geben, uns im Gebet zu versammeln, alleine, zu zweit, als Paar, Familie oder Gruppe.

 Ich lade Sie ein: Nutzen Sie die Möglichkeiten, die sich Ihnen zum Gebet bieten: Die Gebetsecke zuhause, ein Spaziergang in der Natur, ein paar Minuten in der Kirche. Dann werden Sie erkennen, wie sehr Sie durch diese kurzen Gebete mit Hoffnung, Glaube und Liebe erfüllen werden. Und ich bin mir sicher, dann wird Gott uns allen ganz nahe sein. Amen

 Fürbittgebet

 In dir sein, Gott, das ist alles.

 Das ist das Ganze, das Vollkommene, das Heilende. Die leiblichen Augen schließen, die Augen des Herzens öffnen und eintauchen in deine Gegenwart.

 Ich hole mich aus aller Zerstreutheit zusammen und vertraue mich dir an. Ich lege mich in dich hinein wie in eine große Hand.

 Ich brauche nicht zu reden, damit du mich hörst. Ich brauche nicht aufzuzählen, was mir fehlt. Ich brauche dich nicht zu erinnern oder dir zu sagen, was in dieser Welt geschieht und wozu wir deine Hilfe brauchen.

 Ich will nicht den Menschen entfliehen oder ihnen ausweichen. Den Lärm und die Unrast will ich nicht hassen. Ich möchte sie in mein Schweigen aufnehmen und für dich bereit sein.

 Stellvertretend möchte ich schweigen für die Eiligen, die Zerstreuten, die Lärmenden. Stellvertretend für alle, die keine Zeit haben. Mit allen Sinnen und Gedanken warte ich, bis du da bist.

 In dir sein, Gott, das ist alles, was ich mir erbitte. Damit habe ich alles erbeten, was ich brauche für Zeit und Ewigkeit.

  So beten wir auch in diesen Zeiten einsam und doch gemeinsam:

 Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

 Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

 Unser tägliches Brot gib uns heute.

 Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

 Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Kantate 10.05.2020

Kantate – Singet dem Herrn ein neues Lied, aber bitte leise!

 

Predigttext: 2.Chr 5,2-5 und 12-14

 

Einweihung des Tempels

 

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird.

 

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

 

12 Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Gelobt sei unser Gott. Halleluja

 

Worte aus Psalm 98

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Halleluja.

 

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

 

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

 

Der Herr lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

 

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

 

Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

 

Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

 

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!

 

Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

 

Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

 

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Halleluja.

 

Gedanken

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Gemeinde,

 

eben noch waren wir mitten in der Fastenzeit und jetzt sind wir schon fast am Ende der Osterzeit. Seit Corona uns im Griff hat, ergreift mich das Gefühl, dass an jedem Tag neue Veränderungen des Miteinanders kommen. Die Zeit scheint rasend an mir vorbei zu ziehen. Jeden Tag neue Rundverfügungen, Anordnungen, Ausführungsbestimmungen. Alles Dinge, die zu lesen sind. Und für jeden Text muss ich nachdenken, was müssen wir berücksichtigen, was ist für uns wichtig, was können wir getrost an die Seite legen. Ja, es ist eine wahrhaft hektische Zeit.

 

Aber Ihnen geht es vielleicht ganz anders. Tage- oder wochenlang sind Sie jetzt zu Hause isoliert. Wenn Sie mal an die frische Luft gehen, durchs Dorf schleichen, um nach der Nachbarin oder dem Nachbarn zu sehen oder vielleicht sogar Einkaufen fahren, schlagen Kinder, Freunde, Pfarrer und andere entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Dabei gehen Ihnen mittlerweile doch nur die Ideen aus, mit was sie sich beschäftigen können. Sie wollen doch nur Normalität, Menschen als Gegenüber.

 

Früher war diese Zeit Anfang Mai eine Zeit des Aufbruchs. Die meisten Konfirmationen waren vorbei, die langen Wochenenden im Mai und Juni luden ein zu Familientreffen, Kurzreisen und netten Feiern. Die Berufstätigen konnten mit wenigen Tagen Einsatz deutlich länger Urlaub machen. Und das soll nun, wenn auch nur in engem Rahmen, wieder möglich sein. Wir könnten laut vor Freude singen, wenn wir es doch nur dürften. Aber wir dürfen nicht. Ja, wir sollen noch nicht einmal singen, wo wir doch endlich Gottesdienste feiern dürfen. Ist das nicht ungerecht?

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Ps 98,1) So lautet der Wochenspruch für die Kantate-Woche. Doch wir sollen nicht singen, zumindest nicht laut. Ich habe da für mich etwas Neues entdeckt. Ich summe vor mich hin. Wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe und die Blumen bewundere, wenn ich in den letzten Tagen aus dem Fenster schaute und mich mach der langen Trockenheit am Regen erfreute oder nun an der Sonne, die das Nass des Regens in Segen verwandelt, wenn ich ein Buch zur Hand nehme, dass ich schon lange lesen wollte, dann summe ich eine Melodie. Und ich tue das zum Lob Gottes. Denn ich merke, bei allem Leid darf ich dennoch Gottes Schöpfung genießen.

 

In den letzten Wochen hat unsere Organistin Sigrid Reinhard angefangen, immer mal wieder Orgel in unseren Kirchen zu spielen. Einige kamen dann auch um zuzuhören. Selbstverständlich nur mit dem nötigen Abstand und bitte, wenn irgend möglich, auch mit MNB, Mund-Nase-Bedeckung, wie das offiziell heißt. Aber so oder so, es tut gut, mal nur so eine Stunde oder auch nur ein paar Minuten in einer Kirche beim Orgelspiel zu sitzen, den Text im Kopf, und bitte nur im Kopf, mitzusingen und dabei langsam runter zu kommen.

 

Spätestens bei der Nummer 501, Wie lieblich ist der Maien, merke ich: ich darf das Gute sehen, was um mich herum passiert. Das ist für mich das Zeichen für die kommende Woche. Es gibt auch das Schöne, das Wunderbare. Darum darf ich leise vor mich hin summen gerade in diesen Zeiten.

 

Guter Gott, so sagt es leise in mir drin, ich danke dir, dass ich all das sehen und erleben darf, trotz dem Schlechten, was auch da ist.

 

Ich lade Sie ein, es mitzutun und ein Lied vor sich hinzusummen. Das geht sogar mit MNB. Und zur Anregung hier der Text von diesem wunderbaren Mailied:

 

EG 501 Wie lieblich ist der Maien

 

1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

 

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

 

Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,

 

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

 

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!

 

Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.

 

Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;

 

drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloss’.

