Der Advents- und Weihnachtskalender 2020

Bevor es losgeht

Bald ist es soweit. Ab dem 29. November, dem 1. Advent entsteht hier aus vielen Beiträgen unser eigener kleiner Advents- und Weihnachtskalender. Tag für Tag werden uns hier Texte und Bilder erfreuen, die von Gemeindegliedern gemacht, geschrieben und zusammengestellt wurden. Uns ist bewusst, dass unsere Onlineseite nicht so abwechslungsreich ist wie Facebook oder Instagramm, wo jede Stunde, ja, jede Minute Neues erscheint. Aber das soll es auch gar nicht. Einmal am Tag einen Klick auf diese Seite, um sich ein wenig an adventlichen bzw. weihnachtlichen Gedanken zu erfreuen, das ist unser Ziel. Wir werden uns redlich Mühe geben, viel Verschiedenes hier rein zu stellen.

So wünschen wir Ihnen eine gesegnete, möglichst wenig belastete und hoffnungsfrohe Advents- und Weihnachtszeit und würden uns freuen, wenn Sie diesem Angebot bis zum 06. Januar folgen würden.

Für alle, die mitgewirkt haben

Ihr Pfarrer Dirk Kroker


Strohstern am Baum
medio.tv/dellit

1. Advent - 29.11.2020

Altar zum 1. Advent Pfarrsaal Oberellenbach Bild: Dirk Kroker
Altar zum 1. Advent Pfarrsaal Oberellenbach Bild: Dirk Kroker

Es wird der 1. Advent. Am Sonntag, den 29.11.20 ist es so weit.

Und es wird wohl der seltsamste Advent, den wir je erlebt haben. Das merkt jeder, der einen Blick auf das Pfarrhaus in Oberellenbach wirft. Kaum Festbeleuchtung ist zu sehen.

Das ist komisch, denn bis jetzt war der Pfarrer immer einer der ersten, der alle Fenster mit Lichterketten, Elektrokerzen und anderem schmückte. Doch dieses Jahr scheint ihn etwas zu bewegen.

Ja, sicher, es sind manche Entscheidungen, die schwer auf ihm lasten. Eine z.B. ist die Frage nach den Gottesdiensten. Feiern oder lieber ausfallen lassen?

Sicherer wäre es, dem Virus keine Angriffsfläche zu bieten und keine Gottesdienste zu feiern. Doch auf der anderen Seite ist der Trost und Halt, den die Gläubigen in ihrem Glauben und den Gottesdiensten finden, nicnt zu unterschätzen. Also werden wir ab Dezember, also ab dem 2. Advent, wieder Gottesdienste feiern.

Doch wen es außerhalb der Gottesdienste in die Kirchen treibt, der darf feststellen, dass in der Johanneskirchengemeinde an jedem Tag alle Kirchen offen sind, die einen nur tagsüber, die anderen 24 Stunden. In zweien von ihnen können Kerzen im sicheren Ständer entzündet werden. Eine kleine Spende, eine viertel Stunde Ruhe, vielleicht den Gottesdienst zum Mitnehmen gelesen oder eine Wunschkarte geschrieben, dann kann es gestärkt weiter gehen.

Der Advent 2020 wird eine besondere Zeit sein. Lassen Sie uns miteinander im Glauben verbunden, die Zeit des Wartens überbrücken und gestalten, hier auf dieser Seite, in den Kirchen, in den Andachten und Gottesdiensten und überall, wo wir uns begegnen.

Gottes Segen begleite uns durch diese Zeit. Amen

Pfarrer Dirk Kroker

2. Tag - Montag, der 30.11.2020

Bild: Irmgard Martin
Bild: Irmgard Martin

Perspektivwechsel

 

Advent heißt Warten

Nein, die Wahrheit ist

Dass der Advent nur laut und schrill ist

Ich glaube nicht

Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann

Dass ich den Weg nach innen finde

Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt

Es ist doch so

Dass die Zeit rast

Ich weigere mich zu glauben

Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint

Dass ich mit anderen Augen sehen kann

Es ist doch ganz klar

Dass Gott fehlt

Ich kann unmöglich glauben

Nichts wird sich verändern

Es wäre gelogen, würde ich sagen:

Gott kommt auf die Erde!

 

Und nun den Text bitte mal von unten nach oben lesen! 

 

von Iris Macke aus "Der Andere Advent" Bild und Idee von Irmgard Martin

 

3. Tag - Dienstag, der 01.12.2020

Bild: Gudrun Sinning
Bild: Gudrun Sinning

Für heute Nacht ist Schnee angesagt. Das ahnte noch niemand, als dieser Tag geplant war. Daher pünktlich zum 1. Dezember:

Es treibt der Wind im Winterwalde

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichter-heilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin, bereit -
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Reiner Maria Rilke

Bild und Idee: Gudrun Sinning

4. Tag - Mittwoch, der 02.12.2020

Bild: Beate Kasper
Bild: Beate Kasper

Der Adventskalender

Lange ist es her, da habe ich für meine Kinder Adventskalender gefüllt. Vorher wurden Streichholzschachteln in riesi-gen Mengen gekauft und gelehrt. Ausden Streichholzschachteln wurden bunt beklebt die Türchen für jeden Tag. Bei vier Kindern waren das eine Menge.  Noch heute entzünde ich mit  Streichhölzer aus dieser Zeit meine Ofen.

Und dann die Katastrophe: Die Hunde, die wir damals hatten, fielen, während wir an Arbeit und in Schule waren, über die vier Adventskalender her. Nach unserer Heimkehr sahen wir die Katastrophe und konnten die Kinder kaum trösten. So viel Liebe, klebrige Finger und Ideen hatten wir rein gesteckt. Aber es sollte nicht mein letzter Versuch von selbstgefüllten Adventskalendern sein.

Dieses Jahr haben meine Lebensgefährtin und ich gemeinsam für unsere sechs Enkel sechs Adventskalender gefüllt. Und was haben wir nach Ideen gesucht. Zwei von unseren Enkelchen sind noch ziemlich jung, sodass wir für sie Zoo-Kekse gewählt haben. Hoffentlich bleiben die Kekse halbwegs knusprig über die vier Wochen.

Und für die vier "Großen" gab es Buntstifte, Zauberblöcke und natürlich auch Schnuckeliges. Doch das beste an diesen Adventskalendern wird erst ganz zum Schluss deutlich. Denn sie haben 25 Tütchen.

Wenn alles andere schon durch ist, die Geschenke-Orgie unter dem Weihnachtsbaum ihren Abschluss gefunden hat, dann kommen am Weihnachtsmorgen, dann, wenn es in England und Amerika die Geschenke gibt, auch die Höhepunkte dieser Adventskalender. Das ist wie früher. Für mich war der Gottesdienst am Weihnachtsmorgen mit der Abendmahlsfeier das Schönste überhaupt. Der Höhepunkt der Weihnachtszeit!

In diesem Jahr ist vieles anders. Darum freut es mich, dass manches geblieben ist. Selbstgefüllte Adventskalender, wer macht sich heute schon die Mühe? Ja, machen Sie das? Das finde ich gut. Ein dickes Kompliment dafür. Oder haben Sie vielleicht sogar einen geschenkt bekommen? Dann genießen Sie jeden Tag. Es darf in dieser Zeit ein kleines Ritual sein. Morgens die Tasse Kaffee und der Adventskalender, bevor all das normale Alltagsgeschehen uns ergreift. Ich wünsche Ihnen jeden Tag diese ruhigen, besinnlichen Momente.

