Weltfriedenstag 2020

Gefeiertes Friedenskonzert in Oberellenbach

Bewegende Lieder und kritische Denkanstöße auf dem Tummelplatz

 Alheim-Oberellenbach, den 20.09.2020

In diesen Corona-Zeiten ein Konzert zu organisieren, ist ein schwieriges Unterfangen und benötigt eine Menge Enthusiasmus und ehrenamtliches Engagement. Beides scheint es in Oberellenbach in hohem Maße zu geben, denn die hundert Zuschauer auf dem coronagerecht voll besetzten Tummelplatz in Oberellenbach erlebten ein perfekt organisiertes Konzert zum Weltfriedenstag, mit mitreißender Musik, kritischen Denkanstößen, Versorgung durch den Dorfladen und einer friedvoll-entspannten Atmosphäre.

Eingeladen hatte die Evangelische Johanneskirchengemeinde Alheim. „Wir wollen die Tradition unserer Friedenskonzerte unbedingt fortsetzen, und das gerade auch zu Corona-Zeiten, denn es gibt so viele andere wichtige Themen, die wir unbedingt anpacken müssen“, so Pfarrer Dirk Kroker in seiner Begrüßung. Und so ging es dann in den folgenden gut zwei Stunden um Themen wie Frieden und Krieg, Flucht und Armut, Klimaschutz und immer wieder um Solidarität.

Die Band Shiregreen um den Liedermacher und Sänger Klaus Adamaschek bot nicht weniger als 21 Lieder, dabei wie immer auch Klassiker der Friedensbewegung u. a. von Joan Baez, Pete Seeger und John Lennon. Im Mittelpunkt standen diesmal aber die Lieder aus dem neuen Shiregreen-Album „Deutschlandreise“, das Mitte Oktober bundesweit erscheint. Mehrere Monate lang ist Adamaschek kreuz und quer durch Deuschland gereist und hat dabei Anregungen für seine zeitkritischen Lieder gesammelt. Lieder wie „Kurz vor Fulda“, „“Gerd und Tom“ oder „In diesen Straßen“, die von den kleinen und großen Rissen in unserer Gesellschaft erzählen, ernteten in Oberellenbach großen Applaus.

Mit dabei waren beim Friedenskonzert wie immer Paul Adamaschek, der seinen Vater kongenial mit Bass, Piano und Harmoniegesang begleitete, und die Sängerin Marisa Linß, die das Publikum einmal mehr mit ihren Solo-Gesangseinlagen begeisterte. Neu bei Shiregreen ist der Allround-Musiker Johannes Gunkel, der die Lieder des neuen Albums im Studio und jetzt auch live in Oberellenbach mit Gitarre, Geige und Kontrabass mitgeprägt hat.

Zur Mitte des Konzertes gab es einen sehr persönlichen und bewegenden Redebeitrag von Pfarrer Dirk Kroker, in dem es unter anderem um die dramatische Lage im abgebrannten griechischen Flüchtlingscamp Moria und um das im italienischen Palermo festgesetzte Flüchtlingsrettungsschiff Sea-Watch 4 ging. „Da sind Menschen in großer Not, die dringend unsere Unterstützung brauchen, und die wird ihnen mit fadenscheinigen Argumenten verwehrt“, so Dirk Kroker. „Es ist unsere menschliche und auch christliche Pflicht, hier Solidarität zu zeigen.“

Und als dann Dirk Kroker auch selber wieder mit zur Getarre griff und gemeinsam Klassiker wie „Bella Ciao“, „In the Ghetto“ und abschließend „We shall overcome“ angestimmt wurden, entwickelte sich auf dem Tummelplatz eine wundersame und friedvolle-entspannte Stimmung. Die Zuhörer bedankten sich mit stehenden Ovationen, und Pfarrer Dirk Kroker konnte seinen Schlusssegen erst nach zwei Zugaben sprechen. Im Anschluss an das Benefizkonzert wurden Spenden gesammelt, die nach Abzug der Konzertkosten für die Unterstützung von Flüchtlingen eingesetzt werden sollen.

Text: Klaus Adamaschek

Bildnachweis: Foto Stengel Bad Hersfeld