 

3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,

 

damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,

 

die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,

 

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

 

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein

 

und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;

 

die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,

 

damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

 

Text: Martin Behm (1604) 1606 Melodie: Johann Steurlein 1575; geistlich Nürnberg 1581

 

Fürbittgebet

 

Du guter und lebendiger Gott, der du uns jedes Jahr aufs Neue dieses Wunder des Wachstums, des Grünens und Blühens schenkst, wir bitten dich heute für uns alle, deine Menschen:

 

Da sind die, die vor lauter Arbeit kaum noch ein oder aus wissen. Die, die im Pflegedienst arbeiten oder bei den Einsatzkräften wie Rotes Kreuz, Feuerwehr und Polizei:

 

Sei du bei ihnen und schenke ihnen Kraft, ihr Werk zu tun, Weisheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen und den liebevollen Blick auf den Nächsten.

 

Da sind die, die sich immer noch nicht trauen oder trauen dürfen, ihre Kinder, Enkel und Urenkel zu sehen, ihre sterbenden Angehörigen zu begleiten, nicht nur aus Angst vor diesem Virus, sondern auch, weil es uns von Staats wegen dringend empfohlen wird.

 

Sei du bei ihnen und schenke ihnen Geduld mit sich, dem Leben und den Menschen um sie herum. Lass sie ertragen, was ihnen gerade auferlegt wird und gib ihnen die Freude, sich auf das Schöne zu freuen, was noch kommen wird.

 

Und dann sind da die Kinder und Jugendlichen, die sich nie hatten vorstellen können, dass man sich auf Schule freuen könnte. Die sehnsüchtig darauf warten, dass sie endlich die Freunde, die Klassen- und Sportkameraden wiedersehen können.

Gib ihnen, auch wenn sie noch jung sind, die Weisheit und den Mut, gut und sorgsam mit sich und den anderen umzugehen, damit niemand einem Risiko zu viel ausgesetzt wird.

 

Und so beten wir gemeinsam mit allen, die sich in dem Glauben an Jesus Christus verbunden fühlen:

 

Vater Unser im Himmel,

 

geheiligt werde dein Name,

 

dein Reich komme,

 

dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.


Jubilate 03.05.2020

Jubilate – Jubelt! Jubelt die Angst weg!

 

Predigttext Joh 15,1-8

 Der wahre Weinstock

 15 1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

  Aus Psalm 66

 Jauchzet Gott, alle Lande; lobsinget zur Ehre seines Namens;

 rühmet ihn herrlich! Halleluja.

 Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

 Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

 Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

 Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

 der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

 Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

 sie gingen zu Fuß durch den Strom;

 dort wollen wir uns seiner freuen.

 Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

 seine Augen schauen auf die Völker.

 Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

 Lobet, ihr Völker, unseren Gott,

 lasst seinen Ruhm weit erschallen,

 der unsere Seelen am Leben erhält

 und lässt unsere Füße nicht gleiten.

 Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert,

 wie das Silber geläutert wird;

 du hast uns in den Turm werfen lassen,

 du hast auf unsern Rücken eine Last gelegt,

 du hast Menschen über unser Haupt fahren lassen,

 wir sind in Feuer und Wasser gekommen.

 Aber du hast uns herausgeführt und erquickt.

 Jauchzet Gott, alle Lande; lobsinget zur Ehre seines Namens;

 rühmet ihn herrlich! Halleluja.

      EG 432 Gott gab uns Atem, damit wir leben

 1. Gott gab uns Atem, damit wir leben.

 Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

 Gott hat uns diese Erde gegeben,

 dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 Gott hat uns diese Erde gegeben,

 dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören.

 Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

 Gott will nicht diese Erde zerstören.

 Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 Gott will nicht diese Erde zerstören.

 Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln.

 Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

 Gott will mit uns die Erde verwandeln.

 Wir können neu ins Leben gehn.

 Gott will mit uns die Erde verwandeln.

 Wir können neu ins Leben gehn.

  Gedanken

 Wer denkt denn daran, dass der heutige Predigttext im Jahr 2011 Pate stand, als die Frage geklärt werden musste, wie denn die neu zusammen geschlossene Kirchengemeinde heißen sollte. Haben wir etwas Einmaliges? Das war die Frage, und die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher erinnerten sich an die Trauben am Kirchenhimmel in Oberellenbach. Damals noch weiß strahlen sie heute nach der Sanierung in tiefem blau mit grünen Blättern und goldenen Sternen auf grauem Grund.

 Als wir soweit waren mit den Sanierungsarbeiten, dass wir die Kirche wieder nutzen konnten, da waren viele froh, sehr froh sogar. Und jeder dachte, es ginge nun zügig weiter. Aber Irrtum, der Jubel war noch nicht ganz verhallt, da mussten wir feststellen, dass das alles doch nicht so schnell ging und gehen wird, wie erhofft. Noch wartet das Außengelände und die Wehrmauer auf die Instandsetzung. Aber in kleinen, leisen Schritten geht es weiter.

 Das gilt übrigens auch für die anderen Kirchen. Lange hat Sterkelshausen auf die neuen Antependien sparen und dann warten müssen. Und jetzt liegen sie im Pfarrhaus und warten auf den ersten Gottesdienst in Sterkelshausen, um sie endlich aufhängen zu können. Auch der barrierefreie Zugang hat lange gebraucht, aber nun scheint er doch in diesem Jahr noch was zu werden.

 Die Diskussionen um den Eingang in Licherode laufen im Hintergrund. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Es bleibt hartnäckig zu sein und gelegentlich müssen wir auch mal um Erleuchtung und einen Anstoß beten.

 In Niederellenbach soll es eine mobile Rampe geben und eine Außenbeleuchtung bis zum Friedhof. Auch sie wird kommen, vielleicht nicht so rasch wie erhofft, dafür aber umso sicherer. Also jubelt ruhig. Dazu lädt dieser Sonntag Jubilate ein.

 Nein? Wir haben Corona, da haben wir nix zum Jubeln? Das möchte ich nicht glauben. Es wird wieder Gottesdienste geben, echte, keine auf dem Bildschirm. Die zuletzt genannten brauchen wir noch für die, die nicht mehr in die Kirche gehen können, aber auch, weil die echten vielleicht noch ein bisschen brauchen werden. Es werden Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Desinfektionsmittel, Masken vor dem Gesicht, Abstand zum anderen: das ist alles sehr unschön. Und doch dürfen uns diese kleinen Schritte jubeln lassen.

 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

 So heißt es im Predigttext. Da steht nicht, dass alles sofort passiert. Da steht auch nicht, dass jeder von uns alles erleben wird. Dafür steckt die Gewissheit drin, dass wir, was auch immer wir bitten, nicht alleine sind.

 Als unsere Gemeinde nach dieser Bibelstelle und den Weinreben an unserem Kirchenhimmel Johanneskirchengemeinde genannt wurde, da, so glaube ich, geschah das in der Überzeugung, dass wir, egal was auch kommen mag, niemals alleine sein werden. Und gerade heute erinnern uns unsere Namen und die Weinreben daran, dass wir stehts zusammen sind. Auch wenn wir in unseren Häusern manche Zeit in Isolation verbracht haben, so gibt es doch Telefone, Emails, Handys und manchmal sogar einfach offene Fenster und Türen.