Bild: Beate Kasper Text: Dirk Kroker

 

5. Tag - Donnerstag, der 03.12.2020

Bild: Nicole Brand "Am ludwigsecker Schloss"
Bild: Nicole Brand "Am ludwigsecker Schloss"

Es ist der zweite Tag danach – der zweite Tag nach Trier. Viele sind erschüttert, betroffen, traurig, zornig, vielleicht sogar wahnsinnig wütend.

Niemand ist da, der einem solchen Menschen die Tür öffnen würde. Wir lassen ihn lieber draußen stehen, vor den geschlossenen Türen im Bild.

Doch Trost bekommen wir nur dort, wo die Türen offen sind.

Gerade deshalb ist dieser Gegensatz zwischen geschlossenen Türen im Bild und geöffneten Türen im Text so tiefgreifend berührend:

 

 

 

 

 

 

 

 Offene Türen

 

Komm. sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein

Komm, sag es allen weiter, Gott selber lädt uns ein.

Sein Haus hat offene Türen, er ruft uns in Geduld,

will alle zu sich führen, auch die in Not und Schuld.

Dieser Liedtext war das Erste, was mir eingefallen ist, als ich das Thema „Offene Türen“ gelesen habe. Ich denke, ganz viele haben jetzt das Lied im Ohr, wenn sie den Text lesen.

„Sein Haus hat offene Türen“ - so ist es tatsächlich, in ganz  vielen  Orten gibt es „Offene Kirchen“. Es ist schön, wenn man nicht nur zum Gottesdienst, sondern einfach so mal in die Kirche kann, ein wenig zu sich finden, die Stille genießen. Auch an fremden Orten fühlt man sich ein wenig zuhause oder angekommen, wenn man in die Kirche kommt.

Aber natürlich ist diese Zusage im Liedtext nicht nur für die offenen Kirchen gemeint. Er sagt auch aus, dass Gott immer für mich da ist, egal wo ich bin, egal, wie es mir geht, ob ich alt oder jung, klein oder groß bin. In der Not und auch mit Schuld kann ich jederzeit zu Gott kommen, seine Tür steht mir offen.

Im Gebet kann ich ihm alles sagen, er hört mir zu. „Sein Haus hat offene Türen“ ist eine tolle Zusage und wir dürfen das nutzen. Diese offene Tür kann man nicht sehen, aber sie existiert in unseren Herzen. Probiert die Tür aus und sagt es weiter, ruft es hinaus. 

Bild und Text: Nicole Brand, Einleitung: Dirk Kroker

 

6. Tag - Freitag, der 04.12.2020

Langsam wird es spannend. Das erste komplette Adventswochenende liegt vor uns. Dort, wo noch keine Wunschzettel geschrieben sind, wird es jetzt wirklich Zeit. Andere, die sich noch nicht mit Weihnachtsgeschenken beschäftigt haben, bekommen langsam die Panik, ob sie noch alles schaffen.

Ja, und diejenigen, die ihre Weihnachtsdekorationen wie Fensterbeleuchtung Weihnachtskrippe, Tannengrün vor der Haustür und anderes noch nicht fertig gestellt haben, werden dieses Wochenende sicher nutzen. Ja, es geht mit großen Schritten auf den diesjährigen Höhepunkt zu. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um mal eben etwas innezuhalten. Dazu ein Gedicht von Anita Menger und Gedanken von Tine Martin:

Gedicht: Anita Menger - Idee, Komposition und Gedanken: Tine Martin
Gedicht: Anita Menger - Idee, Komposition und Gedanken: Tine Martin

7. Tag - Samstag, der 05.12.2020

Bild: Kerstin Wagner "Weihnachtliche Pfarrhaustür"
Bild: Kerstin Wagner "Weihnachtliche Pfarrhaustür"

Wir drehen uns im Kreis!

Die Pfarrhaustür hat für die unterschiedlichen Menschen sehr unterschiedliche Be-deutungen. Sie kann freund-lich, tröstend, einladend und manchmal sogar bedrohlich wirken.

Dieses wunderbare Bild vermittelt: Wer hinter dieser Tür wohnt, könnte sich im Kreise drehen, vielleicht gerade in dieser Adventszeit.

Ja, wir Menschen drehen uns im Kreis. Kein Moment der Ruhe zum Gedanken sortieren, kein Augenblick der Konzen-tration auf uns selbst. Daran erinnert mich das Bild mit dem beleuchteten Kranz an der Pfarrhaustür.

Da gibt es aber auch andere Türen. z.B. an unseren Kirchen. Seit fast einem dreiviertel Jahr sind sie offen. Sie laden ein, herein zu kommen, sich einen Moment hinzusetzen und nachzudenken. Ein paar Momente Konzentration auf sich selbst, einen Gottesdienst zum Mitnehmen lesen, Gedanken auf sich wirken lassen und das eigene Verhältnis zu Gott zu durchdenken, das sind Ziele der offenen Kirchen.

Haben Sie das mal genutzt? Oder haben Sie sich mal getraut und beim Pfarrer oder der Pfarrerin angeklopft und gefragt, ob sie oder er mal ein paar Minuten für ein Gespräch gerne in der offenen Kirche übrig hat?

Jeden Sonntag breche ich aus meiner kreiselnden Tretmühle aus. Ich besuche die Kirchen meiner Gemeinde, lege "Gottesdienste zum Mitnehmen" aus und nehme mir in jeder Kirche in paar Minuten für mich. Das tut mir gut.

Neugierig geworden? Dann probieren Sie es doch aus. Auch in Ihrer Nähe wird es eine offene Kirche und, wenn gewünscht, einen Pfarrer oder eine Pfarrerin mit ein paar Minuten Zeit geben. Zur Not einfach vorher anrufen und Termin vereinbaren. Und dann gemeinsam oder alleine aus den kreisenden Lichtern ausbrechen und ein einzelnes auf sich wirken lassen. So kann es Advent werden.

Bild: Kerstin Wagner, Text: Dirk Kroker

2. Advent - 06.12.2020 - Nikolaus

Nach einer Woche ...

Nach einer Woche Urlaub, so sagen Urlaubsforscher, beginnt die erste Er-holung.

Nach einer Woche Advent könnten wir die Geschenkesuche abgeschlossen haben und zum gemütlichen Advent mit vorweihnachtlichen Gedanken überge-hen. Darum hier folgendes Rezept für heute Nachmittag oder Abend:

       Diplomaten-Kaffee

 

Der Kaffee mit Schuss- nicht nur bei Omis Kaffeekränzchen sehr beliebt, sorgt am 2. Advent für die eintretende Gemütlichkeit!

 

Für 4 Personen:

 

4 EL Sahne, 80 ml Eierlikör, 4 Tassen starker Kaffee, 15 g Schokoraspel.

 

Sahne steif schlagen, Eierlikör auf 4 die vorgewärmten Tassen verteilen, mit Kaffee aufgießen. Mit je 1 El Sahne und Schokoraspeln bestreut servieren.

Genießen Sie bei einem Blick aus dem Fenster auf die erleuchteten Fenster gegen-über Ihren Diplomatenkaffee.

Wir wünschen einen gesegneten Advent und Nikolaustag!

Idee und Material: Beate Kasper

9. Tag - Montag, der 07.12.2020

In diesen Tagen ist in allen Haushalten der Kirchspiele Alheim und Braach-Baumbach der Gemeindebrief auf den Tisch geflattert. Umfangreich versucht er, alle Gemeindeglieder zu informieren. Aber auch eine ganze Reihe von Einlagen wie der Gottesdienstplan und das weihnachtliche Grußwort unserer Bischöfin sind dabei. Und dann gibt es da noch eine Aktion, ganz in gelb wie der Kerzenschein. Und weil ich diese Aktion so wichtig und gut finde, vor allem, weil sie ökumenisch von unserer Bischöfin und dem katholischen Bischof inszeniert wurde, lege ich sie uns allen an diesem Tag noch mal ans Herz.

10. Tag - Dienstag, der 08.12.2020

Was braucht es zum glücklich sein?

Ist das nicht ein strahlendes Kinder-gesicht? Was ist nötig, um ein biss-chen Glück in dieser dunklen Zeit den Menschen auf das Gesicht und in das Herz zu geben? Offenbar reicht ein eingepackter Tan-nenbaum völlig aus.

 

Gedanken dazu:

Offene Türen in der Advents- und Weihnachtszeit

Weihnachten kann einerseits die schönste, geselligste und die am hellsten leuchtende und gleichzeitig doch die dunkelste und einsamste Zeit im Jahr sein. Nicht jeder hat das Glück, die Weihnachtszeit mit seinen Lieben zu verbringen, in Gespräche vertieft, mit gutem Essen und in Erinnerungen schwelgend. Wäre es nicht schön, dieses Privileg mit der alleinlebenden Nachbarin, dem einsamen Onkel und all denjenigen, denen es nicht so gut wie uns selbst geht, zu teilen?

Eine Einladung zum Kaffee, eine Dose Plätzchen vor der Tür, eine Karte oder ein Anruf bei der Tante im Seniorenheim ist für viele von uns nur eine Kleinigkeit und für andere das Licht im Dunklen. Lasst uns die Weihnachtszeit für alle hell erleuchten, Glück und Liebe verteilen, eine offene Tür für einander haben und uns gegenseitig helfen und unterstützen. Das Schönste, was man jemandem schenken kann, ist Zeit. Und letztendlich ist es nicht nur ein Geschenk an jemand anderen, sondern auch an sich selbst. Denn macht es einen glücklich, durch überfüllte Einkaufsstraßen zu hetzen, Tage in der Küche zu stehen um ein perfektes Weihnachtsmenü zu zaubern und sich gegenseitig überteuerte Geschenke zu schenken oder ist es vielleicht doch die entspannte Zeit mit lieben Menschen und das Wissen, jemand anderem etwas Gutes getan zu haben?

Bild: Gudrun Sinning, Text: Michelle Jourdan

 

11. Tag - Mittwoch, der 09.12.2020

Offene Türen

 

Offene Türen – laden mich ein

Offene Türen – rufen: Komm rein

Offene Türen – lass ich mich drauf ein?

Offene Türen – Was wird dort sein?

Offene Türen – Trau ich´s mir zu?

Offene Türen – schlagen sie zu?

Offene Türen – ich freue mich sehr

Offene Türen – wo komme ich her?

Offene Türen – wo führen sie hin?

Offene Türen – wer ist wohl drin?

Offene Türen – der Weg in mein Glück

Offene Türen – kann ich zurück?

Offene Türen – werde ich´s wagen?

Offene Türen – was soll ich sagen?

Offene Türen – es ist nicht mehr weit

Offene Türen – es ist an der Zeit

 Offene Türen –  ich bin bereit

Bild, Text und Idee: Nicole Brand

 

12. Tag - Donnerstag, der 10.12.2020

Bild: Beate Kasper Ort zum Nachdenken
Bild: Beate Kasper Ort zum Nachdenken

Was wirklich wichtig ist: Ein Moment der Ruhe, Gesund-heit, ein wenig Geborgenheit, gute Freunde und ein Platz, wo wir uns treffen können!

Der folgende Text kursiert seit Wochen im Netz und ich hoffe, wir dürfen ihn einfach so veröffentlichen. Schließlich steht "teilen erwünscht" drunter.

Denkt mal in Ruhe darüber nach:

 

Ich hatte eine Stunde mit meinem Vater auf der Bank verbracht, da er etwas Geld überweisen musste.  Ich konnte nicht widerstehen und fragte ihn:

„Dad, warum aktivieren wir nicht dein Internet-Banking?''

„Warum sollte ich das tun?'' Hat er gefragt ...

„Nun, dann musst du hier keine Stunde für Dinge wie Transfer verbringen. Du könntest sogar online einkaufen.  Alles wird dann so einfach sein!''

Ich war aufgeregt, denn ich meinte ihn in die Welt des Net Banking und des Online-Handel einzuführen zu müssen.

Er fragte: "Wenn ich das tue, muss ich dann nicht aus dem Haus gehen?“

„Jaja''! Ich sagte ihm wie jetzt sogar Lebensmittel an die Tür geliefert werden und was Amazon alles liefert!

Seine Antwort ließ mich sprachlos werden.

Er sagte: "Seit ich heute in diese Bank eingetreten bin, habe ich vier meiner Freunde getroffen. Ich habe eine Weile mit den Mitarbeitern geplaudert, die mich inzwischen sehr gut kennen. Du weißt, ich bin allein... das ist quasi die Firma, die ich brauche.  Ich mache mich gerne fertig und gehe zur Bank und ich gehe auch gerne einkaufen.  Ich habe doch mehr als genug Zeit, es ist die körperliche Berührung, nach der ich mich sehne.

Vor zwei Jahren wurde ich krank. Der Ladenbesitzer, bei dem ich Obst kaufe, besuch-te mich, setzte sich an mein Bett und weinte.

Als deine Mutter vor ein paar Tagen auf ihrem morgendlichen Spaziergang hinfiel, hat das der örtliche Lebensmittelhänder gesehen und sofort sein Auto geholt, um sie nach Hause zu bringen, da er weiß, wo wir wohnen.

Hätte ich diese ‚menschliche’ Note, wenn alles online wäre? Warum sollte ich alles an mich liefern lassen und mich zwingen, nur mit meinem Computer zu interagieren?

Ich möchte die Person kennen, mit der ich es zu tun habe, und nicht nur den "Ver-käufer".  Es schafft Bindungen von Beziehungen. Liefert Amazon das alles auch?“

Fazit: Technologie ist nicht Leben... Verbring deine Zeit mit Menschen... nicht mit Geräten.

Ergänzung: Eine Stunde, bevor ich diese Zeilen hier rein setzte, haben wir als Kirchenvorstand entschieden, die Präsenz-Gottesdienste bis zum 10. Januar ausfallen zu lassen, aus Angst um die Menschen in unseren Dörfern. Wir werden mit Gottesdiensten zum Mitnehmen, mit Andachten auf Youtube und auf den Straßen unserer Dörfer präsent sein. Wir werden uns aus geöffneten Fenstern unterhalten, das Friedenslicht mit der nötigen Distanz verteilen und Segen vom Gartenzaun aus verschenken. Aber wir werden auch sicher sein, dass niemand, weil er in einen Gottesdienst ging, sich infiziert haben wird. Das mag uns mancher ankreiden, aber so ist es uns lieber. Und wenn jemand unsere Hilfe braucht, dann fahren wir auch einkaufen, halten einen Schwatz auf Distanz oder schicken einen Gruß. Und wenn alles vorbei ist, dann werden wir zusammen feiern!