Sie können sich kaum vorstellen, wie sehr ich mich freue, wenn mich mal jemand anruft und sagt: herzlichen Dank für die Gottesdienste zum Mitnehmen, für die offenen Kirchen, für Geburtstagsgeschenke vor der Tür, für manches Gespräch auf der Straße, an der Tür oder am offenen Fenster.

 Und nicht nur Sie sind dafür dankbar, sondern ich auch. Dann merke ich sehr genau, dass wir nicht alleine sind, sondern dass es uns gut gehen darf miteinander und mit Gott – Corona zum Trotz.

 Und so wie wir gerade darüber nachdenken, wie wir die ersten Gottesdienste wieder zulassen können, ohne dass jemand gefährdet ist, so werden wir auch wieder völlig normale Zeiten erleben. Wir werden wieder zusammen feiern, den Grill anwerfen, uns den Kuchen schmecken lassen, Musik von Kirchenchor, Band und Orgel hören, zusammen singen und uns mit einem Lächeln im Gesicht und einer Träne im Auge in die Arme fallen.

 Das glauben wir und darauf vertrauen wir, gerade heute, gerade an Jubilate. Amen

 Wir beten:

 Guter Gott, es ist eine schwierige Zeit. Voll Sehnsucht hoffen wir auf Normalität und auf ein Zurück zu alten Gewohnheiten. Die Gesunden sehen noch immer im Fernsehen die Bilder von den Kranken. Die Enkel haben noch immer Angst um ihre Großeltern, die Eltern um ihre Kinder.

 Darum bitten wir dich: Sei du bei uns, wie du versprochen hast. Nimm die Sorgen und Ängste an, die die Menschen auf ihren Seelen tragen. Höre unsere Bitten und lass sie nicht einfach verklingen. Begleite die Menschen überall auf der Welt, die Kleinen und Großen, die Jungen und Alten, die Gesunden und Kranken, wie auch immer ihr Weg aussehen mag.

 Und alles, was uns bedrückt, legen wir in die Worte unseres Herrn Jesus Christus:

 Vater unser im Himmel

 Geheiligt werde dein Name

 Dein Reich komme

 Dein Wille geschehe

 Wie im Himmel so auf Erden

 Unser tägliches Brot gib uns heute

 Und vergib uns unsere Schuld

 Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 Und führe uns nicht in Versuchung

 Sondern erlöse uns von dem Bösen

 Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen

 Und so segne und behüte uns unser dreieiniger Gott selbst in unserer Trauer und unserer Angst, aber auch in unserer Hoffnung, der Vater der Sohn und der Heilige Geist. Amen


Misericordias domini 26.04.2020

Barmherzigkeit Gottes – Barmherzigkeit unter uns

 

Predigttext 1.Petr 2,21-25

 

21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

 

 

Lk 1,50 - Psalm 23

 

Die Barmherzigkeit des Herrn währet für und für

 

bei denen, die ihn fürchten. Halleluja.

 

 

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

 

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

 

Er erquicket meine Seele;

 

er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

 

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;

 

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

 

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

 

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

 

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

 

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

 

 

Die Barmherzigkeit des Herrn währet für und für

 

bei denen, die ihn fürchten. Halleluja.

 

 

 

Gedanken

 

Die Strophen stammen aus dem Lied EG 97 Holz auf Jesu Schultern

 

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

 

An diesem und den folgenden Wochenenden wurden in normalen Zeiten in vielen Gemeinden Konfirmationen gefeiert. Junge Menschen bekannten sich landauf – landab zum Glauben an den, der am Karfreitag ans Kreuz gegangen und Ostersonntag auferstanden war. Aber halt nur in normalen Zeiten.

 

Doch wir haben in diesem Jahr Corona-Zeiten. Konfirmationen sind abgesagt, Feste, Konzerte, Sportveranstaltungen, alles ist Corona zum Opfer gefallen. Aber ist die Sichtweise richtig? Ist es wirklich ein Opfer? Oder werden wir gerade an diesem Sonntag geerdet, auf das hingewiesen, was wir vielleicht vergessen haben?

 

 

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

 

Der zweite Sonntag nach Ostern ist seit jeher der Hirtensonntag. Die Geschichte von Jesus als gutem Hirten steht im Mittelpunkt. Und auch der Psalm 23, der mit den Worten „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ beginnt, fällt uns dazu wieder ein. Doch höre ich so manches Mal die zweifelnden Fragen: Wo ist er denn nun, unser guter Hirte? Wieso mangelt es so vielen zurzeit an Gesundheit? Warum dürfen wir nicht unter dem Dach von Kirche und Familie das Glaubensbekenntnis der Konfirmandinnen und Konfirmanden feiern? Schwierige Fragen, die zu beantworten uns schwerfällt. Die Antwort kann nur heißen: Weil eine Krankheit rund um den Erdball läuft, die vor keiner Grenze, vor keinem Volk, vor keiner Familie halt macht.

 

 

 

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

 

Dann spricht jemand: Aus meiner Familie ist niemand betroffen. Wir können doch eigentlich feiern. Warum werden wir bestraft wie alle anderen? Wir haben doch gar nichts gemacht. Wir sollten doch feiern können.

 

 

5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

 

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

 

Dieses egoistische Denken hat uns lange fest im Griff gehalten. Immer war nur das „ICH“ im Vordergrund. Nur eine Minderheit kümmerte sich um Flüchtlinge, Alleinstehende, Alte und Sozialhilfeempfänger. Doch nun beginnen wir langsam, anders zu denken. Wir müssen als Weltgemeinschaft, als Menschheit denken. Die Egoisten, die die Schuld immer bei anderen suchen, sollen einen neuen Weg gehen. Die Menschen, die nur ihr eigenes Hab und Gut in den Mittelpunkt stellen, finden hoffentlich zu einem neuen Blick. Und die, denen die Gemeinschaft so wichtig ist, finden Schwestern und Brüder, die mit ihnen gehen.

 

Am Ende des Predigttextes für diesen Sonntag steht folgender Satz: „Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.“ (1. Petr. 2,25)

 

Ostern liegt hinter uns, Himmelfahrt und Pfingsten liegen vor uns und auf die Konfirmationen müssen wir noch warten. Aber wir haben immer noch die Möglichkeit, gerade jetzt, wo die richtigen Wege im Miteinander gesucht werden, erfüllt von Nächstenliebe und Zuneigung zu unserem göttlichen Hirten sorgsam mit- und füreinander umzugehen.

 

Misericordias Domini: Die Barmherzigkeit unseres Herrn wurde am Kreuz überdeutlich sichtbar. Sind wir bereit, den Weg, den Jesus gegangen ist, mitzugehen? Sind wir bereit, uns vorbehaltlos für den anderen einzusetzen? Wollen wir endlich umsetzen, dass alle gleich sind? Wollen wir weg vom „immer Mehr“ hin zu einem „alle sind gleich und privater Besitz zählt nichts“?