Teilen erwünscht (Netzfund)

13. Tag - Freitag, der 11.12.2020.

Bild: Simone Wacker "Unser Engel"
Bild: Simone Wacker "Unser Engel"

Heute bringen wir noch jemand anderen mit ins Spiel:

Gerade in der Vorweih-nachtszeit und an den Weihnachtstagen soll man ihnen angeblich besonders oft begegnen: Den ENGELN. Vielleicht liegt es daran, dass man einen Engel in dieser Zeit auch gut gebrauchen kann.

Die grauen Wintertage, das trübe Wetter, die Kälte, der meist "hausgemachte" Stress der Vorweihnachtszeit, die Einschränkungen der Pande-mie, die Ungewissheit, ob man mit der Familie Weihnachten feiern kann... können ganz schön auf die Stimmung drücken.

Deshalb wünsche ich Ihnen, dass Ihnen in dieser doch besonderen Adventszeit ein Engel begegnet. Dass da jemand ist, der Ihnen schützend zur Seite steht, der Sie stärkt und Ihnen Mut macht. Einer, der Sie in den letzten Wochen des Jahres begleitet und gemeinsam mit Ihnen das neue Jahr willkommen heißt:

 

Ich wünsche dir für diesen Advent

einen Engel, der deinen Namen kennt.

Einen Engel, der schützend hinter dir steht

und dich hält, wenn der Winterwind stärker weht.

 

Einen Engel, der deine Welt heller macht

und der über dich und dein Leben wacht.

Einen Engel, der deine Träume versteht

und der schützend an deiner Seite geht.

 

Einen Engel, der dir Mut und Freude bringt

und der leise für dich ein Weihnachtslied singt.

Einen Engel, der merkt, wenn du müde bist,

der aufpasst, dass du dich selbst nicht vergisst.

 

Einen Engel, der dir Zeit zum Ausruhen schenkt,

der weiß, was dir gut tut und der an dich denkt.

Ich wünsche dir für diesen Advent

einen Engel, der deinen Namen kennt.

 

Und möge dich zu allen Zeiten

auch im neuen Jahr dieser Engel begleiten!

Ich habe dieses Jahr zusammen mit meiner Tochter Leni mal etwas andere Engel als Geschenke für die Familie gebastelt. In diesem Zusammenhang kam mir dieses Gedicht, welches ich selbst mal zusammen mit einem Engel geschenkt bekommen habe in den Sinn.

Bild, Idee und Teile des Textes: Simone Wacker Gedicht: ein Engelsgeschenk

 

14. Tag - Samstag, der 12.12.2020 Halbzeit der offiziellen Adventszeit

Bild: Gudrun Sinning "Der Adventskranz"
Bild: Gudrun Sinning "Der Adventskranz"

Es ist Halbzeit, kurz vor dem 3. Advent. nun sind es noch zwölf Tage bis Heilig Abend. Noch einen Tag weiter und wir werden die dritte Kerze entzünden. Da frage ich mich schon, was gerade in diesen schwierigen Tagen der Adventskranz uns zu sagen hat: Was uns der Adventskranz sagt

 

 Das Licht der ersten Kerze spricht:

 „Weihnachten, Kinder, ist jetzt nicht.

 Doch habt Geduld. Vier Wochen Zeit

 sind lang noch keine Ewigkeit.

 Die erste Woche geht vorbei.

 Am nächsten Sonntag sind’s noch drei.“

 

 Das Licht der zweiten Kerze spricht:

 „Weihnachten, Kinder, ist noch nicht.

 Beherrscht euch und macht keine Mätzchen;

 nascht bitte nicht von Mutters Plätzchen.

 Die zweite Woche geht auch vorbei.

 Am nächsten Sonntag sind’s nur noch zwei.“

 

 Das Licht der dritten Kerze spricht:

 „Weihnachten, Kinder, ist immer noch nicht.

Doch dürft ihr euch bei meinem Schein

 schon freudiger auf’s Christkind freu’n.

 Die dritte Woche hat schnelle Beine.

 Am nächsten Sonntag ist’s nur noch eine.“

 

 Das Licht der vierten Kerze spricht:

 „Viel länger zappeln müsst ihr nicht

 Freut euch, Kinder, freut euch mit mir.

 Schon steht das Christkind vor der Tür.“

 Verfasser unbekannt

Bild: Gudrun Sinning, Idee für den Text: Gaby Kirchner

 

3. Advent - 13.12.2020            Friedenslicht aus Bethlehem

Bild: Gaby Kirchner
Bild: Gaby Kirchner

Einfach oder nicht?

Es ist egal, solange wir Gottes Kinder sind!

Heute schlagen die Wellen hoch, eigentlich gestern schon. Die Politik hofft, wie so oft, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen auf ihre Privilegien verzichtet. Und so leid es mir tut, es geht um uns, die Christen.

Doch noch wehren sich die meisten Kirchenfürsten, ob Kleine oder Große. Sie wollen nicht auf die geliebten Heilig-Abend-Gottesdienste verzichten. Es ist das Gefühl der Gemeinschaft an diesem Abend, das uns fehlt. Es sind aber auch althergebrachte Rechte. Manchmal frage ich mich, ob wir soviel anders sind wie die Querdenker, die in diesen Tagen ihre persönlichen Freiheiten beschnitten sehen und uns, die Christen, als Beispiele heranziehen. Wenn wir doch für das Wohl der Menschen da sind, welches ist dann der richtige Weg?

Wir, der Kirchenvorstand dieser Kirchengemeinde, hatten uns schon entschieden, einige Tage bevor die Diskussion hochkochte. Ich danke herzlich dafür, denn ich bin davon überzeugt, dass wir das richtige tun. Da fielen mir beim Vorbereiten dieses Textes zum 3. Advent folgende Zeilen in die Hand:

Einfach tun, was richtig ist.

Einfach lassen, was nichts bringt.

Einfach sagen, was man denkt.

Einfach lieben, wen man liebt.

Einfach ist nicht leicht.

Einfach ist am schwierigsten ... (Verfasser unbekannt)

Ja, dachte ich, einfach ist am schwierigsten. Ich war so froh, dass wir den Schwenk um hundertachtzig Grad bereits vollzogen hatten. Alles wirklich wichtige war vorbereitet, noch bevor das vorauszusehende Ende kommen würde. Mit Gottvertrauen würden wir als Gottes Kinder auch diese Zeit bestehen. Und dann fiel mir ein zweiter Text auf meinem Schreibtisch in die Hände. (Was man so alles beim Aufräumen findet!)

Ich bin nicht, was ich tue!

Ich bin nicht, was ich habe!

Ich bin auch nicht, was andere über mich sagen!

Und andere sind nicht, was ich über sie sage! (Diese Zeile habe ich ergänzt!)

Ich bin ein geliebtes Kind Gottes. Das ist es, was ich bin.

Niemand kann mir das nehmen.

Ich brauche mich nicht zu sorgen!

Ich muss nicht hetzen!