 

Das hört sich so unsagbar schwer an. Aber jetzt haben wir die Chance, andere Wege zu gestalten, neue Perspektiven zu entwickeln. Das müssen wir laut tun, damit uns auch diejenigen hören, die in Politik, Wirtschaft und den Leitungsebenen das Sagen haben. Lassen Sie uns rufen, denn dann werden wir gemeinsam auch diese weltumspannende Krise überwinden.

 

Und der Friede Gottes, der größer ist als all das, was sich Menschen ausdenken können, sei mit uns allen. Amen

 

 

Wir beten:

 

Guter Gott, es ist eine schwierige Zeit. Voll Sehnsucht hoffen wir auf Normalität und auf ein zurück zu alten Gewohnheiten. Die Gesunden sehen in ihrer Isolation im Fernsehen die Bilder von den Kranken. Die Enkel haben Angst um ihre Großeltern, die Eltern um ihre Kinder.

 

Darum bitten wir dich: Sei du bei uns, wie du versprochen hast. Nimm die Sorgen und Ängste an, die die Menschen auf ihren Seelen tragen. Begleite die Menschen überall auf der Welt, die Kleinen und Großen, die Jungen und Alten, die Gesunden und Kranken, wie auch immer ihr Weg aussehen mag.

 

Und alles, was uns bedrückt, legen wir in die Worte unseres Herrn Jesus Christus:

 

Vater unser im Himmel

 

Geheiligt werde dein Name

 

Dein Reich komme

 

Dein Wille geschehe

 

Wie im Himmel so auf Erden

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

Und vergib uns unsere Schuld

 

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

 

Und führe uns nicht in Versuchung

 

Sondern erlöse uns von dem Bösen

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen

 

Und so segne und behüte uns unser dreieiniger Gott selbst in unserer Trauer und unserer Angst, aber auch in unserer Hoffnung, der Vater der Sohn und der Heilige Geist. Amen

 


Quasimodogeniti 19.04.2020

Werden uns Flügel wachsen und werden wir mit neuer Kraft die Zukunft bestehen?

 

 

Predigttext Jes 40,26-31

 

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

 

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?

 

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

 

29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.

 

30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;

 

31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Worte aus Psalm 116

 

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen. Halleluja.

 

 

Das ist mir lieb,

 

dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.

 

Denn er neigte sein Ohr zu mir;

 

darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

 

Stricke des Todes hatten mich umfangen,

 

des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

 

ich kam in Jammer und Not.

 

Aber ich rief an den Namen des Herrn:

 

Ach, Herr, errette mich!

 

Der Herr ist gnädig und gerecht,

 

und unser Gott ist barmherzig.

 

Der Herr behütet die Unmündigen;

 

wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

 

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

 

denn der Herr tut dir Gutes.

 

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

 

mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

 

 

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen. Halleluja.

 

Gedanken

 

Wenn wir uns umschauen, stellen wir fest, wie sehr sich die Welt unter Corona krümmt und windet. Ich höre das Ächzen und Stöhnen der Kranken und der Isolierten. Ich sehe die Tränen in den Augen derjenigen, die unter Trennung, Quarantäne, Krankheit und Tod leiden. Und es stellt sich mir die Frage: Wird die Welt, werden wir lernen, dass wir etwas ändern müssen? Wird die Bereitschaft wachsen, etwas ändern zu wollen? Und wenn ja, was wollen wir ändern?

 

In Kirchenkreisen laufen die Diskussionen um eine Ausweitung der Digitalisierung. In aller Munde sind Videoandachten auf Facebook und Youtube, digitale Gottesdienste auf Google-Drive und anderen Clouds. Alleine die Wortwahl macht mir Angst. Ich kann mir eine deutliche Ausweitung der Gottesdienste am Bildschirm nicht vorstellen. Und doch brauchen wir solche Formate. Das ist unbestritten. Aber muss jeder Dorfpfarrer zukünftig seine Gottesdienste in Bild und Ton ins Netz stellen? Das ist eine Frage in den aktuellen Diskussionen. Eine andere lautet: Darf es Gottesdienste in unseren Kirchen geben und wenn ja, mit wieviel Personen?

 

In den letzten Jahren nahmen die Gottesdienstbesucher rapide ab. Immer mehr Menschen sind ausgetreten, auch in unseren Dörfern. Die Gottesdienste zum Mitnehmen bleiben in manchen Kirchen liegen. Das ist traurig, aber wahr.

 

Jemand sagte zu mir: ich habe es noch nicht geschafft, in die Kirche zu gehen, seit sie offen ist. Frust macht sich in mir breit. In Ihnen auch, wenn Sie diese Worte lesen?

 

Und dann kommt diese Botschaft Gottes daher, die im Buch des Propheten Jesaja weitergegeben wird: Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass ihnen Flügel wachsen wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Wer aufmerksam gelesen hat, dem ist es aufgefallen: dass ihnen Flügel wachsen wie Adler! So lautet die korrekte Übersetzung. Wie schön wäre das, wenn uns Flügel wachsen würden. Dieser Satz bedeutet, dass wir mutig werden, Angst überwinden, Schritte in eine neue, eine andere Zukunft wagen.

 

Die wird auch digital sein, Mensch von Mensch getrennt kommunizieren wir über Bildschirm, Mikrophon und Lautsprecher. Das heißt dann „Videokonferenz“. Das wird ein Teil unserer Zukunft sein. Aber noch viel wichtiger ist es, so finde ich, dass wir aufeinander zugehen, dass wir Hände reichen, Kontakte suchen und um Gebet ganz hautnah vereint sind.

 

„Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber“. Ja, wir glauben, wir brauchen keinen Gott für unser Alltagsgeschäft. Schneller, höher, weiter, mein Haus, mein Auto usw.; dass sind die Maßstäbe, an denen wir uns ausrichten. Doch der Sonntag Quasimodogeniti hält anderes für uns bereit.

 

„Wie eben erst geboren“ heißt dieser Sonntag übersetzt. Es ist der Sonntag des Neuanfangs. Ostern liegt hinter uns und mittlerweile hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass Jesus auferstanden ist. Etwas Neues ist geworden – aus dem Tod zum Leben.

 

Jetzt diskutieren wir darüber, ab wann wir wieder was dürfen. Wir wollen raus aus der Isolation, aus der Vereinsamung, aus der Trennung. Sind wir bereit, tatsächlich neues zu wagen?

 

Dieser Sonntag macht Mut, neues anzufangen, zu durchdenken, wie unser Zusammenleben besser sein kann, wie wir die Schöpfung, unseren Lebensraum besser erhalten können.