Ich kann Jesus vertrauen und seine Liebe (bei allem Corona und vielem anderen Leiden)(auch das habe ich ergänzt) teilen! (Hour of Power Deutschland)

Und so kann ich uns allen einen gesegneten 3. Advent wünschen. Ich kann darauf hoffen, dass möglichst viele in diesen friedlosen Zeiten das Friedenslicht aus Bethlehem erreicht, dass heute verteilt wird. Und ich lade ein, wenn an diesem Sonntagabend das Licht weiter gegeben wird, auch da zu sein, das Licht zu holen und es weiter zu geben.

Bild: Gaby Kirchner, Texte: z.T. unbekannt, z.T. Hour of Power Deutsch und der Rest ist samt Idee: Dirk Kroker

16. Tag - Montag, der 14.12.2020

Bild: Beate Kasper
Bild: Beate Kasper

Ein Tag danach ...

Erwartet und doch nicht daran gedacht: Der Lockdown kommt mit aller Härte. Er wird uns treffen, die Großen wie die Kleinen. Doch anders geht es nicht. Einzige Ausnahme: Die Kirchen können selber entscheiden, ob sie Gottesdienste halten oder nicht. Nur die Rahmenbedingungen sind vorgegeben. Was also tun? Was braucht es an geschwisterlicher Liebe untereinander, damit Weihnachten 2020 vielleicht nicht nur schrecklich, sondern auch schön sein kann? An mancher Stelle in unserem Adventskalender helfen Geschichten, dass wir einen anderen Blick auf die Situation werfen, oder anders denken. Eine solche Geschichte kommt heute. Sie stammt ebenfalls aus dem Fundus einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin, wie so vieles andere hier:

Ein Arzt in Amerika kämpft um das Leben eines kleinen Mädchens. Die 5-Jährige hat eine seltene Krankheit und braucht dringend eine Bluttransfusion, um zu überleben. Eine Blutspende ihres Zwillingsbruders ist ihre einzige Hoffnung: Nicht nur, weil die Geschwister die gleiche Blutgruppe haben, sondern auch, weil der kleine Junge die Krankheit überlebt hat, die seine Schwester jetzt plagt. Sein Blut enthält also die Antikörper, die dem Mädchen das Leben retten können.

Als der Arzt den Jungen fragt, ob er einverstanden ist, Blut für seine Schwester zu spenden, zögert er zunächst. Doch als der Arzt ihm erklärt, dass nur so das Leben seiner Schwester gerettet werden kann, stimmt er zu.

Die Transfusion wird durchgeführt. Die beiden Geschwister liegen bei der Behandlung nebeneinander und der Arzt sieht erleichtert, wie das Gesicht des Mädchens wieder Farbe annimmt. Aber als die Prozedur vorüber ist, wird der tapfere Junge plötzlich ganz ernst und stellt dem Arzt eine Frage, die er sein Leben nicht vergessen wird: „Wann werde ich sterben?“

Der Junge muss gedacht haben, dass er mit der Blutspende sein Leben für das seiner Schwester geben würde. Sofort beruhigt ihn der Arzt und klärt ihn auf, dass er natürlich nicht sterben werde.

Der Arzt ist ergriffen von der tiefen und reinen Bruderliebe, die hinter dem Missverständnis steckt, und teilt die wunderbare Geschichte im Internet. Die Geschichte der Zwillinge lässt keinen ungerührt - gerade, weil der Liebesbeweis des kleinen Jungen so unschuldig und bedingungslos ist. Er ist ohne Zweifel der beste Bruder der Welt.

Und nun die Frage für uns: Was brauchen unsere christlichen Geschwister und Gebrüder von uns? Vielleicht mal das Friedenslicht am Pfarrhaus holen und ein Kerzchen vorbei bringen? Jetzt brennt es ja. Oder brauchen sie etwas anderes? Falls Sie eine Antwort haben, sind Sie herzlich eingeladen, sie als Mail an das Pfarramt oder sie hier oder in einer unserer offenen Kirchen in das Gästebuch zu schreiben.

Fund der Geschichte: https://www.heftig.de/transfusion/

Bild: Beate Kasper, Idee und Fund: Gaby Kirchner, Einleitung: Dirk Kroker

 

17. Tag - Dienstag, der 15.12.2020

Bild: Kerstin Wagner
Bild: Kerstin Wagner

Noch ein Tag ...

... dann werden sich viele Türen schließen. gestern war ich einkaufen, eigentlich nur, um ein paar Lebensmittel und Hundefutter zu besorgen. Und doch wurde ich von der Hektik um mich herum, von der offensichtlichen Panik, vor verschlossenen Türen zu stehen, förmlich überrannt.

Was kann ich dagegen tun? Wie kann ich Ruhe und Zuversicht, Gelassenheit und Entspannung weitergeben?

Naja, und dann sehe ich unseren Freund auf dem Bild völlig alleine im Wald sitzen. Die Lippen formen ein (vielleicht) erstauntes Oh. Keiner um ihn herum, niemand da, der mit ihm spricht. Dabei ist rundherum alles offen. Der Weg, der an dieser Stelle vorbei führt, ist quasi eine Einladung, eine offene Tür. Oder haben wir sie im Angesicht des harten Lockdowns zugeschlagen?

Dazu Gedanken von Nicole Brand:

Offene Türen

Offene Türen sind eine Verbindung, sie verbinden verschiedene Räume miteinander, man kann von einem Raum in den anderen gehen. Man kann von draußen nach drinnen, aber auch von drinnen nach draußen gehen. Aus der Haustür in den Garten oder auch vom Garten auf die Straße.

Ich kann aber auch einfach nur schon mal einen Blick hinein oder hinaus wagen, durch die offene Tür. Eine offene Tür bedeutet für mich: Komm herein, du bist willkommen! Aber ich kann auch jederzeit durch die offene Tür aus dem Raum oder aus der Wohnung hinausgehen, ich kann jemanden besuchen und freue mich dort, wenn mir jemand die Tür öffnet.

Aber natürlich ist es nicht immer nur schön, wenn eine Tür offen ist. Vielleicht ist es mir bei offener Tür zu kalt oder es schmeißt mich jemand raus. Manchmal hat man Bedenken, ist unsicher. Wo führt mich der Weg durch die offene Tür hin? Wird alles gut gehen? Muss ich was lieb gewordenes zurücklassen? Was erwartet mich hinter der Tür? Ich muss es zulassen, muss mich drauf einlassen.

Der Dramatiker Moliere sagte einmal: „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.“ Dieser Spruch soll uns helfen, indem er uns daran erinnert, dass es im Leben immer weiter geht und sich immer neue Wege und Chancen ergeben, sich Türen für uns öffnen, mit denen wir vielleicht gar nicht gerechnet haben. Das Ende von etwas Altem ist deswegen oft der Anfang von etwas Neuem. Also auf was warten wir? Lasst uns Türen öffnen und Neues erleben.

Ein Hinweis von mir: Türen, das können auch Gespräche auf Abstand sein, das können auch Telefone sein, Das kann auch ein gemeinsamer Spaziergang vielleicht auch mit Maske sein. Bei aller Einladung ist auch die Vorsicht wichtig, die uns aber nicht trennen darf. Darum nehmt es wörtlich mit der gebührenden Vorsicht: Lasst uns Türen öffnen und Neues erleben.

Bild: Kerstin Wagner, Text: Nicole Brand, Einleitung und Schluss: Dirk Kroker

18. Tag - Mittwoch, der 16.12.2020

Bild: Gudrun Sinning
Bild: Gudrun Sinning

Was uns die Tage schön macht ...