 

Lasst uns neue Ideen entwickeln, lasst sie uns laut denken, sagen und wagen. Nur dann kann sich etwas verändern. Lasst uns zurück kehren zu den Wurzeln unseres Zusammenlebens, friedlich, fürsorgend, gemeinschaftlich. Dann werden auch uns Flügel wachsen und das Wort Gottes gibt uns neue Kraft. Amen

 

 

Fürbittgebet und Vater Unser

 

Guter Gott, wir sind in Angst und Sorge in dieser Zeit. Und doch sehnen wir uns nach dem zurück, was vorher war – mit allen Sonnen- und Schattenseiten.

 

Doch du Gott machst uns ein Angebot: Du willst uns befreien, du willst uns helfen, retten und trösten.

 

Darum bitten wir dich: Sei unser Halt in Leiden und Gefahren, dass wir uns nicht auf uns selbst verlassen, auf irdische Güter und menschlichen Besitz, sondern von dir bitten und erwarten, was du uns geben willst: Mut zum Leben und die Bereitschaft, miteinander einen echten Neuanfang zu wagen.

 

Und so beten wir gemeinsam:

 

Vater Unser im Himmel,

 

geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe,

 

wie im Himmel so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute

 

und vergib uns unsere Schuld,

 

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem bösen,

 

denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 


Karfreitag 10.04.2020

Besonders in schweren Zeiten sind wir Botschafter an Christi statt

 

 

2. Kor 5,14-21

 

14 Denn die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, dass, wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. 15 Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 16 Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. 17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

 

18 Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

 

20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

 

21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Worte aus Psalm 22

 

Du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

 

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,

 

und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

 

Aber du bist heilig,

 

der du thronst über den Lobgesängen Israels.

 

Unsere Väter hofften auf dich;

 

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

 

Zu dir schrien sie und wurden errettet,

 

sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

 

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,

 

ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

 

Alle, die mich sehen, verspotten mich,

 

sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

 

“Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus

 

und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.“

 

Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;

 

du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.

 

Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,

 

du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

 

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

 

denn es ist hier kein Helfer.

 

Du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 

 

Gedanken

 

 

Wir sind Botschafter an Christi statt. So lautet die Feststellung im diesjährigen Predigttext an Karfreitag. Lasst euch versöhnen mit Gott. Aber was für eine Botschaft ist das? Das sollen wir weitergeben? Und vor allem: Warum gerade wir?

 

Paulus wirft in seinem 2. Brief an die Korinther nicht nur einen Blick zurück auf das Leiden und Sterben Jesu, sondern auch nach vorne auf das, was sich daraus entwickelt hat. Jesus ist nicht gestorben, so können wir den ersten Absatz übertragen, weil Gott ein Opfer für unsere Sünden verlangte, sondern um uns Menschen nicht nur im Leben, sondern auch im Leiden gleich zu werden.

 

Gerade in diesen schweren Tagen, wo viele Angst vor dieser gemeinen, unheimlichen und rücksichtslosen Krankheit haben, wird uns deutlich, dass Jesus genauso gelitten hat. Sein Leiden hat uns mit ihm ganz eng verbunden. Und durch sein Sterben hat der endgültige Tod für uns ein Ende gefunden. Paulus hat diesen wirklich schwierigen Sachverhalt in einen wunderbaren Satz gegossen: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

 

Das ist die Botschaft, die wir in diesen Tagen des weltweiten Leidens weitergeben sollen. Neues ist geworden. Egal wie lange es dauern wird, bis wir das gute Ende erreichen, wir dürfen uns in unserem Glauben in der Sicherheit wiegen, dass es ein DANACH geben wird.

 

Aber warum denn nun gerade wir? Und damit meine ich die ganz normalen Menschen. Für die Botschaft sind doch die ausgebildeten Botschafter zuständig: Die Theologen, die Pfarrer und Priester, die Diakone, die Bischöfinnen und Bischöfe und wer sonst noch was in Sachen Glauben und Religion zu sagen hat.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, das ist ein Irrtum. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Das sind die Worte von Paulus. Hier steckt die Antwort auf die Frage: „Warum gerade wir?“ drin!

 

Wenn wir von Jesus sprechen, dann sprechen wir von Gott. Und wenn wir vom Heiligen Geist reden, dann meinen wir ebenfalls Gott. Und auch Gott als Vater, als Schöpfer ist Gott. Wenn wir also heute, am Karfreitag, an Jesu Kreuzigung denken, dann ist das Gott, der da ans Kreuz gegangen ist. Er hat es getan als ein Zeichen der Versöhnung mit uns, seinen Menschen, den Lebenden und den Toten. „Was auch immer ihr getan habt: Eure Schuld ist euch vergeben. Sie wird euch nicht angerechnet. Ich, Gott, bin genauso Mensch geworden wie ihr. Das ist mein Zeichen der Versöhnung mit euch.“ So können wir uns seine Versöhnung mit uns vorstellen.

 

Versöhnt mit Gott heißt aber auch, als Freund und Freundin, als Schwester und Bruder ihm zur Seite zu stehen und ihn nach außen zu vertreten. Wir alle sind aufgefordert, von der Versöhnungstat Gottes am Kreuz zu erzählen, denn wir alle sind seine Botschafter.

 

So hoffe ich, dass es uns gelingen mag, die Botschaft der Versöhnung mit Gott weiter zu geben. Amen

 

Fürbittgebet von unserer Bischöfin, Frau Dr. Hofmann:

 

Lebendiger Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die in diesen Tagen von Sorgen und Angst gequält sind:

sei du ihnen nahe, schenk ihnen Gelassenheit und Vertrauen auf dich.

Wir bitten dich für alle, die unter Einsamkeit leiden, weil sie zuhause bleiben müssen und keiner zu Besuch kommt: schenk ihnen Menschen, die auf andere Weise zeigen, dass sie da sind und sich kümmern.

Wir bitten dich für alle, die krank sind: behüte und begleite sie, sei ihnen nahe in schwierigen Momenten und stärke sie im Ringen um ihre Gesundheit.

Wir bitten dich für alle, die sich um Kranke kümmern: gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung.

Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen und jetzt schwierige Entscheidungen treffen müssen: schenk ihnen Besonnenheit, Augenmaß und Mut.

Gott, wir bitten dich auch für alle, die jetzt nicht in einem sicheren Zuhause und gut versorgt sind, die auf der Flucht sind oder auf der Straße leben, die keine Krankenversicherung oder keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben: hilf uns, sie und ihr Leiden nicht zu vergessen, und lass uns Wege zur Hilfe für sie finden.

Gott, du bewahrst uns im Leben und im Sterben. Dir vertrauen wir uns und unsere Lieben an. Bleibe bei uns. Amen.

 Segen

 Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

Altäre zu Karfeitag 2020 in der Johanneskirchengemeinde


Gründonnerstag, 05.04.2020

Es ist Zeit zu leben, solange noch Zeit ist!

 

Predigttext: Mk 14,1-9

 

1 Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten. 2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

 

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

 

 

 

Worte aus Psalm 69

 

Sei mit nahe, denn mir ist angst

 

Gott, hilf mir!