Nun hat er zugeschlagen, der Lockdown. Doch blüht nicht anderes auf? Ich frage mich, was kann uns die Tage schön machen?

Wenn ich mit meinem Hund im Dunkeln spazieren gehe, genieße ich die erleuchteten Fenster und Gärten. Ein Weg durch die Stadt zeigt mir kreative Ideen, so auch die auf diesem Bild. Ja, es hat genug Grund, traurig zu sein. Und es gibt auch genügend Gründe, dem etwas entgegenzustellen, etwas schönes, kreatives, auffälliges. Das wusste schon Theoder Storm:

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

ein milder Stern hernieder lacht.

Vom Tannenwalde steigen Düfte

und hauchen durch die Winterlüfte,

und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,

das ist die liebe Weihnachtszeit!

Ich höre fernher Kirchenglocken

mich lieblich heimatlich verlocken

in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,

anbetend, staunend muss ich stehn.

Es sinkt auf meine Augenlider

ein gold‘ner Kindertraum hernieder.

Ich fühl’s ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

Bild: Gudrun Sinning, Einleitung und Zusammenstellung: Dirk Kroker

19. Tag - Donnerstag, der 17.12.2020

Bild: Beate Kasper
Bild: Beate Kasper

Heute in sieben Tagen ist es soweit!

Dann ist er da, der Heilige Abend. Aber bis heute konnte nicht zufriedenstellend geklärt werden, wer denn nun kommt: Der Weihnachtsmann oder das Christkind. Das ist eine Frage, die unsere Kinder und Enkel immer noch umtreibt.

Darum ist es an der Zeit, einen Text einzustellen, den so gut wie jeder von uns schon mal gelesen hat und der uns doch immer wieder bewegt. Wir wünschen viel Freude:

Gibt es einen Weihnachtsmann?

von Virginia O'Hanlon und Francis Church / New York Sun

Eines Morgens - es war im September 1897 - fand der Chefredakteur der New Yorker Zeitung „The Sun“ auf seinem Schreibtisch folgenden Brief eines achtjährigen Mädchens: "Lieber Redakteur. Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner Freundinnen sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa aber sagt, wenn es in der Sun steht, ist es auch wahr. Bitte, sag mir doch die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O'Hanlon"
Der Chefredakteur Francis Church Redaktionsmitglied und Leitartikler der "Sun", antwortete selber auf Virginias Anfrage - auf der Titelseite der Sun:
"Virginia,
Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit Ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie - gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben.
Gewiss, Du könntest deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht - was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts.
Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken - geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönsten Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter zu erkennen sein.
"Ist das denn auch wahr?" kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und er wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia!
Dein Francis Church"
Der Briefwechsel zwischen Virginia O'Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr
1897. Er wurde über ein halbes Jahrhundert, alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung gedruckt. Die Sun wurde 1950 eingestellt.

20. Tag - Freitag, der 18.12.2020

Bild: Gaby Kirchner
Bild: Gaby Kirchner

Da steht er, ruhig und unerschütterbar.

Er ist ein Bild der Sehnsucht, dieser gefrorene Baum. Was sehnen wir uns nach einem Wetter, dass den Namen "Winter" verdient. Was wünschen wir uns alles in diesem Jahr. Einige kurze Sätze im Namen des Kirchenvorstandes von Beate Kasper dazu:

Adventswünsche

 

In diesem Jahr ist viel passiert. Die Adventszeit ist eine gute Gelegenheit, um inne zu halten und wieder Kraft zu tanken. Wir wünschen Ihnen und uns vom Kirchenvorstand schöne Adventstage, Zeit zur Entspannung, Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge und dazu gute Ideen für das kommende Jahr!

 

 Nun, macht das betroffen hier und heute? Sicherlich, aber es macht uns auch etwas anderes deutlich: Wir alle, ob Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, Gemeindeglieder, Zufallssurfer oder wer sonst noch diese Zeilen liest: Wir alle sind verbunden in der großen Hoffnung auf Besinnlichkeit, Entspannung und darin, dass wir uns endlich wieder auf das wirklich Wichtige konzentrieren wollen. Und das werden wir irgendwann auch wieder tun können. Langsam darf die Zuversicht im Licht des bevorstehenden Wunders "Weihnachten" und der damit verbundenen offenen Tür in die Zukunft wieder wachsen. Wir bekommen das ganz sicher hin mit göttlicher Unterstützung und gemeinsamen Gestaltungswillen. Ich freu mich darauf!

Bild: Gaby Kirchener, Text: Beate Kasper und Dirk Kroker

 

21. Tag - Samstag, der 19.12.2020

Bild: Gudrun Sinning
Bild: Gudrun Sinning

Eine runde Auszeit

 

Zeit ist der wahre Wohlstand der modernen Welt. Schenken Sie sich und Ihren Lieben Zeit. Gehen Sie raus in die Natur und entschleunigen Sie bei einem Spaziergang.

Worauf warten Sie noch?

 

Bild: Gudrun Sinning, Text: Beate Kasper

 

4. Advent - 20.12.2020

Bild: Beate Kasper
Bild: Beate Kasper

Es ist der 4. Advent

Es ist keine Woche mehr bis zum Heiligen Abend. Und es ist schon eine Woche, dass das Friedenslicht brennt. Da darf man sich schon mal die Frage stellen, wann es denn nun endlich Weihnach-ten wird. Gerade in diesem Jahr, wo wir auf so vieles weihnachtliches verzichten müssen, wo uns die Nach-richten überschwemmen mit völlig Unweihnachtlichem in der Welt, da kommt diese Frage schon auf. Und hier der Versuch einer Antwort:

Wann fängt Weihnachten an

 

Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt, 
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt, 
wenn der Laute mal bei dem Stummen verweilt, 
und begreift, was der Stumme ihm sagen will, 
wenn der Leise laut wird und der Laute still, 
wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos, 
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß, 
wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht
Geborgenheit, helles Leben verspricht, 
und du zögerst nicht, sondern du gehst, 
so wie du bist, darauf zu, 
dann, ja dann 
fängt Weihnachten an.

Bild: Beate Kasper, Idee: Gudrun Sinning, Gedicht: Rolf Krenzer, Einleitung: Dirk Kroker

 

23. Tag - Montag, der 21.12.2020

Bild: Kerstin Wagner
Bild: Kerstin Wagner

Es sind nur noch wenige Tage. Mein Enkel würde sagen: Opa, nur noch dreimal schlafen, dann ist Weihnacht. Ich sage: Du hast recht. Und was sagt der Engel in dieser Weih-Nacht? Weihnachtsbotschaft

 

Achte auf das KLEINE in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener!

In dieser erzwungenen Ruhe sind Sie eingeladen, sich ein paar Minuten Ruhe zu gönnen. Die Türen unserer Kirchen sind offen.

Die Weinachtsbäume sind aufgestellt, die Altäre geschmückt. Ein bisschen raus aus dem GROßEN Weihnachtsrummel hinein in die kleine Ruhe zu uns selbst. Einfach eine große Tür öffnen und sich von dem Kleinen überraschen lassen.

Bild: Kerstin Wagner, Idee: Beate Kasper

 

24. Tag - Dienstag, der 22.12.2020

Bild: Gudrun Sinning
Bild: Gudrun Sinning

Durch diese hohle Gasse wird er kommen!

Ich glaube, es ist das beliebteste Fotoobjekt in der Advents- und Weihnachtszeit in Rotenburg. Hunderte Bilder mit unterschiedlichem Blickwinkel, im Nebel, mit Sternenhimmel oder im Schein der untergehenden Sonne habe ich schon gesehen. Aber zentral waren immer die Bögen, die wie ein Tor zum Himmel immer kleiner werden.

Noch zweimal schlafen, dann ist der große Tag da. Dann wird das Himmelstor geöffnet für ein neugeborenes Kind. Es ist das Kind, dass uns die Liebe Gottes ganz hautnah bringen wird. Und doch scheint es gerade in diesem Jahr so weit weg. Wie der letzte Bogen auf dieser Brücke, die die beiden Teile der Stadt rechts und links der Fulda miteinander verbindet. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf.

Denn so öffnete sich vor so langer Zeit ein Tor zum Himmel völlig ohne unser Zutun. Eine Tür wurde aufgestoßen und die Botschaft leuchtete hindurch: Fürchtet euch nicht!

Was für eine Zusage gerade heute. Dafür bin ich zutiefst dankbar.

Bild: Gudrun Sinning, Text: Dirk Kroker

25. Tag - Mittwoch, der 23.12.2020

Die Christrose

Selten habe ich sie so blühen sehen wie in diesem Jahr. Und ich weiß von manchem, dem sie die Herzenstür geöffnet hat: Die Christrose.

Darum heute nun, einen Tag vor Heilig Abend, ein Gedicht über die Christrose:

 

Vor langer Zeit, als noch der Norden im Bann des Heidentumes lag,

und schrittweise nur die neue Lehre durch fromme Priester Bahn sich brach, 

da thront auf stolzem Edelsitze, umringt von seinem Hofgesind
ein mächt´ger Fürst, german´schen Stammes, mit Helga, seinem holden Kind.
Verhaßt war ihm der Christenglaube, schwertlosen Mann hielt er nicht wert.
Doch Helga, der die fromme Amme vom Christuskinde hat erzählt,
hat sich den stillen, sanften Jesus zum Herzenskönig auserwählt.
Mit Stürmen geht das Jahr zu Ende. Es türmet sich der Schnee zu Hauf
da sieht das Mädchen am Kamine zum finstern Vater fröhlich auf.
"Oh Vater, morgen ist Weihnachten," sie streicht das blonde Haar zurück
"Ja, morgen ist das Fest der Freude!" Ihr Stimmchen bebet schier vor Glück.
"Schweig´mir mit deinen Ammenmärchen, der weise Gott gefällt mir nicht,
der immer nur von Feindesliebe, von Frieden und Versöhnung spricht.
In meinem Gau gilt noch die Regel: Der starke Herr, der schwache Knecht.
Ein König ohne Schmuck und Waffen, von dem man nichts gewisses weiß,
der steht bei uns nicht hoch im Preis.
Wo ist sein Land? Wo seine Leute? Mit Dornen hat man ihn gekrönt.
Am Schandpfahl mußt´er schmählich enden." Klein Helgas Vater grimmig höhnt:
"Eh`ich dem Christengott mich beugte und unterm Kreuze sollte knie`n,
eh müßten hier vor meinem Auge die Rosen unterm Schnee erblüh`n."
Klein Helgas Augen stehn in Tränen, Ihr Herz zuckt bei dem schlimmen Wort.
Es zieht sie aus des Vaters Nähe zum dichtverschneiten Walde fort.
Dort, wo das Reh nur leise schreitet, kniet nieder sie in ihrer Not.
Sie faltet fromm die kleinen Hände und betet zu dem Christengott:
"Herr Jesus in der Herrlichkeit, dein Reich ist groß, dein Arm reicht weit.
Du hast mit deiner Wundermacht viel größeres dereinst vollbracht.
Erhöre eines Kindes Flehn, laß auch ein Wunder heut`geschehn,
dass Vater deine Allmacht schaut und an dich glaubt und dir vertraut.
Schaff Rosen, Herr, wie er begehrt, dass sich sein Fluch in Segen kehrt.
Ich weiß`, du kannst`s, ich glaube fest, daß du Herr, dein nicht spotten läßt."
Getröstet geht das Kind nach Hause. Bald bricht die Heilige Nacht herein.
In weißer Hülle liegt die Erde, vom Himmel flattert Sternenschein.
Da tritt ein Engel in die Kammer, in der das Mädchen friedlich schlief.
Er trug ein Pflänzchen in den Händen und grub es in die Erde tief.
"Du sollst ein Zeugnis sein des Höchsten, daß fromme Glaube Wunder schafft.
Blüh`denn zum Preis des Jesuskind um Weihnacht stets mit neuer Pracht."
Am Morgen, als der Graf erwachte, wollt`er den Augen nimmer traun,
denn unter Helgas Fenster waren die schönsten Rosen anzuschaun.
Da schmilzt sein Trotz wie Schnee im Frühling, Anbetend sinkt er in die Knie,
und Helga schlingt um ihn die Arme: "Christrosen, Vater!“, jubelt sie!

Idee und Recherche zu Bild und Text: Elli Moritz

Heilig Abend - 24.12.2020

Bild: Irmgard Martin
Bild: Irmgard Martin

Diesem Gedicht habe ich angesichts des diesjährigen Weihnachtsfestes nichts weiter hinzuzufügen:

Weihnachten

Markt und Straße steh’n verlassen,
still erleuchtet jedes Haus;
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein steh’n und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld.
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern,
wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen;
aus des Schnees Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen. -
O, du gnadenreiche Zeit!

von Joseph von Eichendorff

 

1. Weihnachtstag - 25.12.2020

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

 

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

 

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

 

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

 

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

 

Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

 

Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

 

2. Weihnachtstag - 26.12.2020

Es war einmal, so beginnen wohl viele alte Geschichten. Es war ein-mal ein seltsames Paar. Er war schon grauhaarig und eindeutig erheblich älter. Sie war bildschön und deutlich jünger als er. Neben dem Altersunterschied fiel sofort ihr dicker Bauch ins Auge. Offenbar war sie hochschwanger.

Die meisten, denen das Paar begegnete, erinnerten sich an die Fernsehserie „Wenn Kinder Kinder kriegen“ und schauten betreten weg. Mit sowas wollten sie nichts zu tun haben.

Das Paar, seit Tagen ohne Radio, Fernsehen und Zeitung, suchte an diesem bitterkalten Abend dringend eine Bleibe. Irgendwie war es an ihnen vorbei gegangen, dass die Hotels für touristische Übernachtungen zumeist geschlossen waren. Lockdown nannte sich das.

Doch dann kamen sie an einen Eingang, der grell beleuchtet und mit anzüglichen Bil-dern ausgestattet sich als Stundenhotel auswies. „30 Minuten – 30 Euro“ stand auf einem Schild. „Das können wir uns nicht leisten“, sagte er leise. Und sie antwortete: „Ich frage trotzdem.“ Mutig ging sie in diesen seltsamen Eingang. „Ach bitte, wir haben kein Dach über dem Kopf, wir haben kein Geld, wir würden gerne einfach mal duschen und in einem Bett schlafen. Und sei es nur für eine Nacht.“

Die korpulente Dame hinter dem Tresen hatte etwas Mütterliches an sich. Sie sagte: „So, ein Dach über dem Kopf sucht ihr? Wie alt bist du denn, Schätzchen?“ „Ich bin letzte Woche 18 geworden. Montag haben wir geheiratet. Wir sind auf dem Weg von München nach Hamburg zu meiner Familie, aber die Fahrkarte ging nur bis hier und nun kommen wir nicht weiter.“ „Soso, 18 und frisch verheiratet. Nun kommt erstmal rein. Macht euch um das Geld keine Sorgen. Ich bin froh, wenn ein Zimmer benutzt wird. Duscht erstmal schön heißt, dann gibt es bei mir was Warmes zu essen und morgen früh finden wir auch für den Rest noch eine Lösung.“ Und so geschah es.