 

Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

 

Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;

 

ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

 

Ich habe mich müde geschrien,

 

mein Hals ist heiser.

 

Meine Augen sind trübe geworden,

 

weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

 

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;

 

Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

 

Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke,

 

dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,

 

und aus den tiefen Wassern;

 

dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge

 

und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

 

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;

 

wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

 

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,

 

denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

 

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

 

Gott, deine Hilfe schütze mich!

 

Gedanken

 

Der Tag ist gelaufen. Endlich kehrt etwas Ruhe ein. Da war heute Morgen der bombastische Einzug in Jerusalem.  Das Volk feiert ihn, Jesus, wie er da so vorneweg ritt, auf einem Esel.

 

Doch schon kurze Zeit später sah es ganz anders aus. Aufruhr im Tempel. Er jagte die Händler und Geldwechsler hinaus. Mancher freute sich über diesen Gewaltakt, andere waren sprachlos oder schockiert.

 

Am Nachmittag dann predigte er allen, die ihn hören wollten. Stundenlang erzählt er Gleichnisse und zwischendurch immer wieder Andeutungen über sein bevorstehendes Ende. Die Jünger stehen dabei und können es nicht glauben.

 

Und nun liegen sie in Ruhe zu Tisch, nur die Männer, so wie es Sitte ist bei den Juden. Die Frauen und das Gesinde sind in den Küchenräumen. Keiner stört.

 

Doch dann, auf einmal, kommt diese Frau herein. Wer hat sie reingelassen? Jeder schaut den anderen an. Wer war es? Wie obszön. Eine Dirne, eine Prostituierte steht auf einmal mitten unter ihnen. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, holt sie eine Flasche teures Salböl heraus und salbt damit Jesus. Was soll das? Hat sie den Verstand verloren? Sie hätten das Öl verkaufen und das Geld den Armen geben können. Doch Jesus sagt: Sie hat mir etwas Gutes getan. Dankbar nehme ich diese Tat an. Die Armen habt ihr auch später noch, aber mich, den diese Frau zu seiner Beerdigung gesalbt hat, mich habt ihr nur noch kurze Zeit.

 

Dankbar annehmen, das können die wenigsten. Einfach so eine Wohltat genießen, das fällt uns so schwer. Da kommt einer und sagt: ich bringe dir deinen Einkauf mit. Ein anderer kümmert sich um Wäsche, Garten, Hund. Das hinzunehmen fällt schwer.

 

Eisern halten wir uns an das, was wir kennen. So waren auch die Jünger. Dieser Liebesbeweis, den diese Frau da zeigt, der war für diese Männer nicht nachvollziehbar. Es war ein einziger riesengroßer Verstoß gegen alle guten Sitten und Gebräuche.

 

In den letzten Tagen denke ich viel darüber nach, was denn nach Corona kommen soll. Ist dann endlich Zeit zu leben? Ist es Zeit, dass sich unser Leben grundsätzlich ändert?

 

Ich bin mir sicher, die Jünger dachten nicht darüber nach, was nach dem Tod Jesu passieren sollte. Es war so unrealistisch.

 

Werden wir in der Lage sein, unser System zu ändern? Werden wir bereit sein, grundlegend darüber nachzudenken, wie wir uns menschlicher und weniger auf Geld und Macht fixiert verhalten? Wird einer mutig genug sein, um zu sagen, was alles schief läuft und dass es auch anders gehen kann, ganz ohne das Anhäufen von irdischen Reichtümern?

 

Ich glaube, wir können das, im Kleinen wie im Großen. Es geht durchaus, sich von dem Althergebrachten zu entfernen. Wir müssen nicht eisern an allem festhalten, nur weil es „schon immer“ so war. Wir brauchen nur mutig dem Beispiel dieser Frau und Jesus zu folgen. Annehmen, was geschenkt wird, bereit sein, Veränderungen zuzulassen, und dann offen und ehrlich miteinander leben. Lassen Sie uns miteinander unsere Ängste tragen und nicht die Augen verschließen, dann wird sicher alles gut.

 

Amen

 

 

Fürbittgebet von Bischöfin Dr. Beate Hofmann:

Lebendiger Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die in diesen Tagen von Sorgen und Angst gequält sind:  sei du ihnen nahe, schenk ihnen Gelassenheit und Vertrauen auf dich.

 Wir bitten dich für alle, die unter Einsamkeit leiden, weil sie zuhause bleiben müssen und keiner zu Besuch kommt:

 schenk ihnen Menschen, die auf andere Weise zeigen, dass sie da sind und sich kümmern.

 Wir bitten dich für alle, die krank sind: behüte und begleite sie, sei ihnen nahe in schwierigen Momenten und stärke sie im Ringen um ihre Gesundheit.

 Wir bitten dich für alle, die sich um Kranke kümmern: gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung.

 Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen und jetzt schwierige Entscheidungen treffen müssen: schenk ihnen Besonnenheit, Augenmaß und Mut.

 Gott, wir bitten dich auch für alle, die jetzt nicht in einem sicheren Zuhause und gut versorgt sind, die auf der Flucht sind oder auf der Straße leben, die keine Krankenversicherung oder keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben:

 hilf uns, sie und ihr Leiden nicht zu vergessen, und lass uns Wege zur Hilfe für sie finden.

  Gott, du bewahrst uns im Leben und im Sterben. Dir vertrauen wir uns und unsere Lieben an. Bleibe bei uns. Und gemeinsam mit allen, mit denen wir uns verbunden fühlen, beten wir weiter:

Vater Unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dien Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 Segen

 Der Herr segne uns und behüte uns.

 Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen

 


Palmsonntag 29.03.2020

„Haltet durch im Leide, haltet zusammen in Trübsal!“

 

Gottesdienst to go zu Hebräer 13, 12-14

 

Am 29. März 2020, dem Sonntag Judika

 

Von Dirk Kroker

 

 Hebr 13, 12-14:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

 

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.

 

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

 Psalm 43, 1-5

 

Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk.

 

Errette mich von den falschen und bösen Leuten!

 

Denn du bist der Gott meiner Stärke.

 

Warum hast du mich verstoßen?

 

Warum muss ich so traurig gehen,

 

wenn mein Feind mich drängt?

 

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

 

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

 

dass ich hineingehe zum Altar Gottes,

 

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

 

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

 

Was betrübst du dich, meine Seele,

 

und bist so unruhig in mir?

 

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

 

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk.

 

 

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde

 

 

Halten, festhalten, zusammenhalten, durchhalten, das sind die Schlagwörter für diesen sechsten Sonntag der Passionszeit und den dritten Sonntag ohne regulären Gottesdienst.

 

 

Mittlerweile rufen uns die Glocken jeden Sonntag um 10:30 Uhr und jeden Tag um 19:30 Uhr zum gemeinsamen Gebet, auch wenn wir uns nicht sehen und nicht hören. Wir sitzen in unseren Wohnzimmern und Küchen, machen die Fenster einen Spalt auf, damit wir besser hören, was die Glocken zu sagen haben. Und wir werden konfrontiert mit der Aufforderung, vor das Tor zu treten, um Jesus zu folgen.

 

 

Kurz bevor ich diese Zeilen schrieb, las ich folgende Meldung: Zahl der Infektionen weltweit auf mehr als 600.000 gestiegen. Nun, könnte man ein wenig zynisch denken, was sind denn 600.000, wenn doch auf unserer Erde fast 8.000.000.000 leben, in Worten acht Milliarden Menschen. Denn schon rufen die ersten danach, die "Einschränkungen zum Schutz der Nächsten" zu lockern oder sogar ganz aufzuheben. Von Durchhaltewille oder Rücksichtnahme auf andere keine Spur.

 

Wo ist meine Position? Wo zeige ich Flagge? Aufheben der Einschränkungen und der Natur ihren freien Lauf lassen, wohl wissend, dass dann in relativ kurzer Zeit viele Alte, Kranke, Vorgeschädigte sterben werden? Oder doch lieber mich geduldig in meinem Wohnzimmer oder meiner Küche auf das Glockengeläut konzentrieren, wohl wissend ich bin nicht alleine?

 

Es ist der sechste Passionssonntag. Noch eine Woche und dann beginnt mit dem Einzug in Jerusalem die Karwoche, der Höhepunkt des Leidens Jesu. Noch sind die Jünger zweifelnd unterwegs. „Was der nur redet“, denken sie. „Ihm wird schon nichts passieren“, raunen sie sich gegenseitig zu. „Er ist ein Pessimist“, sagt einer laut. Doch Jesus weiß sicher, was da auf ihn zukommt, welches Leid auf ihn wartet.

 

Wir wissen es nicht in unseren Küchen und unseren Wohnzimmern, aber wir hören auf das vertraute Läuten der Glocken und hoffen darauf, dass dieser Kelch an uns vorübergehe, da draußen vor dem Tor, wo so viel Geschrei und Gejammer ist. Viele von uns sammeln sich im Gebet, öffnen Fenster und Türen, manche treten auch vor die Tür und fühlen sich vereint mit allen anderen, die ebenfalls zu dieser Gemeinschaft der Christen hören.

 

Die Hoffnung liegt in diesen Worten. Wir sind mutig genug, aus dem Lager heraus zu treten. Wir outen uns. Wir wollen zeigen, dass wir nicht alleine sind. In unseren Kirchen sehe ich jeden Morgen, wenn ich meine Runde durch die Gemeinde fahre, neue Zettel und Steine auf den Altären. Menschen legen ihre Sorgen und ihr Leid Gott zu Füßen, in Worten und in Symbolen. Von den „Gottesdiensten to go“ vom letzten Sonntag sind kaum noch welche da. Nicht dass so viele Menschen gekommen wären, nein, aber immer öfter kommen Menschen, die anderen Menschen Gottesdienste mitnehmen.

 

Und dann kommt einfach mal so ein Anruf zwischendurch: Herr Pfarrer, herzlichen Dank für diesen Gottesdienst. Er hat mir gut getan. Und dann merke ich, wie manche aus dem Lager heraustreten, die frohe Botschaft verteilen, Menschen daran erinnern, dass sie nicht alleine sind.

 

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Diese Stadt bei Gott, dass, was wir als Reich Gottes bezeichnen, es zeichnet sich gerade hier und jetzt ab. Auf einmal merken wir beim Öffnen des Briefkastens wie dicht diese Glaubensgemeinschaft ist. Himmlische Hoffnung zeigt sich ganz pragmatisch in liebevollen Gedanken in meinem Briefkasten.

 

Jesus war nicht alleine auf dem Weg nach Golgatha. Zumindest bis zum Garten Gethsemane waren alle Jünger dabei und oben, unter dem Kreuz, im Angesicht der Schmach standen die Frauen und Johannes, der Jünger, den Jesus liebte. Eine kleine Keimzelle dessen was wir heute erleben.

 

Wenn Ihnen das Dach auf den Kopf fällt, wenn Sie sich alleine fühlen, aber sicherheitshalber lieber nicht vor die Tür, sondern nur vor Ihr Lager treten wollen, dann rufen Sie an, bei mir, bei der Nachbarin, bei der Verwandtschaft. Vergewissern Sie sich, dass Sie nicht alleine sind, auch wenn es den Anschein haben mag. Denn niemand ist alleine. Wir alle haben jemanden, der zu uns gehört, der uns zuhört.

 

Gemeinsam werden wir uns halten und festhalten, gemeinsam werden wir zusammenhalten und durchhalten. Gott schenkt uns die Kraft dafür. Amen

 

Wir beten mit den Worten unserer Bischöfin Dr. Beate Hofmann

 Lebendiger Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die in diesen Tagen von Sorgen und Angst gequält sind:

 sei du ihnen nahe, schenk ihnen Gelassenheit und Vertrauen auf dich.

 Wir bitten dich für alle, die unter Einsamkeit leiden, weil sie zuhause bleiben müssen und keiner zu Besuch kommt:

 schenk ihnen Menschen, die auf andere Weise zeigen, dass sie da sind und sich kümmern.

 Wir bitten dich für alle, die krank sind: behüte und begleite sie, sei ihnen nahe in schwierigen Momenten und stärke sie im Ringen um ihre Gesundheit.

 Wir bitten dich für alle, die sich um Kranke kümmern: gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung.

 Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen und jetzt schwierige Entscheidungen treffen müssen: schenk ihnen Besonnenheit, Augenmaß und Mut.

 Gott, wir bitten dich auch für alle, die jetzt nicht in einem sicheren Zuhause und gut versorgt sind, die auf der Flucht sind oder auf der Straße leben, die keine Krankenversicherung oder keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben:

 hilf uns, sie und ihr Leiden nicht zu vergessen, und lass uns Wege zur Hilfe für sie finden.

  Gott, du bewahrst uns im Leben und im Sterben. Dir vertrauen wir uns und unsere Lieben an. Bleibe bei uns. Und gemeinsam mit allen, mit denen wir uns verbunden fühlen, beten wir weiter:

Vater Unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dien Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 Segen

 Der Herr segne uns und behüte uns.

 Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen

 


Judika, 22.03.2020

„Sorgt euch nicht!“

 

Gottesdienst to go zu Lukas 12,22-28

 

Nach Ilse Junkermann, in: Zutaten. Themenheft zur Fastenaktion der evangelischen Kirche 2020, S. 31

 Jesus sprach zu seinen Jüngern:

 Darum sage ich euch:

 Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr essen sollt,

 auch nicht um den Leib, was ihr anziehen sollt.

 Denn das Leben ist mehr als die Nahrung

 und der Leib mehr als die Kleidung.

 Seht die Raben:

 Sie säen nicht,

 sie ernten nicht,

 sie haben keinen Keller und keine Scheune,

 und Gott ernährt sie doch.