Das war das erste Wunder an diesem Abend. Später in der Nacht wurde das halbe Haus geweckt, als das Baby völlig überraschend zur Welt kam. Die gemütliche Dame vom Tresen rief einen Arzt und ließ durch einen Botenjungen alles besorgen, was die junge Mutter und ihr frisch geborenes Kind so brauchten. Alle Bewohnerinnen und Bewohner in diesem seltsamen Hotel steuerten etwas bei und ein LKW-Fahrer, der auch dort übernachtete, versprach ihnen, sie am nächsten Morgen mit nach Hamburg zu nehmen.

Als die beiden all diese Wunder um sich herum sahen und erlebten, da wurden sie ganz verlegen. Er hatte eine kleine Träne im Augenwinkel und sie umarmte jeden, der da war, voll Dankbarkeit. Ein Wunder irgendwo auf halbem Weg zwischen München und Hamburg.

Falls das wirklich heute geschehen würde, so wäre es ein echtes Weihnachtswunder. Ich möchte daran glauben, dass solche Wunder auch heute noch möglich sind, zweitausend Jahre nach den Geschehnissen in jenem Stall.

Darum bedankte sich das Paar noch einmal bei allen und gelangte schließlich unbehelligt zur Familie der jungen Frau, wo sie mit Freuden aufgenommen wurden. So wurde es völlig überraschend und absolut unbemerkt von ganz vielen Menschen Weihnachten.

 Autor: Dirk Kroker Bild: Kerstin Wagner

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Bleiben Sie behütet und bewahrt vor und in dieser Pandemie. Finden Sie für sich und ihre Lieben den richtigen Weg durch diese Zeit. Lassen Sie sich nicht unterkriegen und verlassen Sie sich auf unseren Gott, dem es damals, vor so langer Zeit nicht anders ging wie diesem jungen Paar in unserer Geschichte. Und sollte jemand vor Ihrer Tür stehen und nicht mehr ein noch aus wissen, dann lassen Sie ihn vielleicht doch rein, geben Sie ihm oder ihr etwas zu essen, ein Dach über dem Kopf und ein Bett, auch wenn es nur für eine Nacht ist. Amen.

Und so segne und behüte Sie unser dreieiniger Gott, der tröstet, der stärkt und der uns trägt, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 

Sie sind herzlich eingeladen, in einer unserer offenen Kirchen, (Sterkelshausen und Oberellenbach 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Niederellenbach und Licherode 24 Stunden am Tag) einen Moment auszuharren, einen Gottesdienst zum Mitnehmen zu holen, ein Gebet zu sprechen und einen Gruß im Gästebuch zu hinterlassen.

Außerdem sind Sie herzlich eingeladen, wenn Ihnen das sprichwörtliche Dach auf den Kopf fällt oder Sie einfach mal mit jemandem reden wollen, im Pfarrhaus, 05664/1628, anzurufen. Sollte ich nicht da sein, rufe ich gerne zurück. Dazu hinterlassen Sie mir nur eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.

 

 EG 44 O du fröhliche, o du selige

 

1. O du fröhliche, o du selige,

 

gnadenbringende Weihnachtszeit!

 

Welt ging verloren, Christ ist geboren:

 

Freue, freue dich, o Christenheit!

 

2. O du fröhliche, o du selige,

 

gnadenbringende Weihnachtszeit!

 

Christ ist erschienen, uns zu versühnen:

 

Freue, freue dich, o Christenheit!

 

3. O du fröhliche, o du selige,

 

gnadenbringende Weihnachtszeit!

 

Himmlische Heere jauchzen dir Ehre:

 

Freue, freue dich, o Christenheit!

29. Tag - Sonntag, der 27.12.2020

Bild: Beate Kasper
Bild: Beate Kasper

Nachdem nun eine schöne und schwierige, eine außerge-wöhnliche und immer wieder stattfindende Zeit vorbei zu sein scheint, wünsche ich euch in dieser Zeit zwischen den Jahren:

Wärme und Geborgenheit    Erfüllte Stunden

Innehalten können

Heiterkeit und Humor

Natürliche Freuden

Außergewöhnliche Momente

Christbaumzauber

Hoffnung und Freude im Herzen

Treue Freunde und Menschen, die sich mit dir freuen
Eisblumen am Fenster

Nichts tun müssen und nichts haben müssen

Bild: Beate Kasper, Idee und Text: Gudrun Sinning

 

30. Tag - Montag, der 28.12.2020

Zwischen den Jahren

 

Für mich, 72 Jahre, war die Zeit zwischen den Jahren immer eine besondere Zeit. Es lief alles ruhig und gemächlich.

Der Duft des Tannenbaumes mit seinen Wachskerzen war noch präsent, draußen war es kalt und es lag Schnee. Wobei ich mich bei letzterem nicht festlegen möchte.

Nachmittags saßen alle zusammen in der warmen Küche. Es wurde erzählt, auch mal gesungen, Weihnachtsplätzchen und Bratapfel gegessen, beim "Dämmerstündchen" im Kerzenschein. Das Licht wurde erst angeschaltet, wenn die Eltern zum Melken und Füttern in den Stall gingen. Alle Arbeiten wurden auf das Notwendige beschränkt.

Geschenke brauchten wir nicht umtauschen. Neben Gesellschaftsspielen gab es individuell angefertigte Geschenke wie selbst gestrickte Winterbekleidung, neue Garderobe für die Puppe und für diese auch ein Bett mit "Himmel", ein Gemeinschaftswerk von Opa und Mutter.

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester war auch von Bräuchen und Aberglauben geprägt, mehr oder weniger in den einzelnen Familien

So durfte keine Wäsche gewaschen werden und auch Klöße kochen war tabu.

Bei uns zu Hause gab es den schönen Brauch, dass wir Kinder am Silvesterabend einen Teller aufstellen  durften auf dem am nächsten Morgen Frau Holle etwas für uns hinterlassen hatte. Nichts besonderes: Weihnachtsplätzchen, Nüsse, eine Apfelsine, Zopfspangen oder Stifte und neue Griffel....

Auch später, während meiner Berufstätigkeit, habe ich die Zeit anders als sonst empfunden, obwohl ich keinen Urlaub hatte.

Die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, waren entspannter und gelassener als sonst.

In den letzten Jahren hat sich das Gefühl einer besonderen Zeit geändert. Gleich nach Weihnachten geht es wieder rund. Es gibt Termine und Events und es stellt sich eine gewisse Hektik ein. 

Kein Innehalten mehr.

Und das sage ich obwohl ich jetzt Rentnerin bin!

Mal sehen, wie es in diesem Jahr sein wird, wo bedingt durch Corona noch mal alles anders ist als all die Jahre zuvor.....

Idee, Bild und Text: Irmgard Martin

 

31. Tag - Dienstag, der 29.12.2020