 Wie viel mehr seid ihr als die Vögel!

 Wer ist unter euch, der,

 wie sehr er sich auch sorgt,

 seiner Länge eine Elle zusetzen könnte?

 Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt,

 warum sorgt ihr euch um das Übrige?

 Seht die Lilien, wie sie wachsen:

 Sie arbeiten nicht,

 auch spinnen sie nicht.

 Ich sage euch aber,

 dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit

 nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

 Wenn nun Gott das Gras,

 das heute auf dem Feld steht

 und morgen in den Ofen geworfen wird,

 so kleidet,

 wie viel mehr wird er euch kleiden, ihr Kleingläubigen!

 Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde

 Zuversicht!

 

Sieben Wochen ohne Pessimismus! So lautet die diesjährige Fastenaktion von „Sieben Wochen ohne“. Das fällt uns besonders schwer mitten in der Coronakrise. Wir suchen Zuversicht und bekommen jeden Tag neue Horrormeldungen. Wir können es kaum ertragen, noch Nachrichten zu schauen oder Zeitung zu lesen.

 

Und dann gibt es noch die scheinbar Unvernünftigen. Sie treffen sich in großen Gruppen, um den Balkonsängern zuzuhören. Sie treffen sich am See, um gemeinsam zu grillen, zu feiern und Corona zu vergessen. Vielleicht sind es auch nur die Ängstlichen, die ihre Angst in Fröhlichkeit ersticken wollen, die sie im Partygetümmel ertränken wollen.

 

Unser Blick in die Zukunft wird von Tag zu Tag enger und unser Herz füllt sich mit Unruhe und Angst. Wie soll es weiter gehen? Wann ändert sich etwas? Wie schlimm wird es noch? In dieser Situation lenkt Jesus unseren Blick weg von uns selbst und hin auf unsere Mitgeschöpfe.

 

Das ist erstmal der Rabe. Er galt damals als der am meisten verachtete Vogel, der dort ist, wo Müll ist. Und wie in einem Werbespot wirbt Jesus um Zuversicht. „Schaut hin!“, sagt Jesus. „Gott gibt selbst diesem Vogel – wie allen Vögeln – genug Futter zum Leben. Er arbeitet sehr wohl für sein tägliches Essen. Aber er hamstert nicht und hortet nicht für morgen. Gott sorgt für ihn. Jeden Tag."

 

Da bleibt mir nur, sie anzuschauen, die Raben, und mir bewusst zu machen, wie viel mehr als sie – als alle Vögel – wir Gott am Herzen liegen! Er wird für uns sorgen!

 

Das ist Jesu erster Werbespot für Gottvertrauen! Und es kommt noch besser: in seinem zweiten Werbespot lenkt Jesus unseren Blick ebenfalls auf unsere Mitgeschöpfe, nun auf eine besonders schöne Pflanze:

 

„Schaut euch die Lilien an. Sie wachsen heran. Dabei plagen sie sich nicht wie wir Menschen. Auch arbeiten sie nicht. Dennoch sind sie schön – schöner als die prachtvollste Kleidung, die wir uns vorstellen können. So schön lässt Gott die Lilien heranwachsen. Obwohl sie höchst vergänglich sind. Sie verschwinden von heute auf morgen – sind – zusammen mit den Gräsern – Heizmaterial. Dennoch schafft Gott jedes Jahr neu eine große Blumenpracht. Schaut sie euch an! Und schaut, wie viel mehr ihr seid für Gott!“

 

In diesen beiden Werbespots wirbt Jesus für Gottvertrauen.

 

Wenn es darum geht, das Leben zu erhalten, Krankheit, Not und Tod zu überstehen, versorgt zu sein, mit dem, was wir tatsächlich brauchen, dann gibt es nur einen Weg: „Dann vertraut Gott und bittet ihn um seinen Segen, seine Begleitung und um das tägliche Brot.“

 

 Gottvertrauen ist wichtiger als Sorge. Wenn wir auf die täglichen Nachrichten hören, wenn wir einerseits die Ausbreitung der Krankheit sehen und andererseits uns in unseren Freiheiten immer mehr beschnitten fühlen, dann ist es an der Zeit, unsere Sorgen Gott vor die Füße zu werfen und uns in Gottvertrauen zu wiegen.

 

Manche haben es schon getan, manche waren in einer unserer vier Kirchen und haben ein kleines Zettelchen ausgefüllt: Guter Gott, ich lege meine Sorgen dir zu Füßen:

 

Und in einer zweiten Zeile: Guter Gott, ich bitte dich,….

 

 Und dann haben sie einen Stein, symbolisch für den Stein auf ihrem Herzen, auf den Zettel gelegt. Und dort bleiben die Sorgen liegen, bis die Krise vorbei ist.

 

„Wenn unser Blick dennoch an uns hängen bleibt, dann“, so sagt Jesus in einem dritten, in einem ernsten Werbespot zwischen den beiden anderen, „dann schaut nüchtern hin und seid realistisch: Keine einzige Minute eures Lebens liegt in eurer Hand. Also: seid realistisch und vertraut Gott. Bei all eurer berechtigten Sorge mitten in der Coronakrise – stellt das Morgen Gott anheim! Und schaut euch an, was Gott euch gibt – täglich. Das wird euch auch in schweren Zeiten tragen.“ Amen.

 

Wir beten mit den Worten unserer Bischöfin Dr. Beate Hofmann

 Lebendiger Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die in diesen Tagen von Sorgen und Angst gequält sind:

 sei du ihnen nahe, schenk ihnen Gelassenheit und Vertrauen auf dich.

 Wir bitten dich für alle, die unter Einsamkeit leiden, weil sie zuhause bleiben müssen und keiner zu Besuch kommt:

 schenk ihnen Menschen, die auf andere Weise zeigen, dass sie da sind und sich kümmern.

 Wir bitten dich für alle, die krank sind: behüte und begleite sie, sei ihnen nahe in schwierigen Momenten und stärke sie im Ringen um ihre Gesundheit.

 Wir bitten dich für alle, die sich um Kranke kümmern: gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung.

 Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen und jetzt schwierige Entscheidungen treffen müssen: schenk ihnen Besonnenheit, Augenmaß und Mut.

 Gott, wir bitten dich auch für alle, die jetzt nicht in einem sicheren Zuhause und gut versorgt sind, die auf der Flucht sind oder auf der Straße leben, die keine Krankenversicherung oder keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben:

 hilf uns, sie und ihr Leiden nicht zu vergessen, und lass uns Wege zur Hilfe für sie finden.

  Gott, du bewahrst uns im Leben und im Sterben. Dir vertrauen wir uns und unsere Lieben an. Bleibe bei uns. Und gemeinsam mit allen, mit denen wir uns verbunden fühlen, beten wir weiter:

Vater Unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dien Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auch auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 Segen

 Der Herr segne uns und behüte uns.

 Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen